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03.11.2021

14:00

Milliardenverkauf

Brisanter Deal – Wie der Bieterwettstreit um die Berlin Hyp den Sparkassen-Sektor elektrisiert

Von: Andreas Kröner, Arno Schütze, Frank Matthias Drost

Der Verkauf des Immobilienfinanziers ist für die öffentlich-rechtlichen Institute strategisch bedeutsam. Insider sehen die Deka in der Favoritenrolle.

Sparkassen: Wettstreit um BerlinHyp Bloomberg

Berlin Hyp

Die Sparkassen prüfen einen Verkauf des Immobilienfinanzierers – allerdings nur innerhalb ihrer eigenen Gruppe.

Frankfurt, Berlin Der Verkauf des Sparkassen-Immobilienfinanziers Berlin Hyp ist derzeit das Gesprächsthema Nummer eins im öffentlich-rechtlichen Finanzsektor. Denn die Entscheidung, wer den Zuschlag für das Institut aus der Bundeshauptstadt bekommt, ist eine Weichenstellung für die Weiterentwicklung der Sparkassen-Finanzgruppe.

Welcher Bieter sich am Ende durchsetzt, wird deshalb Insidern zufolge nicht nur vom gebotenen Preis abhängen, sondern auch von strategischen Erwägungen. „Es ist ein Hauen und Stechen“, sagt eine mit dem Prozess vertraute Person.

Die Landesbanken LBBW und Helaba haben genauso wie der Fondsanbieter Deka Ende vergangener Woche verbindliche Offerten für die Berlin Hyp abgegeben, heißt es in Finanzkreisen. Diese werden von den Sparkassen nun in den nächsten Wochen intensiv analysiert.

Insider gehen davon aus, dass die Gebote nahe beieinander liegen und sich auf mehr als eine Milliarde Euro belaufen – für weniger würden die Sparkassen die Berlin Hyp wohl nicht verkaufen. Eine harte Deadline für eine Veräußerung gebe es nicht. Angepeilt werde jedoch eine Entscheidung bis Jahresende.

Die Berlin Hyp verfügt über Eigenkapital von 936 Millionen Euro. Hinzu kommen 600 Millionen Euro in einem Fonds für allgemeine Bankrisiken. Außerdem ist das Institut auf Wachstumskurs, hat seinen Gewinn zuletzt ausgebaut und gilt als Vorreiter bei wichtigen Themen wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

„Die Berlin Hyp ist ein Juwel in unserer Gruppe“, sagte Helmut Schleweis, der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), kürzlich im Handelsblatt-Interview. Für ihn kommt deshalb nur ein Verkauf innerhalb des öffentlich-rechtlichen Finanzsektors infrage.

Als Favoriten sehen viele Beteiligte dabei die Deka – vor allem aufgrund ihrer Eigentümerstruktur. Der Fondsanbieter gehört – genauso wie Berlin Hyp – zu 100 Prozent den Sparkassen. Die Beteiligungen der einzelnen Häuser an Deka und Berlin Hyp sind zwar nicht identisch, aber sehr ähnlich.

Hinzu kommt, dass das Geschäft von Deka und Berlin Hyp komplementär zueinander ist. Überschneidungen gibt es – im Gegensatz zu einer Kombination mit der Helaba oder der LBBW – nur wenige. Die Deka macht rund 80 Prozent ihrer Immobilienfinanzierung im Ausland und setzt dabei vor allem auf großvolumige Deals in Märkten wie Großbritannien und den USA. Die Berlin Hyp tätigt dagegen 70 Prozent ihres Geschäfts in der Bundesrepublik.

„Wenn es nach der Logik ginge, müsste die Deka den Zuschlag bekommen“, sagt ein Prozessbeteiligter. „Aber wir alle wissen, dass Logik in der Sparkassen-Finanzgruppe nicht immer ausschlaggebend ist.“

Der Sparkassenpräsident kämpft seit Jahren für eine Konsolidierung der öffentlich-rechtlichen Spitzeninstitute – bisher allerdings mit überschaubarem Erfolg. dpa

Helmut Schleweis

Der Sparkassenpräsident kämpft seit Jahren für eine Konsolidierung der öffentlich-rechtlichen Spitzeninstitute – bisher allerdings mit überschaubarem Erfolg.

Kritiker einer Kombination von Deka und Berlin Hyp sind der Ansicht, dass durch einen solchen Zusammenschluss das Profil der Deka als Wertpapierhaus der Sparkassen zu stark verwässert würde. Sie verweisen zudem darauf, dass die Helaba bei einer Übernahme der Berlin Hyp im Immobiliengeschäft größere Synergien erzielen könnte als die Deka.

Die Helaba ist – wie die Berlin Hyp – stark im Verbundgeschäft mit den Sparkassen aktiv. Im Immobilienbereich bieten beide Institute den Sparkassen an, Finanzierungen gemeinsam zu stemmen, die für einzelne Häuser zu groß sind. Zudem können sie sich in verschiedenen Formen an Immobilienfinanzierungen von Berlin Hyp und Helaba beteiligen. Das ist für Sparkassen, die oft mehr Einlagen haben, als sie im Kreditgeschäft ausreichen können, von großer Bedeutung.

Die Helaba hat aktuell Immobilien mit einem Volumen von rund 38 Milliarden Euro finanziert und ist in diesem Bereich deutlich größer als die Deka, die lediglich auf elf Milliarden kommt. Bei einer Übernahme der Berlin Hyp kämen noch einmal rund 25 Milliarden Euro dazu. Manche Beteiligte warnen deshalb vor einem Klumpenrisiko Immobilien, sollte die Helaba den Zuschlag bekommen. Die Frankfurter haben schließlich auch noch die Immobilientochter GWH, die knapp 50.000 Wohneinheiten in Deutschland verwaltet.

Helaba will Konsolidierung des Sektors vorantreiben

Die Helaba gehört mehrheitlich den Sparkassen in Hessen und Thüringen. Darüber hinaus sind Sparkassen aus anderen Regionen sowie die Länder Hessen und Thüringen beteiligt.

Das Institut plädiert schon länger für Zusammenschlüsse unter öffentlich-rechtlichen Spitzeninstituten und begründet so auch sein Interesse am Berliner Immobilienfinanzierer. „Ein Kauf der Berlin Hyp wäre für die Helaba sowohl betriebswirtschaftlich als auch strategisch eine sehr interessante Option und ein weiterer Schritt zur Konsolidierung innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe.“ Die Deka, die LBBW und der DSGV äußerten sich zum Bieterwettstreit nicht.

DSGV-Präsident Schleweis hält Fusionen ebenfalls für unabdingbar. Am Ende sollte aus seiner Sicht ein Zentralinstitut stehen, in dem alle Landesbanken, die Deka und die Berlin Hyp vereinigt sind. Innerhalb der Sparkassen-Gruppe und auch in der Politik gibt es gegen die Pläne des DSGV-Chefs jedoch Widerstand. Seine Hoffnung auf eine zeitnahe Fusion von Deka und Helaba hat Schleweis deshalb inzwischen aufgegeben.

Ein großer Wurf bei der Konsolidierung des Sektors wäre ein Verkauf der Berlin Hyp, die lediglich auf eine Bilanzsumme von 35 Milliarden Euro kommt, zwar nicht. Aber immerhin könnte Schleweis bei seinem Herzensthema dann einen kleinen Fortschritt verzeichnen.

Sollten die Helaba oder die Deka den Zuschlag bekommen, würden Institute gestärkt, die ganz oder mehrheitlich im Besitz der Sparkassen sind. Der Sieger des Bieterwettstreits wäre zudem prädestiniert dafür, bei einer weiteren Konsolidierung des Sektors eine Führungsrolle einzunehmen.

Der Chef der LBBW findet die bisherigen Pläne für die Schaffung eines Sparkassen-Zentralinstituts nicht überzeugend. dpa

Rainer Neske

Der Chef der LBBW findet die bisherigen Pläne für die Schaffung eines Sparkassen-Zentralinstituts nicht überzeugend.

Der Stuttgarter LBBW werden aus diesem Grund im Rennen um die Berlin Hyp nur Außenseiterchancen eingeräumt. Die LBBW hält nämlich nichts von dem von Schleweis propagierten Zentralinstitut. „Ich habe noch kein überzeugendes Konzept gesehen, das ich meinen Eigentümern empfehlen kann“, sagte Vorstandschef Rainer Neske vergangene Woche.

Zudem halten die Sparkassen lediglich 40 Prozent an der LBBW. Die übrigen Anteile liegen beim Land Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart, die bisweilen andere Interessen haben als die Sparkassen. „Wenn die LBBW den Zuschlag für die Berlin Hyp kriegt, wäre das ein klares Zeichen, dass das Zentralinstitut endgültig tot ist“, sagt ein Insider.

Neben einem Verkauf prüfen die Sparkassen auch, die Berlin Hyp als eigenständiges Institut weiterzuführen. Das sei eine realistische Option, die man bei den Debatten über mögliche Käufer nicht aus dem Blick verlieren sollte, sagten mehrere mit den Gesprächen vertraute Personen. Auch wenn es innerhalb der Sparkassen-Gruppe keine Einigung auf einen Käufer gibt, würde es wohl auf diese Lösung hinauslaufen.

Für DSGV-Präsident Schleweis, der sich seit Jahren für eine Konsolidierung des Sektors einsetzt, wäre ein Votum gegen einen Verkauf jedoch ein Rückschlag, betont ein Beteiligter. „Dann wären alle beschädigt.“ Darüber hinaus würden einige Sparkassen gern Geld sehen – und das gibt es nur bei einem Verkauf und nicht beim Weiterführen der Berlin Hyp als unabhängiges Institut.

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