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16.06.2022

09:36

Fintech

Upvest sammelt 42 Millionen Dollar ein – B2B-Fintechs bei Investoren weiter gefragt

Von: Dennis Schwarz, Elisabeth Atzler

Fintechs geraten im aktuellen Marktumfeld unter Druck. Doch in einem Segment hält der Boom im Wagniskapitalgeschäft weiter an.

Gründer und CEO von Upvest (Quelle: Upvest)

Martin Kassing

Gründer und CEO von Upvest

(Quelle: Upvest)

Frankfurt Auf den großen Hype folgt die große Ernüchterung: In den vergangenen Monaten drückten Kursverluste bei Tech-Aktien auf die Stimmung. Diesen Wandel spüren auch auch Finanz-Start-ups (Fintechs). Nachdem sie sich 2021 ihre Investoren noch aussuchen konnten, sind die Geldgeber mittlerweile vorsichtiger geworden.

Doch in einem Segment scheint der Boom im Wagniskapitalgeschäft weiter anzuhalten: Bei B2B-Fintechs, die einen Fokus auf Geschäftskunden (Business-to-Business) - oftmals andere Fintechs - haben.

So sammelte das Berliner Fintech Upvest in einer Finanzierungsrunde 42 Millionen Dollar (etwa 40 Millionen Euro) ein, wie das Handelsblatt vorab erfuhr. Damit steigert das Unternehmen seine Bewertung im Vergleich zur letzten Finanzierungsrunde von vor etwa einem Jahr um mehr als das Fünffache auf einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag. Konkrete Zahlen will Upvest nicht bekannt geben.

Die Finanzierungsrunde wird vom US-Risikokapitalgeber Bessemer Venture Partners angeführt. Auch Earlybird aus Berlin und der Amsterdamer Risikokapitalgeber ABN Amro Ventures zählen zu den Investoren.

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    „Wir freuen uns sehr über das große Vertrauen unserer Investoren, gerade angesichts des aktuell herausfordernden Marktumfelds“, sagte Gründer und Chef Martin Kassing.

    Upvest, das 2017 gegründet wurde, bietet Unternehmen mittels so genannter API-Schnittstelle die Vermittlung und Verwahrung von Anlageprodukten an. Die Berliner stellen somit die Infrastruktur hinter anderen Fintechs, die so ihrerseits den Endkunden anbieten, in ETFs, Krypto oder auch Aktien zu investieren.

    Im März dieses Jahres erhielt Upvest fünf Lizenzen der deutschen Finanzaufsicht Bafin, unter anderem für Wertpapierhandel und Kryptoverwahrung.

    Expansion geplant

    Erst kürzlich haben die Berliner ihre Plattform offiziell gelauncht, noch hat Upvest, die bislang auf dem deutschen Markt aktiv sind, nach eigenen Angaben weniger als zehn Kunden. Das soll sich aber ändern, denn mit dem nun eingenommenen Geld will Kassing expandieren.

    „In diesem Jahr liegt der Fokus noch auf Deutschland, ab 2023 wollen wir unser Produkt auf dem europäischen Markt anbieten“, sagt der CEO. Zudem will Kassing weitere Mitarbeiter einstellen. Bis Jahresende soll das Team von derzeit 105 auf insgesamt 150 Mitarbeiter anwachsen.

    Der aktuelle Krypto-Crash beunruhigt Kassing indes nicht: „ETFs und Sparpläne sind weiterhin attraktiv“, sagt er. Zudem bereite sich jedes Infrastruktur-Fintech auf den nächsten Kryptosommer vor. „Wir sind bereit, wenn die nächste Wachstumswelle kommt“, sagt Kassing. Die erwartet er Ende des kommenden Jahres.

    Zwei Änderungen hat er angesichts der derzeitigen Marktlage bei der Finanzierungsrunde aber nach eigenen Angaben gemerkt. Investoren würden nun auf einen Sitz im Beirat bestehen, sagt Kassing. Zudem achteten sie auf nachhaltige Geschäftsmodelle, die sich im Zweifel selbst tragen können.

    Bereits in den vergangenen Monaten konnten B2B-Fintechs aus dem deutschsprachigen Raum wie Lemon Markets, Payrails oder Yokoy Investorengelder einsammeln. Vergangene Woche gab dann zudem das niederländische Fintech Backbase bekannt, 120 Millionen Euro eingesammelt zu haben. Der Anbieter von digitaler Bankensoftware konnte seine Bewertung damit auf 2,5 Milliarden Euro steigern. Zu den Kunden zählen etwa die Großbanken Barclays, BNP Paribas oder Citi.

    Einige Fintech-Sparten unter Druck

    Andere Fintech-Segmente geraten derweil stark unter Druck. So gab der schwedische Zahlungsdienstleister Klarna Ende Mai bekannt, 700 von 7000 Stellen zu streichen. Auch die Berliner Neobank Nuri trennte sich von 45 der 200 Mitarbeiter.

    Unternehmen müssten jetzt mehr denn je zeigen, dass sie auf dem Weg zur Profitabilität seien: weg vom reinen Nutzerwachstum hin zu höheren Umsätzen und entsprechend geringeren Kosten, sagte Nuri-Chefin Kristina Walcker-Mayer.

    Zwar konnte auch der Neobroker Trade Republic Anfang des Monats seine letzte Finanzierungsrunde um 250 Millionen Euro erweitern und seine Bewertung so auf fünf Milliarden Euro steigern. Allerdings kündigten die Münchener kurz darauf eine Umstrukturierung an.

    Die Konsequenz: Einige Mitarbeiter müssen das Unternehmen verlassen, andere erhalten neue Aufgaben. Künftig wolle sich der Neobroker etwa auf der Produktseite zielgerichteter aufstellen und schauen, was kurzfristig zur Profitabilität beitrage, teilte eine Sprecherin von Trade Republic mit.

    Es würden aber auch neue Mitarbeiter hinzukommen, etwa im Softwarebereich, so die Sprecherin, die betont, dass Trade Republic sich nicht auf einem Konsolidierungskurs befinde. „Die Unternehmensgröße von 700 Mitarbeitern werden wir beibehalten“, sagte sie.

    B2B-Fintechs können in diesem Marktumfeld offenbar bei den Investoren besser punkten. „In Krisenphasen sind wir gefragt, da wir stabilere Umsätze bieten“, sagt Kassing.

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