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18.11.2022

09:24

Kryptobörse

570 Millionen Dollar Abflüsse in 24 Stunden: Gemini spürt Folgen der FTX-Pleite

Von: Astrid Dörner

Die Kryptobörse Gemini hat 700 Millionen Dollar an Kundengeldern eingefroren. Das verstärkt die Vertrauenskrise der Branche.

Die Zwillinge spüren die Vertrauenskrise in der Kryptowelt. AP

Cameron Winklevoss und Tyler Winklevoss

Die Zwillinge spüren die Vertrauenskrise in der Kryptowelt.

Denver Tyler und Cameron Winklevoss haben sich gern als die besonnenen Anbieter der Kryptowelt inszeniert. Nun bekommen jedoch auch die Gründer der Kryptobörse Gemini die Folgen der Krise zu spüren, die durch die Pleite von FTX ausgelöst wurde.
FTX war einst der zweitgrößte Handelsplatz für digitale Währungen der Welt und musste vergangene Woche nach einem riesigen Betrugsskandal Insolvenz anmelden. Seit dem zeigen sich Domino-Effekte in der Branche, in der Anbieter eng miteinander verzahnt sind.

Die Winklevoss-Zwillinge bekommen das bei ihrem Programm „Gemini Earn“ akut zu spüren. Das Angebot ermöglichte es Nutzern, die Kryptowährungen, die sie in ihren Gemini-Konten halten, zu verleihen und dafür Zinsen zu bekommen. Seit Mittwoch jedoch hat die Börse die Gelder aus diesem Programm eingefroren. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge sind rund 700 Millionen Dollar betroffen.

Der Grund: Gemini reichte die Coins seiner Kunden, die an dem Programm teilnahmen, weiter an den mächtigen Kryptobroker Genesis. Dieser wiederum verlieh die Coins an Hedgefonds und andere Profi-Investoren. Sowohl Gemini als auch Genesis strichen dafür Gebühren ein. Doch angesichts der Kurseinbrüche im Zuge der FTX-Pleite bekommt Genesis die verliehenen Kryptokredite selbst nicht mehr zurück und musste Abhebungen unterbinden. Damit konnte Genesis die Coins auch nicht mehr an Gemini zurückzahlen.

„Wir arbeiten mit dem Genesis-Team, damit die Kunden ihr Geld aus dem Earn-Programm so schnell wie möglich zurückbekommen“, versicherten die Winklevoss-Zwillinge. Weitere Informationen soll es „in den kommenden Tagen“ geben.
Das wiederum verstärkte die Nervosität aller Gemini-Kunden. Sie zogen innerhalb von 24 Stunden 570 Millionen Dollar an Geldern ab, wie aus Daten des Analysehauses Nansen hervorgeht. Zu groß ist die Sorge, dass Anleger erneut ihr Geld verlieren könnten. Der große Ansturm führte zeitweise zu Ausfällen bei der Gemini-App.

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    Bitcoin könnte auf 13.000 Dollar fallen

    Branchenkenner blicken mit Sorge auf die Probleme bei Genesis. Der Broker „sitzt direkt im Zentrum der Kryptokapitalmärkte“, gibt Jason Yanowitz, Gründer des Branchendienstes Blockworks in einer ausführlichen Stellungnahme auf Twitter zu bedenken. Nicht nur Gemini, sondern eine Reihe von Kryptobörsen hätten über Genesis die Coins der Nutzer verliehen. Der Broker zähle große Hedgefonds und Family-Offices zu seinen Kunden. Dass er nun selbst in finanzielle Schwierigkeiten geraten sei, „ist nicht gut“.

    Genesis hatte bereits durch die Pleite des Hedgefonds Three Arrows Capital im Sommer Geld verloren. Mit der Flaute an den Kryptomärkten in diesem Jahr hat das Geschäft deutlich abgenommen. Pikanterweise gehört Genesis zu dem Kryptokonglomerat Digital Currency Group, das von Milliardär Barry Silbert geführt wird. Zu der Gruppe gehört auch der Nachrichtendienst Coindesk, der Anfang November mit einem Artikel die Zweifel am Geschäftsmodell von FTX ins Rollen gebracht hatte.

    Der Bitcoin, die größte und älteste Kryptowährung, notierte am Donnerstagabend unverändert bei 16.666 Dollar. Anfang November, vor der FTX-Krise, lag er noch bei über 21.000 Dollar. Den Analysten von JP Morgan zufolge könnte der Kurs im Zuge der sich entfaltenden Vertrauenskrise auf rund 13.000 Dollar fallen.

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