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23.06.2022

14:03

Kryptowährung

Probleme bei Celsius Network – Nuri-Chefin verteidigt Geschäftsmodell mit Bitcoin-Ertragskonten

Von: Dennis Schwarz

Einige Nuri-Kunden bangen derzeit um ihre Einlagen. Chefin Kristina Walcker-Mayer schiebt die Verantwortung auf den US-Partner. Es geht um beträchtliche Summen.

Man arbeite „mit aller Kraft daran“, dass Auszahlungen über Celsius zeitnah wieder möglich sind.  Nuri

Nuri-Chefin Kristina Walcker-Mayer

Man arbeite „mit aller Kraft daran“, dass Auszahlungen über Celsius zeitnah wieder möglich sind.

Frankfurt Derzeit bangen einige Nuri-Kunden um ihr Geld: Das US-Partnerunternehmen Celsius Network hat wegen der „extremen Marktbedingungen“ in der vergangenen Woche Abhebungen und Überweisungen zwischen Konten pausiert. Diese Maßnahme betrifft auch das Bitcoin-Ertragskonto von Nuri.

Die Berliner verweisen jedoch vor allem auf den US-Partner. Man arbeite „mit aller Kraft daran“, dass Auszahlungen über Celsius zeitnah wieder möglich sind, sagte Nuri-Chefin Kristina Walcker-Mayer dem Handelsblatt. In einem Blogeintrag von Nuri findet sich zudem der Hinweis, dass das Konto einem „separaten Vertrag“ mit Celsius Network unterliege, an dem Nuri „nicht beteiligt“ sei.

Dabei war der Umstand ein Modell, das sich für Nuri lange bezahlt gemacht hat: Mit dem Bitcoin-Ertragskonto verleiht der Kunde seine virtuellen Münzen über die Berliner Neobank an das Partnerunternehmen Celsius Network. Das US-Unternehmen verleiht wiederum seinerseits die Kryptowährungen, vergibt mit Cyberdevisen besicherte Kredite und bietet Sparprodukte für Kunden an, die ihre Kryptowährungen bei dem Unternehmen anlegen.

Bis zu drei Prozent Rendite pro Jahr versprach Nuri auf die Bitcoin. Die Berliner traten als Vermittler auf – und kassierten dabei auch selbst mit ab. „Wir bekommen für die Vermittlung von Kunden an Celsius Network eine Gebühr“, sagte Walcker-Mayer. „Je mehr ein Kunde einzahlt, desto höher fällt diese Gebühr aus.“ Gemessen am Gesamtinvestment liege die Gebühr im einstelligen Prozentbereich.

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    Doch nun können die Kunden nicht mehr auf ihre Bitcoin zugreifen. Nach der Mitteilung des US-Partners deaktivierte Nuri die Investment-Funktion nach eigenen Angaben vorübergehend. Andere Produkte sind nach Aussage von Walcker-Mayer nicht betroffen.

    Keine Auswirkungen auf andere Geschäftsbereiche

    Die Kunden müssen derweil zusehen, wie ihre Einlagen schrumpfen. Seit dem vergangenen Montag ist der Bitcoin-Kurs bis Donnerstagvormittag um etwa 19 Prozent gefallen. Zwar erklärt die Berliner Neobank, dass nur „ein kleiner Anteil“ ihrer Kunden betroffen sei. Dennoch geht es um beträchtliche Summen: Finanzkreisen zufolge sollen im Juni des vergangenen Jahres etwa 40 Millionen Euro auf den Bitcoin-Ertragskonten gelegen haben.

    Neobank Nuri

    Büro von Nuri

    Die Pausierung der Auszahlungen von Celsius betrifft auch das Bitcoin-Ertragskonto von Nuri.

    (Foto: Nuri)

    Nuri bietet die Ertragskonten bereits seit 2020 an. „Der erste Schritt von Nuri war, dass unsere Kunden selbst Bitcoin kaufen konnten“, sagte Walcker-Mayer. Basierend auf deren Feedback hätte die Berliner Neobank dann 2020 das Bitcoin-Ertragskonto erschaffen. „Die Kunden wollten eine alternative Einkommensquelle“, sagte sie. „Durch das Bitcoin-Ertragskonto konnten sie ihre Bitcoin für sich arbeiten lassen.“

    Doch nun muss sie sich mit den Problemen beim Partnerunternehmen beschäftigen. Ihren Kunden machte Walcker-Mayer derweil ein neues Versprechen: Die Berliner würden sicherstellen, dass „derartige Verzögerungen bei den Auszahlungen unserer Kunden (auch durch Drittanbieter) in Zukunft nicht wieder vorkommen“.

    Auf andere Geschäftsbereiche der Berliner scheinen sich die Probleme beim Bitcoin-Ertragskonto nicht auszuwirken. Nuri verzeichnete nach eigenen Angaben am 13. Juni das höchste Krypto-Trading-Volumen seit über einem Jahr und den viertstärksten Tag in der Unternehmensgeschichte. „Darüber hinaus beobachten wir weiterhin Nettozuflüsse auf der Nuri-Plattform und nur sehr geringe Abflüsse über die Krypto-Wallets“, so die Konzernchefin.

    Auf ihrer Webseite wirbt Nuri indes immer noch mit den Vorteilen des Bitcoin-Ertragskontos wie etwa „wöchentliche Auszahlungen“. Ein weiteres Versprechen hat Nuri aber mittlerweile von der Webseite gelöscht. Vor der Mitteilung von Celsius Network hieß es noch in Zusammenhang mit dem Bitcoin-Ertragskonto und der Partnerschaft mit Celsius Network: „Die Kryptowährungen werden dabei nie eingefroren und sind jederzeit auszahlbar.“ Nun ist der Passus nicht mehr zu finden.

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