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29.11.2022

17:16

Digitale Währungen

Die Pleitewelle am Kryptomarkt fordert das nächste Opfer – „Bitfront wird schließen“

Von: Astrid Dörner, Michael Maisch

Nach dem Kollaps von FTX und Blockfi muss mit Bitfront ein weiterer Spieler aus der Kryptoszene aufgeben. Das Unternehmen gehört zum japanischen Social-Media-Konzern Line.

Der Kollaps von FTX sorgt für einen Dominoeffekt in der Welt der Kryptobörsen. AP

Das Logo der insolventen Kryptobörse FTX

Der Kollaps von FTX sorgt für einen Dominoeffekt in der Welt der Kryptobörsen.

New York, Frankfurt Der Kryptomarkt kommt nicht zur Ruhe. Wer am Dienstag versuchte, auf der Website der Kryptobörse Bitfront zu handeln, wurde auf eine wichtige Nachricht verwiesen. Die Überschrift der Botschaft bestand aus lediglich drei Worten: „Bitfront wird schließen“.

Nach dem spektakulären Kollaps der Börse FTX und des Kreditgebers Blockfi fordert die Pleitewelle in der Kryptobranche damit ein weiteres Opfer. Es würden ab sofort keine neuen Kunden mehr aufgenommen und Kreditkartenzahlungen mehr abgewickelt, heißt es auf der Bitfront-Seite. In einigen Monaten soll das Geschäft vollständig eingestellt werden.

Bitfront begründete die Schließung damit, dass sich das Geschäft trotz aller Versuche, „die Herausforderungen in der sich sehr schnell entwickelnden Branche zu überwinden“, für den Mutterkonzern nicht mehr lohne. Das Unternehmen gehört zum japanischen Social-Media-Konzern Line. Die Entscheidung habe nichts mit den „Vorkommnissen bei bestimmten Konkurrenten zu tun, denen Fehlverhalten vorgeworfen“ werde.

Damit spielt Bitfront auf den Zusammenbruch der weltweit drittgrößten Kryptobörse FTX Mitte November an. Gründer Sam Bankman-Fried wird vorgeworfen, Kundengelder in Milliardenhöhe entwendet zu haben. Zum Teil soll er damit Löcher bei seinem Hedgefonds Alameda gestopft und zum Teil sich selbst bereichert haben.

Anwälte und Sanierungsspezialisten versuchen derzeit, die komplexen Strukturen des Firmennetzes zu entflechten. Sie sind auf der Suche nach Vermögenswerten, um die gut eine Million Gläubiger zumindest zum Teil zu entschädigen.

Am Montag rutschte auch der Kryptokreditgeber Blockfi in die Insolvenz. Bei dem Start-up mit Sitz in Jersey City nicht weit von New York konnten Nutzer digitale Währungen wie Bitcoin als Sicherheiten hinterlegen und sich im Gegenzug andere Kryptowährungen leihen.

Noch im vergangenen Juni wurde Blockfi von FTX gerettet. FTX-Chef Bankman-Fried gewährte dem Krypto-Lender eine Kreditlinie in Höhe von 400 Millionen Dollar und erhielt die Option, das Start-up später ganz zu übernehmen. Doch die Pleite von FTX bedeutet nun auch das Aus für Blockfi.

Zu den Investoren des Kryptounternehmens gehört auch Valor Ventures, ein Risikokapitalfonds, der von dem deutschstämmigen Tech-Investor Peter Thiel mitgegründet wurde. Valor Ventures hält 19 Prozent an Blockfi, wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht. Thiel hatte den Bezahldienst Paypal mitgegründet und früh in Facebook investiert. Auch die bekannten Investoren Bain Capital und Tiger Global gehören zu den Finanziers von Blockfi.

Auch andere Krypto-Lender wie Celsius und Voyager haben in diesem Jahr bereits Insolvenz angemeldet. Branchenkenner gehen davon aus, dass es noch weitere von der FTX-Pleite ausgelöste Dominoeffekte geben wird. Schon Anfang November hatte Blockfi den Nutzern verboten, ihr Geld abzuziehen. Ein Teil der Gelder steckt zudem auf der Plattform von FTX fest, wo ebenfalls alle Abhebungen blockiert sind.

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