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17.01.2022

13:46

European Payments Initiative

Zahlungssystem EPI verliert Unterstützer: Commerzbank und mehrere spanische Banken springen ab

Von: Elisabeth Atzler, Sandra Louven, Andreas Kröner

Aufwand und möglicher Ertrag stehen nach Einschätzung einiger Beteiligter nicht im Einklang. Wenn überhaupt dürfte das Zahlungssystem zunächst nur als Schmalspur-Version umgesetzt werden.

Zahlungssystem EPI: Commerzbank und DZ Bank springen ab E+/Getty Images

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Europäische Banken wollen ein eigenes Bezahlsystem aufbauen. Sie rechnen mit Investitionen von zunächst 1,5 Milliarden Euro.

Frankfurt, Madrid Das mit großen Hoffnungen ins Leben gerufene europäische Zahlungssystem EPI wird allenfalls als abgespeckte Version an den Start gehen. Immer mehr Geldhäuser haben Zweifel an dem Vorhaben und wollen die dafür nötigen Gelder nicht bereitstellen. Die Commerzbank, die das Prestigeprojekt lange unterstützte, sagt ihre Teilnahme nun offiziell ab.

Stand jetzt sei auch die genossenschaftliche DZ Bank nicht mit dabei, berichten mit den Verhandlungen vertraute Personen. Das sorge bei vielen anderen Geldhäusern für Unmut, schließlich machen die Genossen rund ein Drittel des deutschen Bankensektors aus. Darüber hinaus kommen auf die verbleibenden Institute nun höhere Kosten zu. Die DZ Bank, das Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken, wollte sich zu dem Thema nicht äußern.

In Spanien, wo ursprünglich 15 Institute Interesse signalisiert hatten, hält Finanzkreisen zufolge nur die Großbank Santander an dem Projekt fest. Viele andere Geldhäuser seien dagegen ausgestiegen. Laut der spanischen Online-Zeitung ‚El Confidencial“ gebe es bei BBVA und Caixabank große Zweifel, Sabadell und Bankinter wollten nicht teilnehmen. Keines der Institute wollte dazu eine Stellungnahme abgeben.

2020 hatten mehrere Großbanken die European Payments Initiative (EPI) gegründet. Ziel war der Aufbau eines eigenen Zahlungssystems, um unabhängiger von mächtigen US-Konzernen wie Mastercard, Visa und Paypal zu werden. Bis 2026 kalkulieren die Beteiligten dafür mit Investitionen von rund 1,5 Milliarden Euro. Mehrere Regierungen und Zentralbanken unterstützen das Projekt, weil es aus ihrer Sicht wichtig für die Stärkung des europäischen Finanzmarkts ist.

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    An der EPI-Interimgesellschaft waren 31 Banken und zwei Zahlungsdienstleister beteiligt. Viele der Institute haben sich inzwischen jedoch abgewendet. Bei einem Treffen kurz vor Weihnachten stellten sich Finanzkreisen zufolge nur noch zehn Institute hinter das Projekt, acht sagten ab. Der Rest wollte sich noch nicht definitiv festlegen.

    Lässt sich die DZ Bank noch umstimmen?

    Ende Januar oder Anfang Februar soll nun die finale Entscheidung fallen, wer sich bei EPI beteiligt – und ob das ganze Projekt überhaupt umgesetzt wird. Bis dahin werde es noch viele intensive Gespräche geben, sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person.

    Die Commerzbank wird diese Debatte jedoch nur noch von der Seitenlinie aus verfolgen. EPI sei zwar eine richtige Idee, um einen europäischen Zahlungsverkehr voranzubringen, sagte ein Sprecher von Deutschlands zweitgrößter Privatbank dem Handelsblatt. Allerdings hätten bereits zahlreiche Institute aus diversen europäischen Ländern ihren Rückzug erklärt.

    „Die verbliebene Reichweite und relativ hohe Anfangsinvestitionen stehen nicht mehr im Einklang – damit sind wesentliche Voraussetzungen für eine strategische Investition nicht gegeben“, erklärte der Commerzbank-Sprecher. „Deshalb werden wir uns an EPI zum jetzigen Zeitpunkt nicht beteiligen.“ Neue Optionen bei EPI werde das Institut aber bewerten und die Weiterentwicklung konstruktiv begleiten.

    Die DZ Bank hat ihre Teilnahme Finanzkreisen zufolge nicht nur wegen der reduzierten Reichweite abgesagt, sondern auch weil es von der neuen Bundesregierung bisher keine verbindlichen Zusagen für öffentliche Fördergelder gebe. Unterstützer von EPI haben allerdings die Hoffnung, die DZ Bank noch umzustimmen, schließlich könnte sich das Institut die Investitionen im Gegensatz zur Commerzbank locker leisten.

    In der Bundesrepublik stehen die Sparkassen weiter zu EPI. Auch die Deutsche Bank erklärt seit Längerem, sie halte ein unabhängiges europäisches Zahlungssystem für wichtig und unterstütze die Anstrengungen. Das Gleiche gilt Insidern zufolge für die französischen Geldhäuser und die niederländische ING, die zunächst jedoch nur mit ihrer belgischen Tochter teilnehmen will. Beteiligte können sich gut vorstellen, dass EPI mit diesem abgespeckten Teilnehmerfeld beginnt – und sie hoffen, dass aus diesem Nukleus über die Zeit ein größeres Projekt wird.

    Spanische Banken blitzen mit Vorstoß ab

    Die spanischen Geldhäuser galten im Rahmen der EPI-Gesellschafter schon lange als Wackelkandidaten. Viele von ihnen scheuen Finanzkreisen zufolge die Investitionen – laut „El Confidencial“ 200 bis 300 Millionen Euro –, zumal unklar ist, ob diese jemals eine Rendite abwerfen.

    Darüber hinaus sind viele spanische Banken international vor allem in Ländern vertreten, die bei EPI nicht mitmachen, wie die Caixabank in Portugal oder Sabadell in Großbritannien. Santander ist dagegen in mehreren europäischen Märkten aktiv – neben Deutschland unter anderem in Frankreich, Italien und Polen.

    Außerdem haben die spanischen Banken in der Vergangenheit bereits viel Geld in die Hand genommen, um Bizum aufzubauen – ein Handy-zu-Handy-Bezahlsystem mit rund 18 Millionen Nutzern. Instituten in anderen Ländern sind sie damit technologisch voraus. Die Spanier hätten Bizum gerne in EPI integriert, um Kosten zu sparen, blitzten mit diesem Vorstoß Insidern zufolge aber ab.

    Mehrere spanische Banken, die sich zum Start nun nicht an EPI beteiligen wollen, halten sich einen Beitritt zu einem späteren Zeitpunkt jedoch offen und verweisen dabei auf das Beispiel ING. Das niederländische Institut zählte in Spanien nicht zu den Gründungsmitgliedern von Bizum, weil es mit Twyp ein eigenes System hatte.

    Als sich Bizum dann etablierte und Erfolg hatte, schloss sich ING später jedoch an. Die Bank muss für die Nutzung der Technologie nun jedoch einen höheren Preis zahlen als die Gründungsmitglieder, die einst in den Ausbau des Systems investiert hatten.

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