Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

13.06.2022

11:10

ESG-Kapitalanlagen

Greenwashing-Verdacht: SEC untersucht Nachhaltigkeitsfonds von Goldman Sachs

Von: Astrid Dörner, Anke Rezmer

Die US-Börsenaufsicht nimmt ESG-Investments der Großbank genauer ins Visier. Es ist nicht der erste Fall in der Branche.

Laut US-Medien stehen zwei Fonds der US-Bank Goldman Sachs im Fokus neuer Greenwashing-Ermittlungen der amerikanischen Börsenaufsicht SEC. Reuters

Goldman Sachs

Laut US-Medien stehen zwei Fonds der US-Bank Goldman Sachs im Fokus neuer Greenwashing-Ermittlungen der amerikanischen Börsenaufsicht SEC.

Frankfurt Die US-Börsenaufsicht SEC weitet ihre Untersuchungen bei sogenannten Greenwashing-Fällen aus. Zwei Fonds von Goldman Sachs und ein Mandat stehen im Fokus der Ermittler, wie der Fondsarm der US Bank Goldman Sachs Asset Management (GSAM) am Montag bestätigt.

Dabei handelt es sich um den Schwellenländeraktienfonds „Goldman Sachs ESG Emerging Markets Equity Fund“, den internationalen Aktienfonds „Goldman Sachs International Equity ESG Fund“ sowie ein Mandat auf US-Aktien mit ESG-Strategie. Insgesamt steckt in diesen Produkten GSAM zufolge ein Kundenvermögen von rund 725 Millionen US-Dollar. Die SEC äußerte sich auf eine Handelsblatt-Anfrage hin nicht. Zuerst berichtete das „Wall Street Journal“ darüber.

ESG steht für die Kapitalanlage nach ökologischen, sozialen und ethischen Standards. Nachhaltiges Investieren gilt in der von Überangebot und Margendruck getriebenen Investmentfondsbranche als großes Zukunftsthema. Denn diese Art von Investments zieht immer mehr Anlagekapital an. In den vergangenen drei Jahren hat sich das Vermögen in ESG-Fonds laut dem Analysehaus Morningstar weltweit auf 2,8 Billionen US-Dollar verdreifacht.

Kein Wunder, dass nahezu jedes Fondshaus möglichst „grün“ in seiner Anlagestrategie erscheinen möchte. Dies könnte schließlich die Chance auf neues lukratives Geschäft eröffnen. Doch das Bestreben, sich hier zu profilieren, wird von der Debatte überschattet, dass viele Anbieter bei den Angaben zu ihren nachhaltigen Anlagen womöglich übertreiben, also Greenwashing betreiben.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Ob die Untersuchung der SEC zu Strafen für Goldman Sachs führen wird, sei derzeit noch unklar, heißt es in dem Medienbericht. Doch sie ist ein weiteres Anzeichen dafür, dass sich die relativ wenig regulierte Investmentfondsbranche auf schwere Zeiten einstellen muss. Die US-Börsenaufsicht unter Chef Gary Gensler hatte bereits im vergangenen Jahr eine Taskforce für Greenwashing-Fälle eingerichtet. Branchenkennern zufolge ist es wichtig, Untersuchungen öffentlich zu machen, um andere Anbieter aufzuschrecken.

    Deutsche-Bank-Fondstochter steht ebenfalls im Visier der SEC

    Ein wichtiger Fall in diesem Zusammenhang sind die Ermittlungen bei dem deutschen Fondshaus DWS, bei dem sowohl die SEC als auch die deutsche Wertpapieraufsicht Bafin und das US-Justizministerium eingeschaltet sind. Die Deutsche-Bank-Fondstochter muss sich seit vergangenem Sommer Untersuchungen von Aufsichtsbehörden wegen des Verdachts auf Greenwashing stellen.

    Zuvor hatte die ehemalige DWS-Nachhaltigkeitschefin Desiree Fixler nach ihrer Entlassung ihrem früheren Arbeitgeber vorgeworfen, dass dieser bei Angaben über seine nachhaltigen Investments systematisch übertreibe. Die DWS weist die Vorwürfe zurück.

    Anfang Juni führte die Staatsanwaltschaft unterstützt von Polizei und Bafin eine Razzia in den Konzernzentralen der DWS und der Deutschen Bank in Frankfurt durch. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach Aussage einer Sprecherin unter anderem wegen des Verdachts auf Kapitalanlagebetrug. Die Ermittlungen richten sich „gegen unbekannt“.

    Wenige Stunden nach der Razzia in der Nacht zum 2. Juni teilte die DWS den Rücktritt von DWS-Chef Asoka Wöhrmann mit. Die DWS-Aktie hat seit dem Aufkommen der Greenwashing-Vorwürfe Ende August 2021 gut ein Drittel an Wert eingebüßt.

    Anwälte stellen sich auf eine ganze Reihe von Greenwashing-Fällen ein. „Regulierer scheinen keine Übergangsphase zu erlauben, in der sich die Anbieter auf die vielen neuen Regeln einstellen können“, sagte Sonali Siriwardena, Leiterin des ESG-Bereichs bei der Kanzlei Simmons & Simmons in London.

    In der Praxis hat Europa früher als die USA mit der Regulierung von ESG-Investments begonnen. Seit gut einem Jahr müssen alle Fondsanbieter ihre Produkte einer von drei Gruppen zuordnen: die Fonds ohne ESG-Anspruch, die Fonds mit einem ESG-Ansatz und jene Produkte, die sich besondere Nachhaltigkeitsziele setzen. Zudem definiert die EU mit ihrer Taxonomie bestimmte Wirtschaftsaktivitäten als nachhaltig mit Blick auf Klimaziele.

    Ab August dieses Jahres müssen Anlageberater ihre Kunden überdies standardmäßig nach ihrem ESG-Interesse befragen, ähnlich wie es schon seit langer Zeit bei den Risikopräferenzen der Fall ist. Bei Interesse muss der Berater passende Anlagevorschläge bereithalten.

    Die SEC hat inzwischen Pläne für schärfere Nachweispflichten für ESG-Ansätze vorgelegt. Danach müssen Fonds künftig aufzeigen, dass ihre ESG-Strategien tatsächlich bestimmten Kriterien genügen.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×