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15.11.2021

18:32

Internetkriminalität

Bafin-Chef Branson warnt vor Cyber- und Geldwäscherisiken

Von: Andreas Kröner, Yasmin Osman

Mehr Aufmerksamkeit für IT-Sicherheit und Geldwäscheprävention zählt zu den zehn Zielen, die sich der neue Präsident der Finanzaufsicht gesetzt hat.

Bafin-Chef Mark Branson warnt vor Cyber- und Geldwäscherisiken dpa

Mark Branson

Der neue Präsident der Finanzaufsicht Bafin sprach sich auf der „Euro Finance Week“ auch für eine europäische Bankenunion aus – und damit auch für eine gemeinsame europäische Einlagensicherung. 

Frankfurt Die Finanzaufsicht Bafin warnt vor wachsenden Gefahren für Banken durch Hackerangriffe. Cyberrisiken seien mittlerweile das größte operationelle Risiko für die Geldhäuser, sagte der Chef der Finanzaufsicht Bafin, Mark Branson, zum Auftakt der „Euro Finance Week“ am Montag in Frankfurt. „Bei Cyberrisiken hat man es auf der anderen Seite mit einer kriminellen Industrie zu tun.“

Diese kriminelle Branche sei extrem profitabel, extrem gut organisiert und manchmal vernetzt mit staatlichen Stellen. Sie könne daher viel investieren. Die Finanzbranche wiederum sei „in vielerlei Hinsicht ein sehr attraktives Ziel“. Sie habe Geld, Datenschätze und spiele bei der Stabilität des Wirtschaftssystems eine wichtige Rolle.

„Dieses Risiko ist sehr präsent, und es wächst stark. Ich bin persönlich nicht sicher, ob wir alle miteinander – staatlicher Sektor, Privatsektor – gut genug vorbereitet sind auf einen wirklich schwerwiegenden Sicherheitsvorfall“, warnte Branson. Er forderte die Banken deshalb auf, sich nicht nur bestmöglich gegen Hackerangriffe zu schützen, sondern sich auch Gedanken über das Krisenmanagement bei erfolgreichen Attacken zu machen.

Neben Cyberrisiken legt Branson sein Augenmerk auch auf eine bessere Geldwäscheprävention. Der Finanzaufseher will die dafür zuständigen Abteilungen der Bafin mit mehr Beschäftigten ausstatten. „Personell waren wir hier unterbesetzt wie viele andere Behörden auch“, räumte er ein. Geldwäscheprävention sei in Europa lange unterschätzt worden. Seit November ist für dieses Thema die frühere Commerzbankerin Birgit Rodolphe zuständig.

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    Das verstärkte Augenmerk auf Geldwäsche- und Cyberrisiken ist Teil eines Zehn-Punkte-Plans, den Branson in den ersten 100 Tagen seit seinem Amtsantritt als Bafin-Präsident erarbeitet hat. Die Behörde veröffentlichte am Montag die Mittelfristziele, die sie sich gesetzt hat.

    Neben Geldwäscheprävention und operativer Resilienz – also etwa der Gefahrenabwehr von Hackerangriffen – zählt dazu auch eine „wirksame, einstufige Bilanzkontrolle“. Denn eine Schwachstelle im Wirecard-Skandal war der Kompetenzwirrwarr zwischen Bafin und der privaten „Bilanzpolizei“ DPR bei der Überprüfung von Unternehmensbilanzen. 

    Im Zuge der jüngsten Bafin-Reform erhielt die Finanzaufsicht nun die volle Verantwortung für diesen Bereich. Branson will dort mehr Personal einsetzen, sodass insgesamt doppelt so viele Leute das Thema bearbeiten werden wie früher bei DPR und Bafin zusammen. Er will insgesamt 60 Beschäftigte mit dem Thema betrauen.

    Ist eine einheitliche europäische Einlagensicherung notwendig?

    Industriepolitisch spricht sich Branson für eine Vollendung der europäischen Kapitalmarkt- und der europäischen Bankenunion aus. Ziel dieser beiden Projekte sind einheitliche Regeln für die Banken- und Kapitalmärkte, die es Banken erleichtern würden, EU-weit ihre Dienste anzubieten, und Unternehmen, grenzüberschreitend solche Dienstleistungen wahrzunehmen. 

    „Die Banken- und Kapitalmarktfinanzierung hat in Europa noch nicht die richtige Balance gefunden“, sagte Branson. Er spielte damit darauf an, dass Unternehmen sich in Kontinentaleuropa – anders als in den USA – überwiegend über Bankdarlehen finanzieren. „Ein aktiverer Kapitalmarkt wäre aber gut für die europäische Wirtschaft und die Finanzbranche“, so Branson.

    In Deutschland ist insbesondere die Bankenunion umstritten, weil zu ihr auch eine europaweite Einlagensicherung gehört. Diese lehnen vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken ab. Die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank (EZB) sprechen sich dagegen seit Langem für eine gemeinsame Einlagensicherung aus.

    Der Vorstandschef der Deutschen Bank, Christian Sewing, betonte am Montag, für große und starke Banken in Europa brauche es eine Bankenunion. „Und genau dafür müssen wir auch in Deutschland Kompromisse eingehen“, so Sewing. Auch er spricht sich deshalb für eine europäische Einlagensicherung aus. 

    Widerspruch kam von DZ-Bank-Co-Chef Cornelius Riese, der die Kapital- und Bankenunion mit einem Puzzle aus 100 Teilen verglich. „Wir sind bei genau einem der 100 Puzzleteile aus sehr guten Gründen zurückhaltend, und das ist bei der Vereinheitlichung der Einlagensicherung“, sagte Riese.

    Die Annahme, dass es bei der Einführung einer gemeinsamen Einlagensicherung zu mehr grenzüberschreitenden Zusammenschlüssen von Banken kommen würde, teilt Riese ebenfalls nicht. „Paneuropäische Fusionen kommen nicht zustande aufgrund der Abwesenheit von Kostensynergien“, sagte der DZ-Bank-Chef. „Das hängt an 99 Puzzlesteinen, aber am allerwenigsten hängt es an der Einlagensicherung.“

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