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21.06.2022

04:12

Finanzbranche

Flaute bei Börsengängen trifft die Investmentbanken hart

Von: Arno Schütze

Der Ukrainekrieg und der konjunkturelle Abschwung belasten den Markt für Fusionen und Übernahmen sowie Börsengänge. Viele Deals sind in der Planung, aber Marktteilnehmer zurückhaltend.

Gebühreneinnahmen der Banken aus dem Geschäft mit Fusionen und Übernahmen sowie Börsengängen und Anleiheemissionen brachen seit Jahresbeginn in Deutschland um 38 Prozent ein. Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Bankenviertel in Frankfurt

Gebühreneinnahmen der Banken aus dem Geschäft mit Fusionen und Übernahmen sowie Börsengängen und Anleiheemissionen brachen seit Jahresbeginn in Deutschland um 38 Prozent ein.

Frankfurt Rezessionsängste, Ukrainekrieg, die Auswirkungen des Lockdowns in China auf die Lieferketten und die steigenden Zinsen lasten auf dem Geschäft der Investmentbanken. Nach Zahlen des Datenanbieters Refinitiv brachen die Gebühreneinnahmen der Banken aus dem Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) sowie Börsengängen und Anleiheemissionen seit Jahresbeginn in Deutschland um 38 Prozent ein.

Am stärksten machte sich der Rückgang im Eigenkapitalgeschäft – also bei Börsengängen und Kapitalerhöhungen – bemerkbar, wo die Einnahmen nach einem Rekordjahr 2021 um 86 Prozent auf 66 Millionen Dollar schrumpften. Mit M&A-Deals erlösten die Banken 35 Prozent weniger als vor Jahresfrist und mit 357 Millionen Dollar so wenig wie zuletzt vor sechs Jahren.

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„Mittlerweise sind die Inflationsentwicklung und das schwieriger gewordene makroökonomische Umfeld die beherrschenden Themen im M&A-Markt“, sagt Tibor Kossa, Co-Chef M&A bei Goldman Sachs in Deutschland. Weltweit sank das Volumen der Fusionen und Übernahmen gegenüber der Vergleichszeit des Vorjahres um ein Fünftel auf zwei Billionen, wie aus den Refinitiv-Zahlen hervorgeht.

Die je rund 60 Milliarden Dollar schweren Käufe von VMware durch Broadcom und Activision durch Microsoft erregten dabei ebenso viel Aufmerksamkeit wie Elon Musks Ankündigung, Twitter zu übernehmen. In Deutschland gab es hingegen keine die Schlagzeilen dominierenden Mega-Deals.

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    Der größte Deal des Jahres ist bislang die lange erwartete Ankündigung von Siemens Energy den spanischen Windturbinen-Hersteller Siemens Gamesa für 4,3 Milliarden Dollar komplett zu übernehmen. Auf Platz zwei landete ein Deal von Lanxess, DSM und Finanzinvestor Advent zur Kombination von Kunststoff-Aktivitäten vor dem Verkauf einer Bayer-Schädlingsbekämpfungs-Sparte an die Beteiligungsfirma Cinven auf Platz drei.

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    Private Beteiligungsfirmen spielen bei M&A-Deals eine zunehmend wichtigere Rolle. Zuletzt waren sie europaweit fast an jedem zweiten Deal beteiligt. „Das Kapital, das Finanzinvestoren zur Verfügung steht, ist weiter auf Höchstständen, der Anlagedruck also erheblich“, sagt Sven Baumann, Barclays-Investmentbankchef in Deutschland. Die Teams der Finanzinvestoren, insbesondere für den Markt im deutschsprachigen Raum seien stark ausgebaut worden. Private Equity werde weiterhin sehr aktiv bleiben, erwarten die Investmentbanker.

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    Das liegt auch daran, dass sich Unternehmenslenker weiter stark damit beschäftigen, ihr Portfolio richtig aufzustellen und sich von Randbereichen zu trennen – sei es aufgrund des Drucks von aktivistischen Investoren oder, um zu verhindern, ihnen eine Zielscheibe zu bieten. „Der Trend zu mehr Fokussierung und mehr Corporate Clarity ist unverändert und da vor allem Spin-offs unabhängig vom Börsenumfeld erfolgen können, prüfen derzeit eine Reihe von Unternehmen diese Alternative“, sagt Dirk Albersmeier, Co-Chef für das globale M&A-Geschäft bei der US-Investmentbank JP Morgan. Private Equity steht bereit, solche Firmenteile zu kaufen.

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    Während bei Fusionen und Übernahmen zwar Zurückhaltung spürbar ist, aber weiter Deals stattfinden, ist bei Börsengängen Flaute. „Derzeit ist die Volatilität einfach zu hoch“, sagt Julian Schoof, Leiter Investmentbanking Coverage der Deutschen Bank in Deutschland, Österreich und der Schweiz dazu.

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    Angesichts der hohen Kursschwankungen an den Aktienmärkten gab es seit Jahresbeginn keinen einzigen größeren Börsengang in Deutschland, dabei standen viele größere Firmen bereit, etwa das Datingportal Parship, die Thyssen-Wasserstofftochter Nucera oder die Medizintechnikfirma Ottobock. Um Aktien von Börsenneulingen zeichnen zu können, müssen sich Investoren erst mal von anderen Werten trennen, was angesichts der Kurseinbrüche nur mit Verlust möglich wäre. Daher warten viele Anleger lieber erst mal ab und verzichten auf Investments in IPOs.

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