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08.02.2011

15:36

EZB-Geldspritzen

Banken brauchen eine Entzugskur

Von: Marietta Kurm-Engels, Michael Maisch, Anne Grüttner

Für die Banken in den Randstaaten des Euro-Raums sind die rettenden Geldspritzen der Europäischen Zentralbank zur Droge geworden. Hinter verschlossenen Türen diskutiert der EZB-Rat, wie er die Süchtigen entwöhnen kann. Außerhalb der Zentralbank wird kräftig gezittert.

Der EZB bereiten die auf Versorgung mit Liquidität angewiesenen Banken Sorgen. Quelle: dpa

Der EZB bereiten die auf Versorgung mit Liquidität angewiesenen Banken Sorgen.

FRANKFURT/LONDON/MADRID. Für die Banken in den Randstaaten des Euro-Raums sind die rettenden Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Droge geworden: Grob gerechnet entfielen von den gut 500 Milliarden Euro, die die Zentralbank den nationalen Geldhäusern zur Verfügung gestellt hat, zum Jahreswechsel mehr als 300 Milliarden Euro auf die Banken der Länder Portugal, Irland, Griechenland und Spanien. Damit saugt nicht einmal ein Viertel der europäischen Banken knapp zwei Drittel der Liquidität ab, die die EZB zur Verfügung stellt. Europas Bankenlandschaft teilt sich also in zwei Klassen: Auf der einen Seite die Institute, die aus der Krise gekommen sind, auf der anderen Seite jene, die auf absehbare Zeit am Tropf der Zentralbank hängen.

Die Zahlen treiben EZB-Präsident Jean-Claude Trichet die Sorgenfalten auf die Stirn. Wie bei Drogenabhängigen spricht er mit Blick auf die von der EZB abhängigen Banken von einer "Sucht" und erklärt, "die Zentralbank werde das sehr genau im Auge behalten". EZB-Direktoriumsmitglied José Manuel Gonzales-Paramo stimmt ihm zu: In jedem Land des Euro-Raums gebe es heute Banken, die auf die Notfall-Liquiditätsversorgung der EZB angewiesen seien. Und keiner weiß so recht, wie man sie wieder entwöhnen könnte. Zwar diskutiert der EZB-Rat Möglichkeiten zum Entzug, bisher hat er aber noch keine konkreten Schritte unterbreitet. Stillschweigen wird auch deshalb gewahrt, weil die bloße Ankündigung von Maßnahmen unangenehme Folgen für die Liquiditätsversorgung des Euro-Raums insgesamt oder für die Solvenz bestimmter Institute haben könnte.

Irische Banken stecken tief in der Klemme

Am bedrohlichsten ist die Lage in Irland. Zwar gingen im Dezember die Refinanzierungsgeschäfte der irischen Banken mit der EZB um 4,4 Prozent auf 132 Milliarden Euro zurück. Gleichzeitig musste aber die irische Zentralbank die Institute massiv mit Notfallkrediten stützen, der sogenannten Emergency Lending Assistance (ELA). Die ELA gestattet es den nationalen Notenbanken, im Notfall auf eigene Rechnung Liquiditätshilfen an heimische Banken zu vergeben, solange zwei Drittel des EZB-Rats dem nicht widersprechen. Die schwer angeschlagenen irischen Banken geraten so in eine immer größere Abhängigkeit von diesen Notkrediten. Von 35 Milliarden Euro im Oktober stiegen sie auf 44,7 Milliarden Euro im November und auf 51 Milliarden Euro im Dezember.

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    Der Rückgang der EZB-Refinanzierung bei gleichzeitigem Anstieg der ELA-Kredite spricht nach Einschätzung der Citigroup dafür, dass den irischen Banken die Sicherheiten ausgehen, mit denen sich die Institute bei der EZB frische Liquidität besorgen können, stattdessen akzeptiert die irische Notenbank im Gegensatz zur EZB auch sogenannte "Promissory Notes", die der Staat an die Banken ausgegeben hat, um die Kapitalpuffer der maroden Institute aufzufüllen.

    Kommentare (4)

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    Ernst

    08.02.2011, 10:55 Uhr

    banken, denen ihre Kunden davonlaufen und denen die Einlagen entzogen werden, sind bereits klinisch tot. Sie geistern wie Vampire umher und existieren nur noch, weil sie anderen Wirtschaftssubjekten blut, sprich Geld, aussaugen können.

    Eigentlich starben sie bereits viel früher; nämlich in dem Moment als es sich herausstellte, daß in ihren bilanzen wertlose "Wertpapiere" in großen Mengen standen. Damals hätte man die Geldeinlagen der Kunden zur sofortigen Auszahlung stellen müssen und den Rest einfach in aller Stille beerdigen sollen.

    Das hätte zwar die Retter (Staatsbanken, Sicherungsfonds) auch Geld gekostet, wäre aber im Ergebnis billiger gekommen. Das jetzige Verfahren, diese "Untoten" immer weiter künstlich am Tropf hängen zu lassen, wird am Ende auch zur Liquidation dieser "Vampirbanken" führen; zwischenzeitlich entstehen höhere Kosten und unangenehme Reaktionen (z. b. Geldschwemme) auf den Märkten.

    Wirtschaftsmechanismen lassen sich nicht ungestraft umgehen, auch wenn die Politik das nicht wahrhaben will.

    k.h.a.

    08.02.2011, 17:25 Uhr

    Die ELA-Kredite der nationalen Notenbanken - übrigends: die bundesbank hat damit als erstes gesündigt, allerdings gegen gute Sicherheit und damit gesetzeskonform - sollen nur für kurze Zeit und Notfälle gegeben werden gegen Sicherheit. Mittlerweile wird dieses institut mißbraucht gegen den Willen seiner Erfinder und der EZb. Nur kann niemand dagegen etwas unternehmen, außer einer 2/3 gequoteten Rüge seitens der EZb - unverbindlich. Erneut wird dramatisch deutlich, was für ein "Sauhaufen" im Euro steckt. Das wird mit Sicherheit schlimmer, weil die Lage sich verschlechtert. Und D zahlt in alle Ewigkeit dafür: nichts wie raus aus dem Euro!

    Isabell Schöngeist

    08.02.2011, 17:43 Uhr

    Die Rolle der Europäischen Zentralbank

    Ständig wird im Moment über Euro-bonds und eine Aufblähung des Rettungsschirms gesprochen. Doch neben Lösungen durch die Staaten handelt auch die EZb in der Krise und zwar indem sie massenweise Staatsanleihen ankauft. Was bedeutet das und welche Rolle spielt die EZb?

    mehr unter http://www.celadoor.com/wp_2011_0002.html

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