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21.07.2022

20:13

Minuszinsen

Weitere Banken streichen nach dem EZB-Entscheid die Strafzinsen

Von: Elisabeth Atzler

Die Deutsche Bank und die Hamburger Sparkasse verzichten auf Negativzinsen. Viele Geldhäuser haben das Verwahrentgelt direkt an den EZB-Einlagenzins gekoppelt.

Die meisten Banken dürften das Verwahrentgelt nach dem EZB-Zinsschritt streichen. Die Deutsche Bank will das im August tun. Die Hamburger Sparkasse gleich am Freitag. imago images/Christian Offenberg

Frankfurter Bankenskyline

Die meisten Banken dürften das Verwahrentgelt nach dem EZB-Zinsschritt streichen. Die Deutsche Bank will das im August tun. Die Hamburger Sparkasse gleich am Freitag.

Frankfurt Die Zinsanhebung der Europäischen Zentralbank (EZB) setzt den Negativzinsen für private Bankkunden ein Ende. Bei den meisten Banken und Sparkassen wird das Verwahrentgelt auf Giro- und Tagesgeldkonten unmittelbar oder in einigen Tagen wegfallen.

Mit ihrem Zinsentscheid hebt die EZB den für Banken entscheidenden Einlagenzins von zuvor minus 0,5 Prozent auf null Prozent an. Zudem steigt der Leitzins von null auf 0,5 Prozent, wie die Notenbank am Donnerstagnachmittag mitteilte.

Die Deutsche Bank, das größte deutsche Geldhaus, kündigte unmittelbar danach an, von Minuszinsen im Privatkundengeschäft abzusehen. Die Deutsche Bank und die Postbank würden das Verwahrentgelt „im Laufe des Augusts abschaffen“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bank auf Anfrage.

Bereits rückwirkend zum 1. Juli streicht die Commerzbank Entgelte für Kundeneinlagen von Verbrauchern, wie sie am Donnerstagnachmittag mitteilte. Bei der Hypo-Vereinsbank (HVB) entfällt per 1. August das Verwahrentgelt.

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    Etliche Geldhäuser haben das Verwahrentgelt für private Kundinnen und Kunden an den EZB-Einlagenzins gekoppelt und müssen ebenso reagieren – teils sogar sofort. Die Hamburger Sparkasse, die bundesweit größte Sparkasse, passt die Konditionen automatisch an.

    Ab Freitag wird Kundinnen und Kunden mit hohen Einlagen kein Minuszins mehr berechnet. Auch die Apotheker- und Ärztebank (Apobank), die nach dem Spitzeninstitut DZ Bank größte Genossenschaftsbank, gibt die Zinsanhebung per Freitag direkt weiter, wie die Bank erklärte.

    Mehr zur historischen Zinswende der EZB:

    Bei der Kreissparkasse Köln und der Stadtsparkasse Köln wiederum entfällt das Verwahrentgelt jeweils am kommenden Mittwoch (27. Juli). Dann setzt auch die EZB die Zinsanhebungen um.

    Der Trend zu Verwahrentgelten kam 2016 auf

    Die ersten Kreditinstitute mit Minuszinsen für vermögende Privatkunden wurden im Laufe des Jahres 2016 bekannt. Die Verwahrentgelte greifen meist oberhalb bestimmter Freibeträge – beispielsweise 50.000 oder 100.000 Euro, häufig für Neu- wie für Bestandskunden. Bei Neukunden wurde die Berechnung von Verwahrentgelten gleich bei Vertragseröffnung festgelegt.

    Von Bestandskunden brauchen Banken und Sparkassen die explizite Zustimmung zum Erheben von Negativzinsen. Die Banken argumentierten oft, sie wollten auf diesem Wege einen weiteren hohen Einlagenzustrom abwehren.

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    Ob die Banken von privaten Kunden überhaupt Negativzinsen verlangen dürfen, ist indes umstritten. Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat in mehreren Fällen geklagt.

    Manche Kreditinstitute hatten in Erwartung der Zinsschritte das Verwahrentgelt schon abgeschafft. Das Vergleichsportal Verivox registrierte kurz vor der EZB-Zinserhöhung mit Blick auf die Online-Preisverzeichnisse 51 Kreditinstitute, die Negativzinsen gestrichen oder die Freibeträge stark erhöht haben. Anfang Juni waren es neun Banken.

    Zuletzt zählte Verivox noch rund 424 und damit ein Drittel der untersuchten Geldhäuser mit Negativzinsen für Privatkunden. Tatsächlich dürfte die Zahl noch höher liegen, weil nicht alle Konditionen im Internet frei zugänglich veröffentlicht werden.

    Vorgeprescht war auch die ING Deutschland. Als erste große Privatkundenbank hatte sie im Mai angekündigt, das Verwahrentgelt für die allermeisten privaten Kunden zu streichen. Die Freibeträge stiegen per Juli für Guthaben auf Giro- und Tagesgeldkonten von zuvor 50.000 auf 500.000 Euro. Per August verzichtet die Onlinebank nun komplett auf Minuszinsen.

    Zudem will die ING langfristigen Sparern nun auch wieder mehr Zinsen zahlen. Sie bietet ihren Bestandskunden ab August einen Sparbrief mit Laufzeiten zwischen einem Jahr und fünf Jahren an. Dafür gibt es jährlich 0,5 Prozent bis 1,5 Prozent Zinsen, teilte die ING mit. Die HVB zahlt für Festgeld auf fünf Jahre 1,6 Prozent Zinsen jährlich.

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