Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

21.09.2022

09:20

Gewerkschaft

Zweimal 1500 Euro: Verdi fordert von Banken „Energiegeld“ für Beschäftigte

Von: Elisabeth Atzler, Luisa Bomke

Die Dienstleistungsgewerkschaft will einen Inflationsausgleich erreichen. Die Sonderzahlungsforderung richtet sie auch an Töchter der Deutschen Bank und der Commerzbank.

Verdi will eine eine Sonderzahlung für Beschäftigte in der Bankbranche erreichen und stellt die Forderung zunächst an Töchter von Deutscher Bank und Commerzbank. dpa

Deutsche Bank und Commerzbank

Verdi will eine eine Sonderzahlung für Beschäftigte in der Bankbranche erreichen und stellt die Forderung zunächst an Töchter von Deutscher Bank und Commerzbank.

Frankfurt Um höhere Ausgaben für Energie auszugleichen, verlangt die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Extrazahlungen von Banken. „Wir fordern eine Entlastung in Form eines Energiegeldes von 1500 Euro in diesem Jahr und 1500 Euro im kommenden Jahr“, sagte Jan Duscheck, Fachgruppenleiter Bankgewerbe bei Verdi, dem Handelsblatt.

„Die hohe Inflation und der Anstieg der Energiepreise treffen auch viele Bankbeschäftigte hart. In der Branche gibt es nicht nur Spitzenverdiener, sondern auch viele Geringverdiener“, sagte Duscheck.

Verdi will Duscheck zufolge entsprechende Zahlungen zunächst für die Beschäftigen erreichen, die vergleichsweise wenig verdienen. „Aber die Diskussion um die Zahlung eines Energiegeldes wird die gesamte Branche ergreifen“, erwartet er.

Die Gewerkschaft wird die Forderung nun zunächst an bestimmte Töchter der Deutschen Bank stellen – namentlich Keba und DB Direkt – sowie an die Commerzbank-Tochter ComTS und an die spanische Banco Santander. Danach folgt voraussichtlich die Forderung für die Postbank-Beschäftigten in den Filialen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Santander wollte sich mit Verweis auf laufende Verhandlungen mit der Gewerkschaft nicht äußern. Auch die Deutsche Bank und die Commerzbank äußerten sich zu dem Verdi-Vorstoß nicht.

    Über DB Direkt läuft beispielsweise telefonische Kundenbetreuung. ComTS-Servicegesellschaften erledigen als Dachorganisation Verwaltungsaufgaben für die Commerzbank, unter anderem helfen sie bei der Abwicklung des Zahlungsverkehrs und beim Digitalisieren von Dokumenten. Verdi fordert seit Längerem einen Tarifvertrag für ComTS und kritisiert dort „prekäre Arbeitsverhältnisse“.

    Hintergrund der Verdi-Forderung nach einem Energiegeld ist die hohe Inflation, wegen der mehr Haushalte als zuvor ihre monatlichen Einnahmen komplett für die Lebenshaltung ausgeben. Wenn die Heizkosten in diesem Winter deutlich steigen, dürften noch mehr Menschen an ihre finanziellen Grenzen kommen.

    Bis zu 40.000 Beschäftigte verdienen brutto maximal 2500 Euro

    Die deutschen Sparkassen sind Marktführer im Geschäft mit privaten Kundinnen und Kunden. Sie fürchten, dass künftig 60 Prozent der deutschen Haushalte mit ihren monatlichen Einkommen ihre Ausgaben nicht mehr bestreiten können – oder sogar ins Minus rutschen.

    Nach Verdi-Schätzungen verdienen 35.000 bis 40.000 Bankbeschäftigte weniger als 2500 Euro brutto im Monat. Da gelte unter anderem für Berufseinsteiger, Mitarbeiter in Servicegesellschaften sowie Beschäftigte etwa im Postbank-Filialvertrieb. Weitere 75.000 Beschäftigte hätten ein monatliches Bruttoeinkommen bis etwa 3500 Euro.

    Herangetreten ist Verdi bereits an einige Sparda-Banken, „weil wir im Herbst vergangenen Jahres eine relativ geringe Gehaltssteigerung für 2022 vereinbart hatten“, sagte Duscheck. „Damals war noch nicht absehbar, dass die Energiepreise so stark steigen.“ Vor einem Jahr hatten sich Verdi und die genossenschaftlichen Sparda-Banken darauf verständigt, dass die Gehälter zum 1. Januar 2022 und zum 1. April 2023 jeweils um 1,25 Prozent steigen.

    Von der Sparda-Bank Hamburg zum Beispiel hat Verdi auch bereits ein Energiegeld gefordert. Die Bank lehnte das ab, erklärte aber nun auf Anfrage, sie setze sich mit der Thematik auseinander und werde „am Ende des Jahres nach Auswertung der Betriebsergebnisse eine Entscheidung treffen“.

    Eine Bank hat bereits 1000 Euro extra gezahlt

    Die Sparda-Bank Hannover indes hat sich schon von sich aus für einen Zuschuss entschieden. Nach eigenen Angaben hat sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angesichts der steigenden Energiekosten und der hohen Inflation 1000 Euro extra gezahlt.

    Zusätzliche Zahlungen an Beschäftigte waren vergangene Woche auch Thema beim Treffen von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) mit Vertretern von Arbeitgebern und Gewerkschaften. Diskutiert wurde neben der Energiepolitik vor allem das Angebot der Regierung, zusätzliche Zahlungen der Unternehmen an die Beschäftigten bis zu einem Betrag von 3000 Euro steuer- und abgabenfrei zu stellen.

    Die Runde habe festgehalten, dass dies ein freiwilliges und flexibles Instrument sei, betonte Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger. Denn es sei klar, dass angesichts der wirtschaftlichen Lage „nicht alle Unternehmen diese Einmalzahlung leisten können“.

    Für die Bankbranche strebt Verdi angesichts der längeren Laufzeit der Tarifverträge laut Duscheck eine eigene Regelung an. „Weil es schwierig ist, wenn Beschäftigte ausschließlich vom guten Willen ihres Arbeitgebers abhängig sind, fordern wir für die Bankenbranche tarifliche Regelungen.“

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×