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24.10.2022

15:11

Deutsche-Bank-Tochter

Greenwashing-Vorwürfe: Verbraucherzentrale Baden-Württemberg verklagt die DWS

Von: Anke Rezmer

Mit der Fondstochter der Deutschen Bank gehen Verbraucherschützer nun beim nächsten Finanzanbieter gerichtlich gegen angeblich irreführende Werbung vor. Die DWS weist die Kritik zurück.

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat Deutschlands größte Fondsgesellschaft wegen des Verdachts von Greenwashing verklagt. dpa

DWS-Zentrale in Frankfurt

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat Deutschlands größte Fondsgesellschaft wegen des Verdachts von Greenwashing verklagt.

Frankfurt Neuer juristischer Ärger für die DWS: Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat beim Landgericht Frankfurt Klage gegen die Fondstochter der Deutschen Bank eingereicht. Mit der Klage (Aktenzeichen: 3-10 O 83/22), die auf den 26. September datiert ist, wollen die Verbraucherschützer nach eigener Aussage „gegen irreführende Werbung für angeblich nachhaltige Geldanlagen“ vorgehen.

Eine Verhandlung wurde demnach für den 10. März 2023 anberaumt. Die DWS weist die Kritik der Verbraucherzentrale zurück.

Das Ziel der Klage ist es nach Aussage der Verbraucherschützer, „bestimmte, aber durchaus typische, kaum nachvollziehbare Werbeslogans zur Absatzförderung wegen Irreführung gerichtlich untersagen zu lassen“. Eine überzogen dargestellte positive Wirkung von Produkten auf die Umwelt, das sogenannte Greenwashing, sieht Niels Nauhauser, Abteilungsleiter für Finanzthemen bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, bei Finanzprodukten an der Tagesordnung.

Der Einfluss von als nachhaltig beworbenen Finanzprodukten auf die Förderung nachhaltiger Technologien und nachhaltiges Wirtschaften müssen seiner Meinung nach aber noch bewiesen werden. „Vollmundige Werbeversprechen, die auf einem sehr eigenwilligen Verständnis der Kapitalmärkte beruhen, führen nicht zu mehr Nachhaltigkeit.“

Solange weder gesetzlich definiert sei, was „nachhaltige Geldanlagen“ genau sein sollen, noch valide Daten zur Nachhaltigkeitsmessung vorlägen, könne auch eine wirksame Aufsicht Greenwashing nicht unterbinden.

Verbraucherschützer haben bereits mehrfach wegen angeblichen Greenwashings geklagt

Für die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg ist es eine weitere Klage gegen einen Finanzanbieter wegen Greenwashing-Vorwürfen. Die Verbraucherschützer hatten bereits DWS-Konkurrentin Deka verklagt, die während des Prozesses ankündigte, die kritisierte Nachhaltigkeitswerbung zu unterlassen.

Gegen die Commerzreal Fund Management gab es ein Urteil. Gegen die DKB klagen die Verbraucherschützer ebenfalls. Außergerichtlich hat sich die Verbraucherzentrale demnach geeinigt mit Liqid, der Stuttgarter Versicherung und Tomorrow.

Verbraucherschützer halten Werbung für einen Nachhaltigkeits-Aktienfonds für „irreführend“

Konkret hält die Verbraucherzentrale der DWS vor, damit zu werben, dass Anleger, die Geld im Aktienfonds „DWS Invest ESG Climate Tech Fonds“ vom 31.05.2022 anlegen, mit ihrem Fondsvermögen zu null Prozent in Unternehmen aus bestimmten kontroversen Sektoren wie „Kohle“ oder „Rüstungsgüter“ investieren. Das halten die Verbraucherschützer für „irreführend“.

Denn es werde nicht transparent erläutert, wie die DWS zu diesen Angaben gelangt. Auch könne aufgrund von Schwellenwerten nicht ausgeschlossen werden, dass die vom Fonds gehaltenen Unternehmen eben doch einen Teil ihres Umsatzes im kontroversen Sektor erzielten. Anlegern werde vorgegaukelt, sie investierten zu null Prozent in Kohle, während die im Fonds gehaltenen Unternehmen etwa bis zu knapp 15 Prozent ihres Umsatzes in der Kohleindustrie erzielen dürften, bemängelt Nauhauser.

Außerdem monieren die Verbraucherschützer, die DWS stelle in der genannten Werbung anhand verschiedener umwelt- und nachhaltigkeitsbezogener Kriterien Vorteile ihres Fonds gegenüber einer Anlage gemäß eines Referenzwerts dar – etwa, dass die Firmen im Fondsbestand angeblich 90 Prozent weniger Kohlenstoffdioxid (CO2) ausstießen als die Unternehmen des Referenzwerts. Die Verbraucherzentrale hält diese Werbung für irreführend, unter anderem weil die DWS weder für den Fonds noch für den Referenzwert nachvollziehbar darlege, wie sie die CO2- Ausstoßwirkung berechne.

Dies ist nach Einschätzung der Verbraucherschützer auch schwerlich möglich, weil der zugrunde liegende Referenzindex, der weltweite Aktienindex MSCI AC World, rund 2900 Firmen beinhalte, für die unterschiedlichste Pflichten zur Angabe ihrer Nachhaltigkeitsausrichtung gelten, darunter „nicht prüfbare“ Selbstauskünfte.

Ferner behaupte die DWS ohne Begründung, dass Anleger mit dem genannten Fonds „gezielt in die Erreichung der Klimaziele“ investierten und „durch gezieltes Investieren mithelfen, dem Klimawandel entgegenzuwirken“ oder dessen Auswirkungen abzumildern.

Dies hält die Verbraucherzentrale für inakzeptabel intransparent, zumal die Taxonomie-Verordnung der Europäischen Union bei einer solchen umweltbezogenen Werbung transparente Angaben verlange. Mit ihrer Taxonomie definiert die Staatengemeinschaft bestimmte Wirtschaftsaktivitäten als nachhaltig mit Blick auf die Klimaziele.

Die Deutsche-Bank-Fondstochter weist die Vorwürfe von sich

Die DWS weist die Kritik von sich und betont, große Sorgfalt auf die Erstellung von Werbematerialien zu verwenden. „Wir haben die im Fokus stehenden Unterlagen eingehend geprüft und sind weiterhin überzeugt, dass die von der Verbraucherzentrale kritisierten Werbemitteilungen der DWS den gesetzlichen Anforderungen entsprechen“, teilte der Fondsanbieter mit.

Es sei der eigene Anspruch, Produkte transparent und verständlich darzustellen. Zudem betont der Fondsanbieter, seine Werbematerialien auch weiter regelmäßig zu überprüfen und weiterzuentwickeln.

Für die DWS kommt die Klage zu einer Zeit, in der sich das Haus unter ihrem neuen Chef Stefan Hoops bemüht, Unruhe um das Thema Greenwashing hinter sich zu lassen. Hoops folgte Anfang Juni auf Asoka Wöhrmann, der in Greenwashing-Vorwürfe der früheren Nachhaltigkeitschefin der DWS, Desiree Fixler, verstrickt gewesen war. Fixler hatte ihrem Ex-Arbeitgeber vorgeworfen, bei der Darstellung des eigenen Nachhaltigkeitsengagements zu übertreiben.

Gegen ihre Kündigung hatte sie vor dem Arbeitsgericht Frankfurt geklagt und verloren. Ob sich die DWS „grüner“ gegeben hat, als sie ist, prüfen mittlerweile die US-Börsenaufsicht SEC, das US-Justizministerium sowie deutsche Behörden.

Die DWS hat indes in einer internen Mitteilung angekündigt, dass sie ihre Zuständigkeit für Nachhaltigkeit in der Führungsebene breiter aufstellen will. Dazu gehört eine neue Prüfinstanz unter Finanzvorständin Claire Peel. Die Mitteilung liegt dem Handelsblatt vor.

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