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24.06.2022

17:27

Genossenschaftsbanken

Volksbanken gründen Firma für neue Geschäfte neben dem klassischen Banking

Von: Elisabeth Atzler

Die Volks- und Raiffeisenbanken wollen in viel mehr Wirtschaftsbereichen mitverdienen. Ein neues Unternehmen mit dem Namen „Amberra“ soll die Strukturen aufbauen.

Die Genossenschaftsbanken setzen auf extra Dienstleistungen, die Kunden enger an die Geldhäuser binden sollen. imago images/Eibner

Volksbanken

Die Genossenschaftsbanken setzen auf extra Dienstleistungen, die Kunden enger an die Geldhäuser binden sollen.

Frankfurt Die Volksbank als Dienstleister für Gesundheit und Pflege? Die Wohnung renovieren mit der Raiffeisenbank? Geht es nach der genossenschaftlichen Finanzgruppe, soll das schon bald Realität werden. Denn die Banken wollen mehr Leistungen neben dem klassischen Bankgeschäft anbieten und dazu ein ganzes „Ökosystem“ schaffen, wie sie es nennen.

Am Freitag haben die Volks- und Raiffeisenbanken einen ersten Schritt dazu vollzogen. Auf ihrer Mitgliederversammlung beschlossen die rund 770 Geldhäuser, ein extra Unternehmen namens Amberra zu gründen, das den Aufbau von Dienstleistungen außerhalb des Kerngeschäfts Finanzen vorantreiben soll. Die Mitgliederversammlung habe mit 96 Prozent dafür gestimmt, teilte der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken BVR mit.

Die Genossenschaftsbanken setzen große Hoffnungen in die extra Dienstleistungen, die Kundinnen und Kunden enger an die Geldhäuser binden sollen. BVR-Chefin Marija Kolak bezeichnete die Entscheidung als „wichtige Weichenstellung innerhalb der gemeinsamen Strategieagenda“. Der Aufbau eines Ökosystems „regionaler Prägung“ soll dabei helfen, dass die genossenschaftliche Finanzgruppe ein „schlagkräftiger Wettbewerber im deutschen Finanzmarkt auch in der nächsten Dekade“ bleibe.

Kolak hatte im vergangenen September das Vorhaben eines Ökosystems mit Dienstleistungen, die das Bankgeschäft ergänzen sollen, angekündigt. Zunächst soll es vor allem Dienstleistungen zum Thema Bauen und Wohnen betreffen – was direkt an die Baufinanzierung anschließt. Auch Dienstleistungen rund um Gesundheit und Pflege könnten Teil des Ökosystems werden, avisierte Kolak damals.

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    Amberra soll 2023 starten, die ersten Investitionen sind überschaubar: In den kommenden drei Jahren wollen die Genossenschaftsbanken einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag in Amberra stecken, als eine Art Schubfinanzierung. Der BVR finanziert die Hälfte davon. Daneben sind andere Unternehmen der Gruppe, etwa das Spitzeninstitut DZ Bank und der IT-Dienstleister Atruvia, Geldgeber.

    Die Präsidentin des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken ist dafür, dass die Genossenschaftsbanken künftig bestimmte Dienstleistungen außerhalb des Bankgeschäfts erbringen. ddp

    Marija Kolak

    Die Präsidentin des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken ist dafür, dass die Genossenschaftsbanken künftig bestimmte Dienstleistungen außerhalb des Bankgeschäfts erbringen.

    Nach drei Jahren steht dann eine weitere Entscheidung zum Betrieb des Ökosystems an. Die Volks- und Raiffeisenbanken sollen selbst Anteile an der Firma übernehmen können. Zugleich werden dann weitaus mehr Investitionen nötig sein.

    „Beyond Banking“: Banken wollen auch außerhalb ihres Kerngeschäfts punkten

    Die Möglichkeit, dass Banken jenseits von klassischen Bankgeschäften vor allem ihren privaten Kunden und Kundinnen weitere Dienstleistungen anbieten, wird in der Finanzbranche seit Längerem diskutiert – oft unter dem Schlagwort „Beyond Banking“. Teils ist auch von „Plattformökonomie“ die Rede.

    Hier werden die Banken zu einer Plattform oder einem Marktplatz und bringen ihre Kunden untereinander oder mit Anbietern anderer Produkte zusammen. Vorbilder für das geplante Ökosystem der Genossenschaftsbanken gibt es bisher aber kaum.

    Offen ist allerdings, inwiefern Geldhäuser überhaupt mit Dienstleistungen fern ihres Kerngeschäfts punkten können – oder ob Verbraucherinnen und Verbraucher hier lieber bewährten Anbietern vertrauen.

    Zugleich besteht aus Sicht der etablierten Kreditinstitute die Gefahr, dass beispielsweise Tech-Konzerne ins Bankgeschäft eindringen. Für die klassischen Kreditinstitute ist es daher umso wichtiger, dass Kunden weiterhin Vorteile sehen, bei ihrer Bank zu bleiben

    Es gehe darum, die Kundenschnittstelle zu verteidigen, sagte BVR-Chefin Kolak. „Wir müssen im Alltag unserer Kundinnen und Kunden wieder eine stärkere Rolle einnehmen.“ Durch die gesellschaftlichen und technologischen Wandel gerieten die Geldhäuser immer weiter aus dem Blickfeld der Kunden.

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