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29.03.2022

23:00

Direktbank

Neuer Ärger für Deutschlands wertvollstes Fintech N26: Italiens Finanzaufsicht verhängt Neukundenstopp

Von: Dennis Schwarz, Andreas Kröner, Susanne Schier, Yasmin Osman, Larissa Holzki, Christian Wermke

Nach Deutschland nehmen auch die Aufseher in Italien die Neobank ins Visier. Das Start-up will die Probleme lösen. Doch manche Investoren zeigen sich alarmiert.

N26 Direktbank Thomas Trutschel/photothek.net

N26 Bank

Die italienische Zentralbank forderte Verbesserungen bei der Geldwäschebekämpfung.

Frankfurt, Düsseldorf Es waren offene Worte. „Wir haben verstanden, dass wir einiges zu tun haben“, sagte N26-Finanzchef Jan Kemper Ende Dezember zu den verhängten Auflagen der deutschen Finanzaufsicht. Doch seit dieser Woche ist klar, dass das Fintech nicht nur im Heimatland ins Visier der Kontrolleure geraten ist.

Die italienische Finanzaufsicht hat der Berliner Neobank am Montag bis auf Weiteres untersagt, neue Kunden aufzunehmen, wie N26 erklärte. Auf Handelsblatt-Anfrage bestätigte die italienische Notenbank am Dienstagabend in einer Mitteilung, dass sie es der „italienischen Niederlassung der N26 Bank“ untersagt habe, Geschäfte mit neuen Kunden zu tätigen. Auch das „Anbieten neuer Produkte und Dienstleistungen für bestehende Kunden“, zum Beispiel Kryptoassets, seien demnach verboten.

Laut der Banca d‘Italia wurden diese Maßnahmen nach einer Vor-Ort-Inspektion ergriffen, die zwischen dem 25. Oktober und 17. Dezember 2021 durchgeführt wurde. Dabei habe man „erhebliche Mängel in Bezug auf die Rechtsvorschriften zur Bekämpfung der Geldwäsche festgestellt“.

N26 habe bereits eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um die Mängel zu beheben, hieß es weiter aus Rom. Die Notenbank beabsichtige zu überprüfen, ob alle „festgestellten Anomalien“ behoben wurden. Dann könnten auch die derzeit geltenden Verbote wieder überarbeitet werden.

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    Am deutschen Markt, der für N26 deutlich wichtiger ist als der italienische, darf die Neobank auf Anweisung der Finanzaufsicht Bafin bereits seit Ende 2021 nur noch eine begrenzte Zahl an Neukunden aufnehmen.

    Für Deutschlands wertvollstes Fintech bedeuten die Auflagen in Italien, über die „Finance Forward“ und „Finanz-Szene“ zuerst berichtet hatten, einen weiteren Rückschlag. Investoren sind angesichts der Probleme alarmiert. „Die Wachstumsschmerzen von N26 sind nicht gut“, sagte Allianz-X-Chef Nazim Cetin, einer der großen Geldgeber von N26, kürzlich dem Handelsblatt.

    Einige Fintech-Experten stellen hinter vorgehaltener Hand zudem die Frage, ob N26 auch über Änderungen beim Führungspersonal nachdenken sollte. Mit dem Thema vertraute Personen bescheinigen N26 zwar Fortschritte beim Kampf gegen illegale Geschäfte. Doch sie gehen auch davon aus, dass die Bank noch einige Zeit damit beschäftigt sein wird, die Versäumnisse der Vergangenheit aufzuarbeiten. „N26 hat den Schuss gehört – aber die Abarbeitung der Probleme wird dauern“, sagte ein Insider.

    Grundsätzlich sind die allermeisten Investoren von N26 überzeugt, dass die Neobank ihre Probleme abstellen und langfristig Erfolg haben kann. „Aus unserer Sicht ist N26 eine Erfolgsgeschichte – eine deutsche Neobank mit Tätigkeit in 24 europäischen Ländern und extremem Kundenzuwachs“, sagte Allianz-X-Chef Cetin.

    Christian Nagel, Partner beim Münchener N26-Investor Earlybird, bezeichnete die Maßnahme der italienischen Finanzaufsicht als „ärgerlich“, zumal sie auf Basis veralteter Daten getroffen worden sei. Das Wachstum in Italien werde nun gestoppt, obwohl die Probleme bereits adressiert seien. Er äußerte sich aber zuversichtlich, dass N26 die Fortschritte auch nachweisen könne und die Maßnahme schnell wieder aufgehoben werde.

    Aussichten für Börsengang trüben sich ein

    Die Aussichten für einen möglichen Börsengang der Berliner haben sich durch die Auflagen in Italien jedoch erneut verschlechtert. „Damit dürfte auch der zuletzt genannte Unternehmenswert obsolet sein“, schrieb Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies der Frankfurter Goethe-Universität, auf Twitter.

    Investmentbanker halten einen Börsengang im kommenden Jahr zwar grundsätzlich weiter für möglich – allerdings nur, wenn die Neobank bis dahin ihre regulatorischen Probleme gelöst hat. N26 hatte im Oktober vergangenen Jahres 780 Millionen Euro von Investoren eingesammelt und seine Bewertung auf etwa 7,8 Milliarden Euro gesteigert. „Bis Ende des Jahres wollen wir strukturell IPO-ready sein“, sagte Gründer Maximilian Tayenthal Anfang März. Allerdings ist das Marktumfeld auf absehbare Zeit dafür schlecht.

    Die deutsche Finanzaufsicht Bafin bemängelt schon lange Defizite bei N26. Im Oktober 2021 beschränkte die Behörde das Wachstum der Neobank auf europaweit 50.000 Neukunden pro Monat. Die Aufseher begründeten die Wachstumsbremse mit „Mängeln insbesondere im Risikomanagement in den Bereichen Informationstechnologie und Auslagerungsmanagement“. Diese Mängel „liegen im starken Wachstum der Bank begründet“, erklärte die Behörde damals.

    Zuvor hatte die Bafin unter anderem aufgrund von Mängeln bei der Geldwäscheprävention und Terrorismusfinanzierung bereits einen Sonderprüfer zu N26 geschickt. Konkret gehe es dabei um „Defizite sowohl im EDV-Monitoring als auch bei der Identifizierung und Verifizierung von Kunden“, erklärte die Finanzaufsicht im Mai. Des Weiteren müsse die Neobank „eine angemessene personelle und technisch-organisatorische Ausstattung zur Einhaltung ihrer geldwäscherechtlichen Verpflichtungen“ sicherstellen.

    Die Finanzaufsicht hat im vergangenen Jahr zudem einen Bußgeldbescheid in Höhe von 4,25 Millionen Euro gegen das Berliner Fintech erlassen und begründete dies mit Versäumnissen bei der Abgabe von Geldwäscheverdachtsmeldungen.

    N26 will Probleme schnell beheben

    Aufgrund der seit dem vergangenen Jahr geltenden Wachstumsbeschränkung hat sich N26 in Italien nur noch auf Premiumkunden konzentriert, die ein kostenpflichtiges Konto eröffnen wollten. Dies war bislang ab Kosten in Höhe von 4,90 Euro pro Monat möglich. Kunden, die ein kostenloses Konto eröffnen wollten, mussten sich gedulden. Nun muss N26 auch auf neue Premiumkunden verzichten. Wie viele Kunden N26 in Italien insgesamt hat, wollte eine Sprecherin der Neobank nicht verraten.

    Die Bank erklärte jedoch, dass es für Bestandskunden in Italien keine Änderungen gebe. Die Konten stünden Kunden weiterhin in vollem Umfang zur Verfügung. N26 verpflichte sich zudem dazu, alle von der italienischen Zentralbank geforderten Maßnahmen schnellstmöglich zu implementieren.

    Das Institut erklärte: „N26 ist zuversichtlich, dass durch die bisherige Umsetzung der Maßnahmen bereits signifikante Fortschritte zur Lösung der im letzten Jahr in Italien festgestellten Mängel gemacht wurden.“

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