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07.09.2022

07:23

Onlinebezahldienst

Abgeschlagen hinter Paypal: Paydirekt hat 2021 nur knapp 18 Millionen Transaktionen abgewickelt

Von: Elisabeth Atzler

Lange hat der deutsche Onlinebezahldienst ein Geheimnis aus seinen Nutzungszahlen gemacht. Nun gibt es überraschend Daten. Sie sind angesichts einstiger Ambitionen ernüchternd.

Der Onlinebezahldienstleister gehört den deutschen Sparkassen, den  Genossenschaftsbanken, der Deutschen Bank und der Commerzbank. dpa

Paydirekt

Der Onlinebezahldienstleister gehört den deutschen Sparkassen, den Genossenschaftsbanken, der Deutschen Bank und der Commerzbank.

Frankfurt Die deutschen Banken haben die einstigen Ambitionen für ihren eigenen Onlinebezahldienst, Paydirekt, bei Weitem verfehlt. Paydirekt, gestartet im Jahr 2015, spielt nur eine Minirolle als Bezahlangebot im E-Commerce. Das schwache Abschneiden unterstreichen nun erstmals Zahlen zur Nutzung, die Paydirekt überraschend veröffentlicht hat.

Im Jahr 2021, also nach dem Zusammenschluss mit dem früheren Wettbewerber Giropay, hat Paydirekt 17,8 Millionen Transaktionen abgewickelt. Das Transaktionsvolumen betrug gut 1,5 Milliarden Euro.

Das geht aus dem Jahresabschluss von Paydirekt hervor, der vergangene Woche im Bundesanzeiger veröffentlicht wurde. Bisher galten die Zahlen als gut gehütetes Geheimnis der Kreditwirtschaft.

Im Jahr 2020 kam Paydirekt, damals noch ohne die Giropay-Verstärkung, lediglich auf 3,3 Millionen Zahlungen. Das Transaktionsvolumen betrug knapp 290 Millionen Euro, heißt es im Jahresabschluss.

Das ist minimal angesichts des Umsatzes im deutschen Onlinehandel. Laut Handelsverband HDE betrug er im Jahr 2020 netto knapp 73 Milliarden Euro, 2021 waren es fast 87 Milliarden Euro. Hinzu kommt, dass der Ticketverkauf beispielsweise der Deutschen Bahn, ein wichtiger Kunde von Paydirekt, nicht in den HDE-Zahlen enthalten ist.

Paydirekt sieht das Geschäft dennoch positiv. Das Unternehmen teilte auf Anfrage mit, dass es mit der Entwicklung, vor allem dem Wachstum im vergangenen Jahr, „sehr zufrieden“ sei.

Paypal und Rechnungskauf am beliebtesten

Während die deutschen Kreditinstitute mit der Girocard, oft auch „EC-Karte“ genannt, die wichtigste Bezahlkarte in Deutschland anbieten und an jeder Girocard-Transaktion verdienen, geht der Onlinehandel weitgehend an ihnen vorbei. Laut einer Erhebung des EHI Retail Institute, ein Forschungsinstitut des Handels, liegt der US-Onlinebezahldienst Paypal mittlerweile gleichauf mit dem traditionell in Deutschland beliebten Rechnungskauf.

Am drittbeliebtesten ist das Zahlen per Lastschrift mit einem Anteil von 17 Prozent – im Wesentlichen dank des Onlinehändlers Amazon. Auch hier bleibt bei den Kreditinstituten nichts hängen.

Den Anteil von Kreditkartenzahlungen beziffert das EHI auf gut elf Prozent. In anderen Ländern spielen Kreditkarten eine deutlich größere Rolle beim Onlineshopping. Paydirekt und Giropay kommen in der EHI-Übersicht gar nicht separat vor.

Paydirekt und Giropay sind seit Ende 2020 verschmolzen. Das Bezahlverfahren nennt sich inzwischen nur noch Giropay, die Firma dahinter heißt Paydirekt. Giropay wurde bereits 2005 gegründet.

Vom Paydirekt-Start vor sieben Jahren hatten sich die Geldhäuser mehr Durchschlagskraft versprochen. Paydirekt gehört den deutschen Sparkassen, den Genossenschaftsbanken sowie der Deutschen Bank und der Commerzbank. Durch eine Marketingkampagne will der Bezahldienst die Markenbekanntheit von Giropay weiter steigern „und das Wachstum verstärken“, so die Firma.

Im Jahr 2021 wies Paydirekt einen Jahresüberschuss von knapp einer Million Euro aus. Angesichts geplanter Investitionen rechnet die Firma dieses Jahr mit einem Fehlbetrag von knapp sechs Millionen Euro und 2023 mit einem Minus von vier Millionen Euro.

Dass Paydirekt nun erstmals Transaktionszahlen im Jahresabschluss nennt, hat aufsichtsrechtliche Gründe. „Wir entsprechen damit regulatorischen Anforderungen“, erklärte das Unternehmen.

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