Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

17.06.2022

19:11

Minuszinsen

Ende der Negativzinsen naht: Sparda-Bank West schafft Verwahrentgelt ab

Von: Elisabeth Atzler

Das genossenschaftliche Geldhaus reagiert auf die avisierte Zinsanhebung der Europäischen Zentralbank. Viele andere Banken dürften folgen, wenn die Notenbank den ersten Zinsschritt umsetzt.

Die Düsseldorfer Bank schafft Negativzinsen für private Kunden ab. DARCHING

Sparda-Bank West

Die Düsseldorfer Bank schafft Negativzinsen für private Kunden ab.

Frankfurt Das Ende der Negativzinsen für private Sparer rückt näher. Mit der Sparda-Bank West hat eine große genossenschaftliche Privatkundenbank angekündigt, ab kommendem Monat ganz von Minuszinsen abzusehen. Das Kreditinstitut teilte am Freitag mit, es werde „das Verwahrentgelt auf Girokonten und den Negativzins auf Tagesgeldkonten ab dem 1. Juli 2022 auf 0,0 Prozent pro Jahr anheben und damit auf eine negative Verzinsung dieser Einlagen bis auf Weiteres verzichten“.

Mit dem Schritt reagiert die Sparda-Bank West nach eigenen Angaben auf die Ankündigung der EZB, die Zinsen dieses Jahr anzuheben. Bank-Chef Manfred Stevermann erklärte, die Sparda-Bank habe mit der Einführung von Verwahrentgelten und Negativzinsen Kosten für Zinsaufwände an ihre Kunden mit hohen Einlagen weitergegeben. „Da diese Weitergabe vorerst nicht mehr nötig sein wird, passen wir das Verwahrentgelt und den Negativzins der Sparda-Bank West an.“

Das Düsseldorfer Geldhaus, das zu den zehn größten Genossenschaftsbanken in Deutschland gehört, zählte per Ende 2021 rund 660.000 Kundinnen und Kunden. Negativzinsen berechnet es bisher auf Girokonten für Summen oberhalb von 25.000 Euro. Auf dem Tagesgeldkonto beträgt der entsprechende Freibetrag 50.000 Euro.

Die EZB hatte angesichts der hohen Inflation vergangene Woche angekündigt, nach vielen Jahren der ultralockeren Geldpolitik ihre milliardenschweren Anleihekäufe zum 1. Juli einzustellen. Zudem sollen die Leitzinsen in einem ersten Schritt um einen Viertelprozentpunkt steigen. Ausschlaggebend ist zurzeit der Zinssatz für Einlagen der Geschäftsbanken bei der Notenbank, der bei minus 0,5 Prozent liegt.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Viele Banken haben Verwahrentgelt vertraglich an EZB-Zins gekoppelt

    Eine weitere, noch kräftigere Zinserhöhung stellte EZB-Präsidentin Christine Lagarde für September in Aussicht, falls sich der Inflationsausblick bis dahin nicht verbessere. Damit wird ein Zinsschritt um 0,5 Prozentpunkte im Herbst wahrscheinlich.

    Nach der Sparda-Bank West gab auch die Sparda-Bank Nürnberg am Freitag bekannt, dass sie ab Juli keine Minuszinsen mehr berechnet. Sie hatte im April ein Verwahrentgelt eingeführt. Die Sparda-Bank Nürnberg kündigte sogar an, einen Bonus auf Einzahlungen auf Tagesgeld an – ein Zeichen dafür, dass das Geldhaus daran interessiert ist, frische Einlagen einzusammeln. Die Kreditinstitute wollen mit Negativzinsen bisher hohe Mittelzuflüsse verhindern.

    Bisher haben erst einige wenige Geldhäuser haben in Erwartung der Zinsschritte bereits selbst Minuszinsen für private Kundinnen und Kunden abgeschafft. Das Vergleichsportal Verivox registriert mit Blick auf die Online-Preisverzeichnisse inzwischen 18 Kreditinstitute, die Negativzinsen gestrichen oder die Freibeträge stark erhöht haben – oder das im Juli tun wollen. Anfang Juni waren es noch neun Banken.

    Für Aufsehen hatte Mitte Mai die Onlinebank ING Deutschland gesorgt. Als erste große Privatkundenbank kündigte sie an, das Verwahrentgelt für die allermeisten Kunden zu streichen. Die ING hebt die Freibeträge per Juli für Guthaben auf Giro- und Tagesgeldkonten von derzeit 50.000 auf 500.000 Euro an.

    Zahlreiche Geldhäuser werden von Minuszinsen aber erst abrücken, wenn der Strafzins der EZB wegfällt. So teilte beispielsweise die Deutsche Bank bereits im Mai mit, dass sich die Höhe des Verwahrentgelts nach dem Einlagenzins, der sogenannten Einlagenfazilität, der EZB richte.

    „Wenn die EZB den Satz der Einlagenfazilität ändert, werden wir im Privatkundengeschäft das Entgelt kurzfristig anpassen und für den Fall einer Einlagenfazilität von null oder größer vollständig auf die Erhebung eines Verwahrentgelts verzichten.“ Etliche Banken und Sparkassen haben die Berechnung eines Verwahrentgelts sogar vertraglich an den EZB-Einlagenzins gekoppelt.

    Verivox zufolge haben zuletzt rund 450 und damit ein Drittel der untersuchten Geldhäuser Negativzinsen für Privatkunden erhoben. Tatsächlich dürfte die Zahl noch höher liegen, weil nicht alle Konditionen im Internet frei zugänglich veröffentlicht werden.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×