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24.03.2023

15:41

Landesbank

Gewinn der NordLB legt 2022 deutlich zu – wie auch das Neugeschäft

Von: Elisabeth Atzler

Einige Eigentümer sehen die Wachstumspläne der Landesbank kritisch. Sie befürchten, dass die Landesbank zu große Risiken eingeht. Die Bilanzsumme sinkt indes.

Die Bank wurde 2019 vor dem Aus gerettet. imago/Eckhard Stengel

Logo der NordLB

Die Bank wurde 2019 vor dem Aus gerettet.

Hannover Die Norddeutsche Landesbank (NordLB) hat ihren Gewinn im vergangenen Jahr deutlich erhöht. Der Gewinn vor Steuern stieg auf 104 Millionen Euro, dreimal so viel wie im Vorjahr. Damals hatte das Vorsteuerergebnis lediglich 29 Millionen Euro betragen.

Das Gewinnplus führte die Bank unter anderem auf mehr Neugeschäft zurück. Das Neugeschäftsvolumen zog kräftig auf 23 Milliarden Euro an, sagte Bankchef Jörg Frischholz am Freitag. Das ist ein Zuwachs von 70 Prozent. Allerdings hätten Kunden noch nicht alle Kredite gezogen. Frischholz sprach von einer „dynamischen Neugeschäftsentwicklung“ auch seit Jahresanfang.

Frischholz betonte, dass die Bank mit einer „defensiven Ausrichtung in der Risikopolitik unterwegs sein“ werde. Mit Blick auf 2023 zeigte er sich optimistisch. „Ich bin zuversichtlich, dass wir unsere Erträge erneut steigern und den Kurs der Kostendisziplin fortsetzen können.“ Die Landesbank will sich als „Bank der Energiewende“ positionieren.

Man bewege sich aktuell allerdings in einem sehr unsicheren Umfeld, sagte Frischholz, der seit Anfang 2022 an der NordLB-Spitze steht. Eine konkrete Prognose für dieses Jahr gab die Bank nicht ab.

Die Äußerungen des Konzernchefs fielen parallel zu den drastischen Kursverlusten im Bankensektor. Die Aktien vieler europäischer Geldhäuser notierten am Freitag tief im Minus. Die NordLB selbst ist nicht börsennotiert.

Bankchef betrachtet neue Banksteuerung als „Pflicht“

Mit dem Gewinnplus kann sich die NordLB ein Stück weiter von den Problemen der Vergangenheit befreien. Die Landesbank war einst wegen fauler Schiffskredite in Schieflage geraten.

Nach langen und kontroversen Debatten wurde sie 2019 mit 3,6 Milliarden Euro vor dem Aus gerettet. Den Großteil davon, Eigenkapital und Garantien in Höhe von 2,3 Milliarden Euro, stemmte das Land Niedersachsen. Die Sparkassen-Finanzgruppe steuerte 1,1 Milliarden Euro bei.

Zwischen diesen beiden Eigentümergruppen war zuletzt allerdings ein Streit über die Zukunft der Bank entbrannt. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die NordLB eine neue Banksteuerung, die viel Geld kostet, einführen kann. Mit der Banksteuerung überwachen Institute ihre Geschäfte und Risiken. Ein Beschluss darüber ist aus Sicht von Beteiligten eng verknüpft mit einer Entscheidung über die Planungen für die kommenden Jahre.

Frischholz sagte, die Banksteuerung sei „eine Pflicht und keine Kür“. Es gehe unter anderem darum, regulatorischen Herausforderungen, die sich noch verstärkten, nachkommen zu können. Zu erwarteten Kosten äußerte der NordLB-Chef sich nicht konkret. Sie seien aber in den Planungen der Bank verarbeitet, sie könne sich das leisten.

Die bundesdeutschen Sparkassen, die seit der Stützung mit rund 24 Prozent an der NordLB beteiligt sind, sehen den Ausbau des Geschäfts 2022 kritisch, wie mehrere mit dem Thema vertraute Personen dem Handelsblatt sagten. Sie werfen der NordLB vor, sich nicht an die Ende 2019 vereinbarten Vorgaben zu halten und im Neugeschäft zu große Risiken einzugehen.

Das Land Niedersachsen, mit 57,5 Prozent größter Anteilseigner, und die Bank selbst weisen die Vorwürfe zurück. Sie wiederum beklagen Insidern zufolge, die bundesdeutschen Sparkassen würden nachträglich Absprachen infrage stellen: beispielsweise das Engagement der NordLB beim Ausbau erneuerbarer Energien. Aus ihrer Sicht muss die Bank wachsen und sich weiterentwickeln, um dauerhaft bestehen zu können.

Bilanzsumme zum Jahresende wieder gesunken

Die Bilanzsumme der NordLB war unterjährig gestiegen, zum Jahresende aber auf 109 Milliarden Euro und damit unter das Volumen von 2021 gesunken. Die Bank plane kein starkes Wachstum der Bilanzsumme, sagte Frischholz. Sie werde sich eher auf dem Niveau wie derzeit bewegen. Auch bei Risikoaktiva und Liquiditätsquote seien keine signifikanten Änderungen vorgesehen.

Aktuell gibt es noch vier große Landesbanken in Deutschland: neben der NordLB die Landesbank Baden-Württemberg, die BayernLB sowie die Landesbank Hessen-Thüringen. Sie gehören in unterschiedlichen Anteilen den jeweiligen Bundesländern und den regionalen Sparkassen.

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