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22.10.2021

15:52

Landesbank

Nach drei Verlustjahren: NordLB rechnet für 2021 mit einem Gewinn

Von: Frank Matthias Drost, Elisabeth Atzler

Die Norddeutsche Landesbank profitiert vom Verkauf der Schiffskredite. Der scheidende Bankchef Thomas Bürkle betont, dass das Institut „kein Übernahmekandidat“ sei.

Die Bank hatte eine hohe Risikovorsorge für ihr Portfolio an Schiffskrediten gebildet. Das macht sich nun in der Bilanz bemerkbar. dpa

NordLB

Die Bank hatte eine hohe Risikovorsorge für ihr Portfolio an Schiffskrediten gebildet. Das macht sich nun in der Bilanz bemerkbar.

Berlin, Frankfurt Der Vorstandsvorsitzende der NordLB, Thomas Bürkle, kann sich wohl mit einem Gewinn aus seinem Amt verabschieden. „Wenn die derzeit positive Entwicklung anhält, wird der NordLB-Konzern in diesem Jahr voraussichtlich ein positives Ergebnis erzielen. Für die ersten neun Monate kann ich das sicher sagen“, sagte Bürkle im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Der 68-jährige Manager wird Ende des Jahres auf eigenen Wunsch in den Ruhestand wechseln. Designierter Nachfolger ist Jörg Frischholz, zuvor Privatkundenvorstand der Hypo-Vereinsbank. In den vergangenen drei Jahren schrieb die NordLB rote Zahlen.

Bislang hatte die Landesbank keine Prognose für das laufende Jahr gewagt, was angesichts der jüngsten Geschichte verständlich ist. Denn die NordLB steht seit ihrer Beinahepleite besonders im Fokus der Öffentlichkeit. Horrende Verluste in der Schiffsfinanzierung konnte die Landesbank 2019 nicht mehr aus eigener Kraft ausgleichen. Anteilseigner wie die Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie die Sparkassen-Finanzgruppe schnürten ein 3,6 Milliarden Euro schweres Rettungspaket, das Ende 2019 von der EU-Kommission abgesegnet wurde.

Parallel wurde ein Verschlankungsprogramm verabschiedet. Die Bilanzsumme ist inzwischen auf unter 120 Milliarden Euro gesunken. In der Kernbank ist ein weiterer Rückgang auf 95 Milliarden Euro bis zum Jahr 2024 angepeilt – könnte aber auch etwas höher ausfallen: Die Zahl von 95 Milliarden Euro sei „nicht in Stein gemeißelt“, sagte Bürkle. Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter soll von einst 6000 auf 2800 bis 3000 sinken. Derzeit sind es Bürkle zufolge rund 4400.

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    Im Rahmen der Neujustierung des Geschäftsmodells ist auch das Portfolio an Schiffskrediten, das in der Hochphase 20 Milliarden Euro schwer war, drastisch geschrumpft auf nur noch 1,5 Milliarden Euro. Beim Abbau des Portfolios profitiert die NordLB davon, dass sie Risikovorsorge auflösen kann. „Die Schiffsverkäufe wirken sich positiv aus. Unsere Bewertungen waren sehr konservativ“, sagte Bürkle.

    Doch der Bank kommen nicht nur die gestiegenen Erlöse aus Schiffsverkäufen zugute. „Wir konnten die Kosten weiter verringern, und das Neugeschäft hat sich positiv entwickelt“, so Bürkle. Der Anteil notleidender Kredite am Gesamtportfolio betrage etwa ein Prozent. Das ist im internationalen Vergleich ein guter Wert. Nach wie vor hält die Bank an dem Ziel einer Eigenkapitalrendite von sieben Prozent fest.

    Anhaltende Diskussion über Zukunft der Landesbanken

    Neben der NordLB gibt es im öffentlich-rechtlichen Sektor noch drei bedeutende Landesbanken: die BayernLB, die Helaba und die LBBW. Sie sind deutlich größer als die NordLB und gehören in unterschiedlichen Anteilen den jeweiligen Bundesländern und den regionalen Sparkassen.

    Sparkassenpräsident Helmut Schleweis hatte vor zwei Jahren eine Konsolidierung ins Spiel gebracht – mit am Ende einer einzigen Sparkassenzentralbank. Ausgangspunkt sollte eine Fusion der Helaba und des Sparkassen-Fondsanbieters Deka sein. Hoffnungen auf eine zeitnahe Verschmelzung gab Schleweis zuletzt aber auf.

    Auch die NordLB wurde angesichts der Frage, ob sie allein dauerhaft überleben kann, immer wieder bei den Überlegungen ins Spiel gebracht. Bürkle erklärte dazu: „Unser Transformationsplan sieht eine eigenständige NordLB vor, und ich kann nicht erkennen, dass die Träger der Bank da einen anderen Willen haben.“ Mit Sicherheit sei die NordLB „kein Übernahmekandidat“.

    Mit großem Interesse blickt das NordLB-Management nach Berlin. Eine mögliche Ampelkoalition von SPD, Grünen und FDP würde ein wichtiges Geschäftsfeld der NordLB weiter beflügeln. Schon jetzt reklamiert die Landesbank für sich in dem Geschäft mit erneuerbaren Energien eine führende Rolle in Deutschland. „Wir sind da gemessen an der Zahl der finanzierten Transaktionen eindeutig in der absoluten Spitzengruppe“, so Bürkle.

    Dabei gehe es nicht nur um Wind und Solar, sondern auch um nachhaltigen Verkehr und Transport. Mit der neuen Bundesregierung dürfte das Thema weiter an Priorität gewinnen. „Wir profitieren dabei von unserer großen Expertise, schließlich sind wir in dem Bereich schon seit rund 30 Jahren tätig“, sagt Bürkle. Für ihn ist das eines der Vorzeige-Geschäftsfelder. Ausdrücklich ausgeschlossen hat die NordLB in ihren Richtlinien die Finanzierung beispielsweise von Kohleprojekten.

    Hilfreich wäre es auch aus Sicht der NordLB, wenn die Finanzregulierer die Eigenkapitalvorgaben für nachhaltige Kredite senken würden. „Das wäre ein Instrument, um den treibhausneutralen Umbau der Wirtschaft zu fördern“, so der Vorstandschef. Entsprechende Eigenkapitalerleichterungen hatte kürzlich auch die Präsidentin der westfälischen Sparkassen, Liane Buchholz, gefordert.

    Mit dem 68-Jährigen geht einer der dienstältesten Bankmanager in den Ruhestand. dpa

    Thomas Bürkle

    Mit dem 68-Jährigen geht einer der dienstältesten Bankmanager in den Ruhestand.

    Mit dem 68-jährigen Bürkle geht einer der dienstältesten Bankmanager Deutschlands in den Ruhestand. Dem potenziellen Nachwuchs macht er Mut. „Ich kann den Job nach wie vor empfehlen. Auch wenn das Standing des Bankers in den vergangenen Jahren gelitten hat“, sagte Bürkle mit Blick auf die Folgen der Finanzmarktkrise aus den Jahren 2008/09. „Banker beschäftigen sich mit den unterschiedlichsten Branchen, und Banken sind gerade in Deutschland zentrale Financiers der Volkswirtschaft.“

    Gleichwohl hätten sich die Anforderungen an Bankmanager in den vergangenen Jahren natürlich verändert. Die Regulatorik greife viel stärker in die Steuerung einer Bank ein als früher. Die Anforderungen der Aufsicht seien gewachsen. „Das ist schon an der Agenda von Vorstandssitzungen ablesbar“, sagte Bürkle.

    Nichtsdestotrotz hat Bürkle Verständnis für Hochschulabsolventen, die lieber zu Finanz-Start-ups (Fintechs) gehen als zu klassischen Banken. „Wir sind keine klassische Wachstumsindustrie mehr. Bei Fintechs gibt es diese Hoffnung schon, auch wenn nicht alle Bäume in den Himmel wachsen werden.“

    Das neue Jahr wird Bürkle auf jeden Fall ruhiger angehen. Er werde allerdings weiter seine Aufsichtsratsmandate wahrnehmen und sich zukünftig in verschiedenen Stiftungen engagieren, die sich für Nachhaltigkeit und die Entwicklung der Wälder einsetzen. Bürkle, der aktiver Jäger ist, hat zudem einen Sitz im Verwaltungsrat der Niedersächsischen Landesforsten. Auch seine Tätigkeit im Vorstand der Kestner Gesellschaft, einem traditionsreichen Hannoveraner Kunstverein, wird er fortführen.

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