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05.12.2022

16:32

Immobilienfinanzierung

Plus 40 Prozent, minus zehn Prozent – Mehr Bausparverträge und weniger Kredite bei Schwäbisch Hall

Von: Markus Hinterberger

Die neue Lust der Deutschen aufs Bausparen macht sich bemerkbar. Momentan steht vor allem das Thema Sanierung im Mittelpunkt des Interesses.

Mit einem Marktanteil von 30 Prozent ist das Unternehmen nach eigenen Angaben die größte Bausparkasse in Deutschland. dpa

Schwäbisch-Hall-Zentrale

Mit einem Marktanteil von 30 Prozent ist das Unternehmen nach eigenen Angaben die größte Bausparkasse in Deutschland.

München Die steigenden Zinsen sind für Schwäbisch Hall gut und schlecht zugleich. Weil sich viele Menschen noch günstige Darlehenszinsen sichern wollen, ist die Nachfrage nach Bausparverträgen beim Marktführer unter den Bausparkassen stark gestiegen. Bis zum Jahresende erwartet Vorstandschef Reinhard Klein rund 40 Prozent mehr neue Verträge als im Jahr 2021, sagte er am Montag.

Das Geschäft mit Baufinanzierungen hingegen sei angesichts gestiegener Zinsen und Baupreise besonders im zweiten Halbjahr eingebrochen. Im November habe das Minus bei 30 Prozent gelegen, für das gesamte Jahr gehe er von einem Rückgang von zehn Prozent aus.

Die neue Lust der Deutschen aufs Bausparen, die auch andere Bausparkassen spüren, begründet Klein nicht nur mit den höheren Zinsen auf klassische Baudarlehen. „Viele Menschen wollen Eigenkapital aufbauen“, so der Schwäbisch-Hall-Chef.

Die Bausparsummen seien im Schnitt zuletzt angestiegen: Von rund 60.000 Euro je Vertrag im Oktober 2021 auf rund 70.000 Euro im Oktober 2022. Für das Gesamtjahr 2022 geht Klein von über 30 Milliarden Euro Neugeschäft beim Bausparen aus. Im kommenden Jahr rechnet er mit einem ähnlichen Betrag.

Die Verträge, sagt Klein, würden weniger abgeschlossen, um Geld sicher zu parken – sondern eher, um später ein Eigenheim finanzieren zu können oder um Geld für eine Renovierung zu haben. Energetische Sanierungen stünden momentan im Mittelpunkt des Interesses.

Das berichten auch andere Kreditgeber. „Die Betriebskosten einer Immobilie werden nicht nur für Mieter, sondern auch für Eigentümer immer wichtiger“, sagt Klein. Etwa zwei Drittel des Geldes, das Schwäbisch Hall ausreiche, werde für Renovierungen und Sanierungen verwendet.

Neubauten würden indes kaum noch finanziert. „Die Menschen spüren die Risiken durch die unsichere wirtschaftliche Lage und die Inflation und kaufen lieber bereits bestehende Immobilien“, so der Bausparkassenvorstand. Wer kaufe, achte mehr auf das Thema Energie. „Bei Häusern, die schlecht gedämmt sind, können Käufer schon heute den Preis drücken“, sagt Klein. Insgesamt rechnet er, solange die Konjunktur nicht völlig einbricht, lediglich mit leicht sinkenden Preisen. Die Nachfrage nach Wohnraum sei nach wie vor hoch.

Um mehr Menschen in die eigenen vier Wände zu bringen, fordert Klein, wie auch die FDP, bei der Grunderwerbsteuer einen Freibetrag einzuführen. „Wären die ersten 500.000 Euro beim Grunderwerb steuerfrei, würde das vielen Familien helfen, im Eigentum zu wohnen.“ Damit die Länder durch einen Freibetrag keine Steuerausfälle hätten, hält er eine Staffelung bei der Grunderwerbsteuer für denkbar. Wer für mehrere Millionen eine Villa am See kaufe, könne sich auch eine höhere Steuer leisten.

mit Agenturmaterial

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