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16.08.2022

12:16

Energiewende

Ex-Bankmanager gründen Wasserstoff-Fonds für Profis – Ziel: 500 Millionen Euro Volumen und 18 Prozent Rendite

Von: Peter Köhler

Frühere Bankmanager wollen eine zweistellige Rendite mit Klimaschutz verbinden. Namhafte Berater und ein wichtiger industrieller Partner unterstützen sie.

Wasserstofftankstelle für Züge dpa

Wasserstofftankstelle für Züge

Nicht in Betrieb genommene Lagercontainer für Wasserstoff im Industriepark Höchst in Frankfurt.

Frankfurt Professionelle Investoren können sich jetzt an einem neuen Wasserstoff-Fonds mit dem Namen Senco Hydrogen Impact Fund beteiligen. Hinter dem Projekt stehen ehemalige Bankmanager, Beteiligungsexperten und Ingenieure aus Deutschland.

Matthias Wargers, Managing Partner beim Fondsbetreiber Senco Hydrogen Capital, erklärt: „Das Zielvolumen für den Fonds beträgt 500 Millionen Euro, die Investments werden typischerweise zwischen 35 und 70 Millionen Euro betragen. Hinzu kommen zu diesem Eigenkapitalanteil noch Fremdfinanzierungen und gegebenenfalls Fördermittel.“

Er war einer der Gründer und langjähriger CEO der EAA, Deutschlands erster „Bad Bank“, die die Altlasten der Landesbank WestLB abwickelte. Jetzt will er mit weiteren Partnern und Experten das Momentum beim Thema Wasserstoff nutzen, das durch die Gaskrise zusätzlich angetrieben wird.

„Wasserstoff ist schon heute ein wesentlicher Rohstoff für die Industrie, etwa in der Produktion von Dünger und Kraftstoffen. Aktuell wird er zu 95 Prozent aus CO2 freisetzendem Erdgas hergestellt. Das muss sich so bald wie möglich ändern, um die Dekarbonisierungsziele der Industrie zu erreichen“, meint der 56-jährige Manager.

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    Durch die aktuellen Lieferengpässe und steigenden Preise beim Erdgas werde die Wirtschaftlichkeit von grünem Wasserstoff, der aus erneuerbaren Energien und Wasser gewonnen wird, noch schneller erreicht.

    Ex-RWE-Chef berät den Fondsbetreiber

    Carsten Schmeding, CEO bei Senco Hydrogen Capital, sagt: „Wir werden Minderheits- und Mehrheitsbeteiligungen an Unternehmen erwerben, jeweils entlang der Wertschöpfungskette für Wasserstoff. Das können auch Zulieferfirmen in Deutschland und Europa sein, die beispielsweise Kompressoren oder Membranen produzieren.“

    Viele dieser Betriebe arbeiteten heute mit kleinen Stückzahlen, ähnlich einer Manufaktur, erläutert der Managing Partner: „Wir können dann zum Beispiel die Produktionskapazitäten ausbauen, um dem wachsenden Bedarf Rechnung zu tragen. Insgesamt haben wir aktuell etwa 200 Firmen auf dem Schirm.“

    Darüber hinaus seien auch Infrastrukturvorhaben interessant, wie Anlagen zur Wasserstofferzeugung, Transportsysteme oder Speicherlösungen. Zu den Beratern des Fondsbetreibers gehören sogenannte Senior Experts, darunter der ehemalige RWE-Chef Jürgen Großmann und die Professorin Julia Hartmann von der EBS Business School.

    Zielrendite liegt bei 18 Prozent

    Der private Senco Hydrogen Impact Fund will das Thema Wasserstoff im industriellen Maßstab finanzieren und für Investoren wie etwa Versicherungen und Versorgungswerke zugänglich machen. Die angepeilte Brutto-Zielrendite liegt bei 18 Prozent.

    Industrieller Partner beim Fonds ist der Münchener Industriekonzern Siemens, der beim Aufbau und Betrieb der Anlagen hilft. „Unsere Kooperation fängt bei der Suche nach geeigneten Standorten für Wasserstoff-Produktionsstätten an und schließt die Realisierung der Projekte mit ein. Die NordLB ist dabei ein Partner für die Fremdfinanzierungen“, sagt CEO Schmeding.

    Ex-RWE-CEO Jürgen Großmann dpa

    Ex-RWE-CEO Großmann

    Zu den Beratern des Fondsbetreibers gehört auch der ehemalige RWE-Chef.

    Auch Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) sagte kürzlich: Da grüner Wasserstoff etwa in Australien, Afrika oder Südamerika weitaus billiger hergestellt werden könne als hierzulande, werde Deutschland zwar „immer Importland“ bleiben. Um jedoch die Wasserstofftechnologie zum „Exportschlager made in Germany“ zu machen, müsse die Produktion national vorangetrieben werden.

    Die erfolgsverwöhnten Beteiligungsfonds haben es derzeit aber mit schwierigeren Rahmenbedingungen zu tun. Ein Grund sind die gestiegenen Zinsen, die das Fremdkapital in den Transaktionen verteuern. „Das deutsche Private-Equity-Geschäftsklima hat sich nach dem schwachen Jahresstart weiter abgekühlt“, sagt Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW.

    Das Investorenbarometer für Private Equity der KfW und des Branchenverbands BVK ist im zweiten Quartal um 17,8 Zähler auf minus 24,7 Punkte gefallen. Zins- und Konjunkturängste belasteten den Private-Equity-Markt. Erfreulich sei aber, wie gut sich der Dealflow bisher in diesem Umfeld gehalten habe. Investitionschancen seien also nach wie vor gegeben, meint Köhler-Geib.

    Senco-Manager Wargers sieht jetzt die Chance, vom Umbruch des Energiemarkts zu profitieren. „Die Klimaziele der EU erfordern gemäß internationaler Studien bis zum Jahr 2030 insgesamt rund 400 Milliarden Euro an Investitionen. Das Potenzial für mögliche Investments ist also sehr groß.“ Allerdings gilt auch hier, dass die Geschäftsmodelle robust und die Bewertungen angemessen sein müssen.

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