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28.09.2022

16:51

Franken-Kredite

490 Millionen Euro: Polnische Tochter verhagelt Commerzbank das Ergebnis

Von: Andreas Kröner

Die M-Bank stockt ihre Risikovorsorge für Franken-Kredite deutlich auf. Der Mutterkonzern Commerzbank erwartet 2022 dennoch weiter einen Milliardengewinn.

Für die deutsche Großbank wird die polnische Tochter mBank erneut zur Belastung. Reuters

Commerzbank

Für die deutsche Großbank wird die polnische Tochter mBank erneut zur Belastung.

Berlin Die Commerzbank muss bei ihrer polnischen Tochter M-Bank erneut hohe Belastungen verarbeiten. Als Folge einer Modellüberprüfung werde das Institut für vergebene Franken-Kredite weitere Risikovorsorge von 490 Millionen Euro bilden, teilte das Geldhaus mit. Dies werde sich in entsprechender Höhe negativ auf das Ergebnis der Commerzbank im dritten Quartal auswirken.

Commerzbank-Aktien brachen daraufhin am Mittwoch um mehr als sechs Prozent ein. Aufgrund niedriger Zinsen in der Schweiz hatten viele Polen einst Franken-Kredite aufgenommen, um ihr Haus zu finanzieren. Dann verlor die Landeswährung Zloty gegenüber dem Franken stark an Wert, wodurch die Belastungen für die Häuslebauer stiegen.

Viele Kreditnehmer gingen daraufhin wegen möglicherweise unrechtmäßiger Klauseln gegen polnische Geldhäuser vor – und bekamen dabei vor Gericht zuletzt immer häufiger recht. Die M-Bank hat ihre Risikovorsorge für das zuletzt 1,8 Milliarden Euro schwere Franken-Kredit-Portfolio bereits mehrfach aufgestockt. Mit der nun angekündigten Buchung beläuft sich die Vorsorge für Fremdwährungskredite nun insgesamt auf 1,4 Milliarden Euro.

Finanzchefin Bettina Orlopp geht dennoch davon aus, dass die Commerzbank im laufenden Jahr wie angepeilt einen Gewinn von mehr als einer Milliarde Euro erzielen wird. „Trotz der neuerlichen Belastungen in Polen halten wir angesichts der insgesamt starken Ertragsentwicklung an unserem Ergebnisziel für das Jahr 2022 fest“, erklärte sie.

Diese Prognose steht allerdings weiterhin unter dem Vorbehalt, „dass sich die wirtschaftlichen Auswirkungen der geopolitischen Situation nicht deutlich verschärfen und die Unsicherheiten über die Energieversorgung keine signifikante Erhöhung der Risikovorsorge für potenzielle zukünftige Kreditausfälle erfordern“.

Die M-Bank habe die Risikovorsorge für Franken-Kredite stärker erhöht als erwartet, erklärten die Analysten von Morgan Stanley. Dass die Commerzbank die Belastungen verdauen könne, zeige, dass ihr operatives Geschäft gut laufe und der Zinsüberschuss anziehe. Zudem schaffe die M-Bank mit der erhöhten Risikovorsorge die Voraussetzungen, um das Problem mit Franken-Krediten endgültig zu lösen.

Da eine Entscheidung des obersten polnischen Gerichtshofs über den Umgang mit Franken-Krediten mehrfach vertagt worden war, hatte die polnische Finanzaufsicht KNF den Geldhäusern im Herbst 2021 nahegelegt, außergerichtliche Vergleiche mit ihren Kunden anzustreben.

Die M-Bank startete daraufhin ein Pilotprojekt, in dem sie einigen Kunden Vergleiche anbot. Nun kündigte das Institut ein neues Vergleichsprogramm an, um mit mehr Kundinnen und Kunden individuelle Vereinbarungen zu treffen. „Mit der zusätzlichen Vorsorge verschafft sich die M-Bank weiteren Spielraum für Einigungen bei ihrem Schweizer-Franken-Portfolio“, sagte Orlopp.

Commerzbank prüft rechtliche Schritte

Bereits im Juli hatte die Commerzbank gewarnt, dass auf die M-Bank im dritten Quartal wegen Zloty-Krediten Belastungen von 210 bis 290 Millionen Euro zukommen. Grund ist ein neues Gesetz zur Aussetzung von Ratenzahlungen bei Immobilienkrediten.

Es soll private Kreditnehmer in Polen angesichts der hohen Inflation und gestiegener Kreditzinsen entlasten. Das Gesetz erlaubt ihnen, ihre monatlichen Ratenzahlungen für laufende Hypothekenkredite bis Ende 2023 bis zu achtmal auszusetzen. Die M-Bank rechnet damit, dass 60 bis 80 Prozent der berechtigten Darlehensnehmer von den sogenannten „Credit Holidays“ Gebrauch machen werden.

Darüber hinaus muss die M-Bank rund 30 Millionen Euro in einen neu geschaffenen Fonds für Kreditnehmer einzahlen, die in Zahlungsschwierigkeiten geraten sind. Zudem fällt eine Abgabe von 83 Millionen Euro für die Ergänzung der polnischen Einlagensicherung an.

Commerzbank-Chef Manfred Knof findet die politischen Eingriffe in Polen „sehr ungewöhnlich, denn die Belastungen gehen einseitig zulasten der Banken“, sagte er im August. „Wir bezweifeln, dass das mit europäischem Recht vereinbar ist.“ Deutschlands zweitgrößte Privatbank prüfe deshalb rechtliche Schritte und auch, „wie wir hier zum Beispiel bei der EU in Brüssel aktiv werden können“.

Die Commerzbank hält an ihrer Tochter M-Bank 69,3 Prozent. Knofs Vorgänger Martin Zielke hatte 2019 eine Veräußerung des Anteils angekündigt, den Verkauf dann aber im Mai 2020 abgeblasen.

Der Aktienkurs der M-Bank war wegen des Streits über Franken-Kredite und des Ausbruchs von Corona damals so stark gefallen, dass die Commerzbank keinen attraktiven Preis erzielen konnte. Zudem wollte der letzte verbliebene Interessent, die zweitgrößte polnische Bank Pekao, Finanzkreisen zufolge die Risiken im Zusammenhang mit Franken-Krediten im Rahmen einer Transaktion nicht übernehmen.

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