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04.07.2022

16:53

Christian Sewing

„Gift für die Gesellschaft“: Deutsche-Bank-Chef warnt vor Folgen der Inflation

Von: Andreas Kröner

Christian Sewing fordert von der EZB, die Zinsen stärker anzuheben als bisher kommuniziert. Zudem befürchtet er eine globale Rezession im kommenden Jahr.

„Wir steuern auf ein Jahrzehnt hoher Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität zu“, sagte Sewing. Bloomberg

Christian Sewing

„Wir steuern auf ein Jahrzehnt hoher Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität zu“, sagte Sewing.

Frankfurt Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing fordert von den Notenbanken beherzte Schritte im Kampf gegen hohe Preissteigerungen. „Inflation ist nicht nur Gift für die Wirtschaft, sondern für die Gesellschaft insgesamt“, sagte Sewing am Montag beim „Euro Finance Summit“ in Frankfurt.

In der Euro-Zone sind die Verbraucherpreise im Juni um 8,6 Prozent im Jahresvergleich gestiegen. In Deutschland lagen sie laut Statistischem Bundesamt um 7,6 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.

Viele Deutsche könnten wegen der Preissteigerungen inzwischen nicht mehr sparen oder sogar ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen, sagte Sewing. Dadurch sei der soziale Frieden in der Bundesrepublik bedroht. In ärmeren Ländern sei das Konfliktpotenzial noch größer.

„Der anhaltende Preisdruck hat ein enorm disruptives Potenzial und erhöht das Risiko einer globalen Rezession im nächsten Jahr“, warnte Sewing. „Ich kann nicht verleugnen, dass ich mir Sorgen mache, was uns in den nächsten zwölf Monaten bevorsteht.“

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    Angesichts der Gefahren, die von der hohen Inflation ausgehen, sind höhere Leitzinsen laut Sewing unabdingbar. Die US-Notenbank Fed sollte ihre Leitzinsen aus seiner Sicht im Juli um weitere 0,75 Prozentpunkte anheben. „Wir wünschen uns auch von der EZB, dass nun schneller als bislang angekündigt die Zinsen erhöht werden.“

    Ob der Deutsche-Bank-Chef mit seinen Forderungen bei EZB-Präsidentin Christine Lagarde durchdringt, ist jedoch ungewiss. Die Französin hatte vergangene Woche beim Notenbankertreffen im portugiesischen Sintra erneut bekräftigt, dass sie im Juli lediglich eine Zinsanhebung von 0,25 Prozentpunkten anpeilt.

    Sewing: „2023 wird noch komplizierter werden als 2022“

    Neben der Inflation bereiten Sewing auch der Krieg in der Ukraine, Lieferkettenprobleme, die Coronapandemie und Engpässe am Arbeitsmarkt Sorgen. „In den mehr als 30 Jahren, die ich mittlerweile im Bankgeschäft bin, habe ich noch nie eine vergleichbare Ansammlung von Risiken gesehen wie derzeit.“

    Im zweiten Quartal seien die Gewinne der Unternehmen noch hoch und ihre Auftragsbücher voll, sagte Sewing. Doch das werde sich ändern, auch wegen der Zinswende der Zentralbanken. „Sicherlich wird 2023 ein noch komplizierteres Jahr, als 2022 schon ist.“

    Dass der Westen wegen des Kriegs in der Ukraine weitere Sanktionen gegen Russland vorbereitet, findet Sewing richtig, mahnt dabei aber Augenmaß an. „Alle zusätzlichen Sanktionen müssen Russland mehr schaden als uns.“

    Die Konsequenzen von Sanktionen müssten gründlich durchdacht und transparent benannt werden, so Sewing: „Ein Gasembargo gegen Russland würde unzweifelhaft zu einer tiefen Rezession in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern führen.“

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