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21.01.2022

20:12

Fremdwährungskredite

Neue Belastung von 436 Millionen Euro – Trotzdem will Commerzbank positives Ergebnis erzielen

Von: Andreas Kröner

Die polnische Tochter mBank muss im vierten Quartal hohe Rückstellungen verbuchen. Der Mutterkonzern hat 2021 dennoch wie versprochen abgeschlossen.

Aktien der Bank gaben nachbörslich deutlich nach. dpa

Commerzbank

Aktien der Bank gaben nachbörslich deutlich nach.

Frankfurt Für die Commerzbank beginnt das neue Jahr mit schlechten Nachrichten. Ihre polnische Tochter mBank müsse wegen des Streits um den Umgang mit Franken-Krediten weitere 436 Millionen Euro zurückstellen, teilte das Institut am Freitagabend mit. Das Ergebnis von Deutschlands zweitgrößter Privatbank werde in entsprechender Höhe belastet.

„Die Commerzbank erwartet dennoch ein positives Konzernergebnis für das Geschäftsjahr 2021“, erklärte das Frankfurter Geldhaus weiter. Die Commerzbank hatte zuletzt mehrfach betont, dass sie 2021 wieder schwarze Zahlen schreiben wird – nach einem Verlust von 2,9 Milliarden Euro im vorletzten Jahr. Diese Prognose stand allerdings unter dem Vorbehalt, „dass es keine substanzielle Veränderung in Bezug auf das Kreditportfolio der mBank in Schweizer Franken gibt“.

Genau dazu ist es nun jedoch gekommen. Dass die Commerzbank trotzdem schwarze Zahlen schreiben wird, deutet darauf hin, dass die Geschäfte im Rest des Instituts besser gelaufen sind als von Analysten erwartet. Diese hatten der Commerzbank vor der Mitteilung von Freitagabend im Schnitt einen Gewinn von 122 Millionen Euro im vergangenen Jahr zugetraut.

Anleger reagierten enttäuscht auf die schlechten Nachrichten aus Polen. Die Commerzbank-Aktien verlor am Freitag nachbörslich mehr als drei Prozent, nachdem sie den Handel 1,8 Prozent im Minus beendet hatte.

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    mBank strebt weitere Vergleiche an

    Aufgrund niedriger Zinsen in der Schweiz hatten viele Polen einst Franken-Kredite aufgenommen, um ihr Haus zu finanzieren. Dann verlor die Landeswährung Zloty gegenüber dem Franken jedoch stark an Wert, wodurch die Belastungen für die Häuslebauer stiegen.

    Viele Kreditnehmer gingen daraufhin wegen möglicherweise unrechtmäßiger Klauseln gegen polnische Geldhäuser vor. Allein gegen die mBank gibt es mehr als 10.000 Klagen. Das Geldhaus hatte seine Risikovorsorge deshalb bereits mehrfach aufgestockt. Mit den nun vorgenommen Rückstellung dürfte sich die Vorsorge für das Franken-Kredit-Portfolios, das sich zuletzt auf 2,4 Milliarden Euro belief, in etwa verdoppeln auf rund 900 Millionen Euro.

    Nachdem eine Entscheidung des obersten polnischen Gerichtshofs über das Thema mehrfach vertagt worden war, legte die polnische Finanzaufsicht KNF den Geldhäusern im Herbst 2021 nahe, außergerichtliche Vergleiche mit ihren Kunden anzustreben.

    Die mBank startete daraufhin ein Pilotprojekt, in dem sie einigen Kunden Vergleiche anbot. Diese Angebote sollen nun ausgeweitet werden. Etwa die Hälfte der zusätzlichen Rückstellungen könne für künftige Vergleichsprogramme genutzt werden, erklärte eine mBank-Sprecherin. Mit dem Rest wappne sich das Institut für mögliche Gerichtsentscheidungen.

    Commerzbank will fürs Erste an mBank festhalten

    Commerzbank-Finanzchefin Bettina Orlopp hatte im November erklärt, die mBank sei offen für alle Lösungen. „Wir wollen diese Saga beenden, aber es muss ein vernünftiges Ende sein.“ Es müssten bindende Vergleiche gefunden werden, die alle Kunden akzeptieren könnten und mit denen die Gerichtsverfahren beendet würden.

    Die Commerzbank hält 69,3 Prozent an der mBank. Der ehemalige Vorstandschef Martin Zielke hatte 2019 eine Veräußerung des mBank-Anteils angekündigt, den Verkauf dann aber im Mai 2020 abgeblasen. Ein Grund war, dass der Aktienkurs der mBank wegen des Streits über Franken-Kredite und des Ausbruchs von Corona so stark gefallen war, dass die Commerzbank keinen attraktiven Preis erzielen konnte.

    Seit Mai 2020 hat der Kurs der mBank jedoch kräftig zugelegt – vor allem wegen der gestiegenen Leitzinsen in Polen. Einen neuen Verkaufsanlauf plant das Frankfurter Geldhaus jedoch nicht, wie der aktuelle Vorstandschef Manfred Knof Ende Dezember im Handelsblatt-Interview deutlich machte.

    „Die mBank ist integraler Bestandteil der Commerzbank-Gruppe und mit ihren Erträgen und Kosten vollständig in der Planung für die nächsten Jahre berücksichtigt“, sagte Knof. „Sie hat ein hervorragendes Geschäftsmodell, trägt positiv zur Gewinn-und-Verlust-Rechnung bei und ist für die gesamte Gruppe ein Vorbild beim Thema Digitalisierung.“

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