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06.04.2020

04:00

Handelsblatt testet

Auf Pump durch die Coronakrise: Wo Kunden die günstigsten Ratenkredite bekommen

Von: Julia Groth

Ratenkredite sind aktuell relativ günstig. Kunden mit Topbonität haben die Chance, besonders gute Konditionen auszuhandeln.

Ratenkredite können bei finanziellen Engpässe in der Krise helfen. dpa

Kredite

Ratenkredite können bei finanziellen Engpässe in der Krise helfen.

Köln Die Corona-Pandemie hinterlässt immer tiefere Spuren auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Rund 470.000 Unternehmen haben nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums allein im März Kurzarbeit angemeldet. Und die Bundesagentur für Arbeit rechnet damit, dass die Arbeitslosenzahlen im April deutlich steigen.

Je länger die Krise dauert, desto mehr Menschen werden voraussichtlich in finanzielle Not geraten. Das würde auch die Kreditwirtschaft treffen. Um einen Dominoeffekt durch massenhafte Kreditausfälle zu vermeiden, hat der Bundestag Ende März beschlossen, dass Banken die Zins- und Tilgungsleistungen von Verbraucherdarlehen zwischen dem 1. April und dem 30. Juni 2020 aussetzen können.

Sparkassenkunden etwa können nun online einen Aufschub für den Schuldendienst beantragen, wie der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) mitteilt. Und ob sich unter diesen Bedingungen eher mehr oder eher weniger Bundesbürger Geld bei ihrer Bank oder Sparkasse leihen, bleibe abzuwarten, heißt es beim DSGV und beim Verband der Privatbanken, dem Bundesverband deutscher Banken: In dieser Ausnahmesituation seien Prognosen schwierig.

Vorstellbar ist allerdings, dass in den kommenden Monaten mehr Menschen ein Darlehen aufnehmen müssen, um finanziell über die Runden zu kommen. Andererseits dürften viele Menschen größere Anschaffungen wie eine neue Küche, die typischerweise über einen Ratenkredit finanziert wird, eher verschieben.

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    Die Konditionen sind aktuell günstig

    Wer einen Ratenkredit aufnehmen will, kann sich aktuell jedenfalls über günstige Konditionen freuen. Das zeigt eine Auswertung von Ratenkrediten der FMH-Finanzberatung für das Handelsblatt.

    Die Zinsexperten haben Ratenkredite von 27 Banken verglichen. Das Ergebnis: Beim Effektivzins unterscheiden sich die besten Angebote nur marginal. Kunden mit Topbonität haben allerdings die Chance, besonders gute Konditionen auszuhandeln.

    Ratenkredite im Test

    Die FMH-Analysten gaben für ihren Test an, 10.000 Euro leihen zu wollen und innerhalb von vier Jahren zurückzuzahlen. Unter den angefragten Geldhäusern machte die Deutsche Skatbank das beste Angebot: Die Direktbank, die zur Volks- und Raiffeisenbank Altenburger Land gehört, verlangt 2,89 Prozent Effektivzins pro Jahr – unabhängig von der Bonität des Kreditnehmers. Am Ende der Laufzeit summieren sich die Zinszahlungen auf 593,12 Euro.

    Bei der genossenschaftlichen PSD Bank Nürnberg und der Ethikbank, einer Öko-Direktbank, die zur Volksbank Eisenberg gehört, zahlen Kunden nur unwesentlich mehr. Die beiden Institute verlangen 2,93 beziehungsweise 2,95 Prozent effektiven Jahreszins. Nach zwei Jahren liegt die Gesamtsumme so bei 10.601,14 beziehungsweise 10.605,60 Euro.

    Beim Letztplatzierten unter den Anbietern bonitätsunabhängiger Ratenkredite, der ING, wird es nicht deutlich teurer. Der FMH-Musterkunde zahlt dort 3,69 Prozent Zinsen pro Jahr. Damit kostet der Kredit letztlich 759,23 Euro. Das sind gerade einmal 166 Euro mehr als beim Testsieger. Statt 220,69 Euro pro Monat wie bei der Deutschen Skatbank zahlt der Musterkunde bei Deutschlands größter Direktbank monatlich 224,16 Euro Zins und Tilgung.

    Bessere Bonität, etwas günstigere Konditionen

    Auch bei bonitätsabhängigen Angeboten nehmen sich Erst- und Letztplatzierter nicht viel – jedenfalls, wenn man sich den sogenannten Zweidrittelzins anschaut. Das ist ein Zins, den zwei Drittel der Kunden bekommen. Beim Testsieger in diesem Segment, der Commerzbank, liegt er bei 2,62 Prozent pro Jahr.

    Die SKG Bank, eine Tochter der Deutschen Kreditbank, die ihrerseits der Bayerischen Landesbank gehört, verlangt dagegen von zwei Dritteln der Kunden 3,79 Prozent effektiven Jahreszins. Das sieht nach viel aus. Bei 10.000 Euro Darlehenssumme und zwei Jahren Laufzeit liegt der Unterschied zum Test-Besten aber bei gerade einmal fünf Euro pro Monat. Bis zum Ende der Laufzeit summiert sich die Differenz auf 242 Euro.

    Grafik

    Die FMH-Auswertung zeigt, dass ein Angebotsvergleich bei Ratenkrediten nicht so essenziell ist wie bei vielen anderen Zinsprodukten. Sie zeigt außerdem, dass es sich für Kunden mit hoher Kreditwürdigkeit lohnen kann, ein bonitätsabhängiges Darlehen aufzunehmen.

    So beträgt zwar der Zweidrittelzins bei der Commerzbank 2,62 Prozent. Die Zinsspanne erstreckt sich aber von 1,75 bis 8,75 Prozent. Wer über eine Topbonität verfügt, kann also deutlich bessere Konditionen bekommen als die breite Masse.

    Bei der Schufa eine Konditionenanfrage stellen

    Die Kreditwürdigkeit eines Antragstellers überprüft eine Bank immer – auch bei bonitätsunabhängigen Krediten. Die Bonität wirkt sich aber in diesem Fall nicht auf die Zinshöhe aus. „Die Wahrscheinlichkeit, abgelehnt zu werden, ist zudem sehr gering“, sagt FMH-Chef Max Herbst.

    Wer stattdessen direkt nach einem bonitätsabhängigen Kredit fragt, sollte darauf achten, dass er der Bank gestattet, bei der Schufa eine Anfrage nach Kreditkonditionen zu stellen – keine Kreditanfrage. Eine Konditionenanfrage wird nicht gespeichert und hat keine Folgen für den Schufa-Eintrag.

    Häufige Kreditanfragen können dagegen die Bonität belasten. Die Schufa unterstellt in diesem Fall nämlich, dass frühere Kreditwünsche abschlägig beschieden wurden.

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