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24.05.2022

18:14

Finanz-Start-up

Klarna streicht zehn Prozent der Jobs – und bei der Bewertung gibt es Fragezeichen

Von: Elisabeth Atzler

Die steigende Inflation sowie die Zurückhaltung der Verbraucher machen Klarna und anderen Paymentfirmen zu schaffen. Die Aktienkurse von Paypal und Affirm sind bereits abgerutscht.

Das schwedische Start-up streicht jede zehnte Stelle. Der Schritt wirft ein Schlaglicht auf hohe Bewertungen von Zahlungsdienstleistern, denen Inflation und eine schwächere Wirtschaft zu schaffen machen. IMAGO/ZUMA Wire

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Das schwedische Start-up streicht jede zehnte Stelle. Der Schritt wirft ein Schlaglicht auf hohe Bewertungen von Zahlungsdienstleistern, denen Inflation und eine schwächere Wirtschaft zu schaffen machen.

Frankfurt Der schwedische Zahlungsdienstleister Klarna stand bisher für rasantes Wachstum und Superlative. Doch nun streicht Europas wertvollstes, nicht börsennotiertes Start-up jede zehnte Stelle. Als Begründung dafür führt Klarna das schwierigere wirtschaftliche Umfeld an.

„Als wir im vergangenen Herbst unsere Geschäftspläne für 2022 gemacht haben, sah die Welt noch sehr anders aus als heute“, erklärte Klarna-Chef und Co-Gründer Sebastian Siemiatkowski zu Wochenbeginn. Er verwies auf Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine, die steigende Inflation, Verunsicherung bei Verbrauchern, die stark schwankenden Aktienmärkte und eine drohende Rezession.

Klarna müsse sich fokussieren und neu aufstellen, sagte Siemiatkowski. „Es macht mich traurig, dass als eine der Folgen ein Teil der Kollegen und Freunde aus verschiedenen Bereichen der Firma betroffen ist.“ Konkret fallen 700 von insgesamt 7000 Jobs bei Klarna weg. Und auch wenn immer mehr Transaktionen über Klarna laufen, häufte das im Jahr 2005 gegründete Finanz-Start-up im ersten Quartal 2022 mehr Verlust an als im Vorjahreszeitraum, vor allem aufgrund noch höherer Kosten.

Die Investoren reagieren verstimmt. Wie die US-Finanzzeitung „Wall Street Journal“ vergangene Woche berichtete, würde Klarna im Rahmen einer möglichen neuen Kapitalrunde mit etwa einem Drittel weniger bewertet als zuletzt. Vor einem Jahr taxierte Klarna seinen Wert auf fast 46 Milliarden Dollar (43 Milliarden Euro). Nun könnten es noch rund 30 Milliarden Dollar sein. Das Unternehmen äußert sich nicht dazu.

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    Der drohende Bewertungsabschlag verdeutlicht, wie hoch die Erwartungen der Investoren an den Zahlungsdienstleister bislang waren – und wie schnell es nun ein Stück weit bergab gehen könnte. Das gilt nicht nur für Klarna. Etlichen anderen Paymentfirmen haben viele Anleger das Vertrauen entzogen.

    Hype um „Buy now, pay later“ flaut ab

    So sind die Aktienkurse der US-Zahlungsdienstleister Paypal und Affirm – beides sind Klarna-Konkurrenten – abgestürzt. Die Paypal-Aktie hat seit ihrem Hoch im Juli 2021 fast drei Viertel an Wert verloren. Erst Ende April senkte das Unternehmen den Ausblick für das Gesamtjahr, ebenfalls mit der Begründung, dass Verbraucher sich angesichts zunehmender Inflation und des Ukrainekriegs zurückhielten. Der Affirm-Kurs rauschte seit dem Rekordstand im vergangenen November um etwa 85 Prozent nach unten.

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    Affirm und Klarna gehören zu den bekanntesten sogenannten BNPL-Firmen. Im Fachjargon steht „Buy now, pay later“ (BNPL) für das Bezahlen auf Raten und auf Rechnung beim Onlineshopping. Zudem wollen Affirm und Klarna Verbrauchern das Einkaufen im Internet so bequem wie möglich machen, Klarna beispielsweise mit einer extra Shopping-App.

    Auch der Onlinebezahldienst Paypal, in Deutschland viel genutzt, bietet neben seiner direkten Bezahlmethode die Varianten Rechnungs- und Ratenkauf an. Während der Rechnungskauf beim Onlineshopping in Deutschland seit Langem beliebt ist, zahlen Verbraucher in vielen anderen Ländern stärker mit Kreditkarte.

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    BNPL gilt einerseits als großer Trend in der Zahlungsbranche und als Alternative zur Kreditkartenzahlung. Anderseits gibt es gerade am Onlineratenkauf Kritik, weil Verbraucher sich so relativ leicht verschulden können und mitunter die angehäuften Shoppingschulden nicht begleichen.

    Bei Klarna ist im Zuge des Wachstums auch das Volumen an Kreditausfällen nach oben geschnellt. Hinzu kommt, dass auch manche klassischen Banken das Geschäftsfeld für sich entdecken und versuchen, bei BNPL einzusteigen – teils mit Angeboten, die direkt am Girokonto angedockt sind.

    Inflation sorgt für Zurückhaltung beim Shopping

    Sebastian Maus, Paymentexperte und Partner bei der Beratungsgesellschaft Roland Berger, betrachtet die steigenden Zinsen als Herausforderung für BNPL-Anbieter, „weil auch ihre Refinanzierung teurer wird“. Zudem führe die Inflation dazu, dass Verbraucher sich bei Einkäufen zurückhielten.

    Ein Grund für die Kursverluste von Paymentfirmen ist aus Maus’ Sicht, dass Tech-Aktien generell abgerutscht sind. Gleichwohl ist der Rückgang bei Zahlungsdienstleistern, die zuvor auch enorm gewonnen hatten, besonders heftig.

    Die gesamte Paymentbranche profitiert davon, dass der Onlinehandel boomt und das Wachstum in der Coronapandemie noch einmal anzog, was auch die Erwartungen nach oben trieb. „Es gab bei einigen Paymentfirmen hohe Überbewertungen, was sich auch in hohen Übernahmepreisen widerspiegelte. Das Wachstum, das es in der Coronakrise gab, lässt sich so nicht fortschreiben“, meint Maus.

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    Wenn das Wachstum im E-Commerce nachlässt, bekommen das auch andere Unternehmen der Zahlungsbranche zu spüren. So sind die Aktienkurse der europäischen Händler-Zahlungsdienstleister wie Adyen, Nexi und Worldline ebenfalls gefallen. Die Adyen-Aktie büßte seit ihrem Höchststand im August sogar fast die Hälfte an Wert ein.

    Diese Unternehmen bieten anders als Klarna und Paypal keine eigene Bezahlmethode an, sondern sorgen dafür, dass Händler im E-Commerce und an der Ladenkasse verschiedene Zahlungsarten anbieten und abwickeln können – eine Dienstleistung, die allerdings auch Paypal und Klarna im Repertoire haben. Gemein ist allen Paymentfirmen, dass sie vom Handel Gebühren kassieren, meist einen Minianteil am Umsatz einer Transaktion. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen für die Zahlung in der Regel nichts berappen.

    „Mit Blick wird nun entscheidend sein, wie der Payment-Sektor auf die aktuellen Herausforderungen reagiert“, sagt Markus Ampenberger, Zahlungsexperte beim Berater BCG. „Wichtig ist für einzelne Paymentunternehmen, dass sie sich im Wettbewerb mit innovativen Dienstleistungen von der Konkurrenz absetzen und dass sie die Risiken aus dem eigenen Geschäftsmodell und die Kosten im Griff haben beziehungsweise optimieren.“

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