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22.08.2022

17:14

Lone Star Funds

Bank of Cyprus lehnt drei Übernahmeangebote ab

Von: Gerd Höhler, Dennis Schwarz

Das größte Geldinstitut Zyperns sieht sich durch die Angebote der Private-Equity-Gesellschaft unterbewertet. Sie würden die strategische Bedeutung der Bank verkennen.

Die Bank ist das größte Kreditinstitut des kleinen Inselstaates. dpa

Bank-of-Cyprus-Filiale

Die Bank ist das größte Kreditinstitut des kleinen Inselstaates.

Athen, Frankfurt Die Bank of Cyprus (BoC) hat drei Übernahmeangebote der Private-Equity-Gesellschaft Lone Star Funds abgelehnt. Das teilte das Geldinstitut am Freitag in einem Schreiben mit. Demnach habe die Bank das dritte Angebot in Höhe von 1,51 Euro pro Aktie geprüft und sei zu dem Schluss gekommen, dass es das Unternehmen „grundlegend unterbewerte“.

Zudem berücksichtige die Offerte die strategische Bedeutung der Bank für das Land und die Komplexität einer solcher Übernahme nicht angemessen, heißt es weiter. Deshalb sei das bislang letzte Angebot von Ende Juli dieses Jahres zurückgewiesen worden.

BoC ist das größte Kreditinstitut Zyperns. Zuvor hatte Lone Star bereits im Mai 1,25 Euro sowie im Juni 1,38 Euro pro Aktie geboten. Die in den USA ansässige PE-Gesellschaft investiert seit Längerem in Banken. Zum Portfolio zählt etwa die IKB Deutsche Industriebank.

Dass es die BoC überhaupt noch gibt, ist ein kleines Wunder. Denn das Geldinstitut stand im Mittelpunkt der zyprischen Finanzkrise.

Mit dem Versprechen hoher Zinsen lockten Institute – allen voran die BoC und die Laiki Bank – seit dem Euro-Beitritt Zyperns 2008 immer mehr Kunden. Von ihrer kleinen Heimatinsel expandierten die Institute in über zehn Länder. Vor allem in Russland und selbst im fernen Australien sammelten sie Kundengelder ein.

Griechischer Schuldenschnitt kostete Zyperns Banken ihr Eigenkapital

Die florierende Finanzbranche war der Stolz der kleinen Inselrepublik. Auf dem Höhepunkt des Booms 2009 erreichte die Bilanzsumme der Banken das Neunfache des zypriotischen Bruttoinlandsprodukts (BIP).
Umso tiefer war der Absturz. Um die hohen Guthabenzinsen zahlen zu können, investierten die Institute in renditestarke, aber hochriskante Papiere, vor allem in griechische Staatsanleihen.

Mit dem Schuldenschnitt in Griechenland im Februar 2012 verloren Zyperns Banken dann fast ihr gesamtes Eigenkapital. Ende März 2013 wurde die Laiki Bank in den Konkurs geschickt. Das war die Bedingung für die Hilfskredite, die Zypern vor der Pleite bewahrten.

Die BoC wurde mit einer Zwangsabgabe auf ungesicherte Einlagen in Höhe von 47,5 Prozent rekapitalisiert. Die Bank musste die Kredite der Laiki Bank übernehmen, von denen weit über die Hälfte notleidend war. Viele glaubten damals, die Bank of Cyprus werde unter der Last der Laiki-Schulden und ihrer faulen Kredite zusammenbrechen.

Doch dazu kam es nicht. 2014 stieg Wilbur Ross als neuer Großaktionär bei der BoC ein. Auf seinen Wunsch übernahm im November desselben Jahres Josef Ackermann den Vorsitz im Board der Bank. Damit schloss sich ein Kreis: Ackermann war als Präsident des Weltbankenverbandes 2012 an der Aushandlung des griechischen Schuldenschnitts beteiligt – der Zyperns Banken in den Abgrund riss.

Quote der notleidenden Forderungen stark abgebaut

Inzwischen hat die BoC bei der Konsolidierung ihrer Bilanz gute Fortschritte gemacht. Die Quote der notleidenden Forderungen ging von 63 Prozent im Jahr 2015 auf 8,6 Prozent Ende des vergangenen Jahres zurück.

Im kommenden Jahr soll sie fünf Prozent betragen. BoC-Bankchef Panicos Nicolaou, der die Bank seit September 2019 führt, macht auch Druck beim Abbau der Kosten, die laut der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (Eba) zu den höchsten in der Euro-Zone gehören.

Seit Juni 2019 hat die Bank ihre Belegschaft von 4151 auf 2851 Mitarbeitern reduziert und die Zahl der Zweigstellen von 97 auf 60 abgebaut. „Damit liegen wir bei der Größenanpassung unserer Bank vor dem Plan“, sagt Nicolaou. Deshalb sieht sich die Bank offenbar in der komfortablen Lage, die bisherigen Angebote abzulehnen.

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