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27.07.2022

14:35

Deutsche-Bank-Tochter

25 Milliarden Euro Kapitalabfluss in einem Quartal – und der Gewinn der DWS sinkt ebenfalls

Von: Anke Rezmer

Die Fondstochter von Deutschlands größter Bank fährt im zweiten Quartal ein Ergebnisminus von zehn Prozent ein. Der bereinigte Ertrag ist aber gestiegen. Großinvestoren zeigen sich gelassen.

Die Fondstochter der Deutschen Bank kämpft seit Monaten mit einer Greenwashing-Affäre. Reuters

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Die Fondstochter der Deutschen Bank kämpft seit Monaten mit einer Greenwashing-Affäre.

Frankfurt Gleich die erste Quartalsbilanz fällt bescheiden aus: Knapp sieben Wochen nachdem Stefan Hoops den Chefposten der Deutsche-Bank-Fondstochter übernommen hat, muss er seinen Investoren und den Analysten für das zweite Quartal unter dem Strich 25 Milliarden Euro Kapitalabflüsse präsentieren.

Das Konzernergebnis sackte um ein Zehntel gegenüber dem Vorjahresquartal auf 155 Millionen Euro ab. Das teilte die DWS am Mittwoch mit. Als Grund für den schwachen Absatz nennt das Fondshaus das „ungünstige Umfeld“, speziell die weltweiten Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine.

Von April bis Juni zogen Anleger Kapital vor allem aus Cashprodukten wie Geldmarktfonds ab: insgesamt 24,8 Milliarden Euro. Dahinter stehen nach Aussage von Finanzvorständin Claire Peel vor allem große US-Kunden, die auf die anhaltend hohe Inflation reagierten. 3,3 Milliarden Euro holten Investoren zudem aus ETFs zurück, 0,1 Milliarden aus Anleihefonds. Wegen der starken Marktschwankungen schichteten Anleger um, sagte Peel auf der Konferenz mit Analysten zu den Zahlen. Im Juli sei der Großteil der Abflüsse bereits wieder zurückgekommen.

Die höhermargigen aktiv gemanagten Aktien-, Mischfonds und alternative Anlagen sammelten dagegen unter dem Strich etwas neues Kapital ein in Höhe von 0,7 Milliarden Euro, 0,6 Milliarden Euro und 1,6 Milliarden Euro. Dafür sind demnach vor allem einzelne bekannte Fonds wie der Aktienfonds „DWS Top Dividende“ und der Mischfonds des bekannten Fondsmanagers Klaus Kaldemorgen „Concept Kaldemorgen“ verantwortlich. Bei Alternativen waren Produkte zur Risikoabsicherung und Infrastrukturfonds gefragt.

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    Im ersten Halbjahr flossen damit per saldo 26 Milliarden Euro Kapital ab. Das gemanagte Vermögen der DWS sank deshalb und wegen der Kursverluste bei Aktien und Anleihen seit Ende März um 69 Milliarden Euro auf 833 Milliarden Euro.

    Die Ergebnisse der DWS im Detail

    Hoops betonte in der Analystenkonferenz das starke Finanzergebnis der DWS: „Obwohl sich das Umfeld im zweiten Quartal weiter signifikant verschlechtert hat, ist es uns gelungen, den höchsten bereinigten Vorsteuergewinn zu erzielen, den wir jemals in einem zweiten Quartal und einem ersten Halbjahr erreichen konnten“, sagt der neue Chef. Dank des diversifizierten Geschäftsmodells sei die DWS widerstandsfähig geblieben, betonte er mit Blick auf eine anhaltende Nachfrage nach hochmargigen alternativen Anlagen und aktiven Fonds.

    Der besagte bereinigte Vorsteuergewinn legte im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal um elf Prozent zu auf 273 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorquartal steht ein Minus von zwei Prozent. Im ersten Halbjahr stieg der bereinigte Vorsteuergewinn ebenfalls um elf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 552 Millionen Euro.

    Die Erträge kletterten im zweiten Quartal im Vorjahresvergleich um sieben Prozent auf 689 Millionen Euro. Die Managementgebühren sind demnach im Vergleich zum ersten Quartal unverändert geblieben, jedoch führten unter anderem sich weniger günstig entwickelnde Marktwerte der Garantien für Garantieprodukte dazu, dass die Erträge gegenüber dem Vorquartal um drei Prozent zurückgingen. Im ersten Halbjahr sind die Erträge gegenüber dem Vorjahreszeitraum um acht Prozent gestiegen auf 1,36 Milliarden Euro.

    Das Konzernergebnis sackte gegenüber dem Vorquartal um 17 Prozent ab. Im ersten Halbjahr blieb es im Vorjahresvergleich unverändert bei 341 Millionen Euro.

    Die bereinigten Kosten stiegen im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal um fünf Prozent auf 398 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorquartal reduzierten sie sich leicht. Im ersten Halbjahr kletterten sie um sechs Prozent auf 808 Millionen Euro.

    Die bereinigte Aufwand-Ertrags-Relation ist im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,3 Prozentpunkte auf 59,3 Prozent gesunken. Im ersten Halbjahr verbesserte sich die Quote damit „auf das sehr gute Niveau von 59,4 Prozent“, wie Finanzvorständin Peel betonte.

    Die Management-Gebührenmarge ist im zweiten Quartal im Vorjahres- und Vorquartalsvergleich gestiegen auf 0,284 Prozentpunkte. Peel erkennt darin einen Schwenk hin zu aktiv gemanagten Produkten in den instabilen Börsenzeiten.

    Der neue Chefs der DWS stellte am Mittwoch die Zahlen fürs zweite Quartal vor. picture alliance/dpa/TASS

    Stefan Hoops

    Der neue Chefs der DWS stellte am Mittwoch die Zahlen fürs zweite Quartal vor.

    Hoops bekräftigte in der Analystenkonferenz in seinem Ausblick die Wachstumsziele der DWS: Mittelfristig will das Haus ein jährliches Nettomittelwachstum von durchschnittlich mehr als vier Prozent und eine nachhaltige bereinigte Aufwand-Ertrags-Relation von 60 Prozent im Jahr 2024 erreichen. Rund 60 Prozent hält Peel auch in diesem Jahr für erreichbar.

    Hoops betonte zudem die Suche nach geeigneten Übernahmezielen: „Wir scannen den Markt nach M&A-Gelegenheiten“, sagte er. Den von seinem Vorgänger ausgerufenen Fokus auf Asien bestärkte er.

    Außerdem will Hoops die DWS enger mit der Unternehmensbank und dem Investmentbanking des Mutterkonzerns verzahnen. So könnten Großkunden mit Bedarf an Liquiditätsprodukten bei der DWS fündig werden. Auch könne der Vermögensverwalter etwa Mezzanine-Produkte – eine Finanzierungsform zwischen Eigen- und Fremdkapital – anbieten und auch damit mittelständische Kunden ansprechen. Dass die DWS insgesamt wieder näher an den Mutterkonzern heranrückt, sieht Hoops nicht.

    Wegen Greenwashing-Vorwürfen: Große Kunden hinterfragen Mandate

    Den neuen DWS-Chef dürften zwei Dinge trösten: Er hat diese Zahlen noch nicht zu verantworten. Und Asoka Wöhrmann, der Anfang Juni wegen der schwelenden Greenwashing-Affäre des Fondsanbieters und einer dubiosen Vermischung privater und geschäftlicher Interessen als DWS-Chef zurücktreten musste, ging es nach seinem Antritt ähnlich. Er musste für 2018 Kapitalabflüsse von netto gut 22 Milliarden Euro und einen Einbruch des Konzerngewinns um 38 Prozent berichten. Damals belasteten ebenfalls turbulente Börsen das Fondsgeschäft sowie ein zunehmender, harter Konkurrenzkampf durch die immer beliebteren ETFs.

    Einige große Kunden hätten infolge der Greenwashing-Vorwürfe Mandate hinterfragt, bestätigte Hoops in der Analystenkonferenz Berichte von Insidern. Kunden wollten Nachweise zu den Nachhaltigkeitsprozessen sehen, heißt es. Manche Großinvestoren, die ihr Geld nach ethischen Kriterien angelegt wissen wollen, hätten Mittel zurückgehalten. Hoops berichtete, dass er gemeinsam mit Vertriebschef Dirk Görgen in den ersten Wochen intensiv mit den wichtigsten Großkunden das Thema ESG diskutiert habe.

    Die DWS hat ungeachtet laufender behördlicher Untersuchungen und einer Razzia in den Firmenzentralen der DWS und der Deutschen Bank Ende Mai von Anfang an die Anschuldigungen zurückgewiesen. Zudem betont der Fondsanbieter, dass sich die Greenwashing-Vorwürfe bisher nicht in den Geschäftszahlen zeigten.

    Hoops, der ehemalige Leiter der Unternehmensbank der Deutschen Bank, hat sich auf die Fahnen geschrieben, das Vertrauen in die DWS wiederherzustellen. In sonstigen Kosten seien 12 Millionen Euro für Aufwendungen rund um die Untersuchungen zu den Vorwürfen und mögliche Strafzahlungen eingestellt, sagte Peel.

    Das Ergebnis nahmen große Investoren eher gelassen hin. In diesen turbulenten Zeiten überraschten Abflüsse wenig, immerhin sei der Saldo bei den höhermargigen Fonds leicht positiv, sagte ein Investor. Die bereinigten Erträge seien „ordentlich“ in einer solchen Börsenphase, sagte ein anderer. Ein dritter Großanleger erklärte, die DWS müsse nun allerdings zeigen, dass sie die verlorenen Milliarden wieder hereinhole und vor allem die Kosten-Ertrags-Quote stabil halten könne.

    Der Kurs der DWS-Aktie bewegte sich am Mittwoch leicht im Plus bei knapp 26 Euro. Das ist allerdings ein gutes Drittel unterhalb des Jahreshochs im Februar und ein Fünftel unter dem Ausgabekurs beim Börsengang.

    Bei großen deutschen Konkurrenten lief das Geschäft im ersten Halbjahr indes offenbar stabiler. In einem ersten Ausblick auf Zahlen des ersten Halbjahrs berichtete der Vorstandschef der Sparkassentochter Dekabank, Georg Stocker, dass er davon ausgehe, dass sein Haus in den ersten sechs Monaten einen Nettoabsatz von über 15 Milliarden Euro verbucht habe. Ein gewichtiger Anteil davon floss dem Vernehmen nach außer in Zertifikate auch in Fonds. „Insbesondere die Privatanleger haben weiter investiert“, sagt er. Zudem seien Wertpapier-Sparpläne weiter gefragt.

    Allerdings sehe auch er, dass die Anlegerinnen und Anleger im Laufe des zweiten Quartals vorsichtiger geworden sind, berichtet der Dekabank-Chef. Die Kombination aus hoher Inflation, Zinswende, Ukrainekrieg und Rezessionsgefahr schlage also auch auf Privatanleger durch. Für eine konkrete Einschätzung sei es aber noch zu früh, meint er. Bei den anderen großen Anbietern soll es ähnlich aussehen.

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