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26.10.2022

13:30

Quartalszahlen

Geldmarktfonds retten Absatzbilanz der DWS – Gewinn sinkt aber

Von: Anke Rezmer

Die Deutsche-Bank-Fondstocher sammelte fast acht Milliarden Euro von Anlegern ein. Wegen höherer Kosten ging der Gewinn jedoch zurück. Die DWS-Aktie sackt ab.

Die Tochter der Deutschen Bank steht wegen Greenwashing-Vorwürfen in der Kritik. imago images/Hannelore Förster

Logo der DWS

Die Tochter der Deutschen Bank steht wegen Greenwashing-Vorwürfen in der Kritik.

Frankfurt Die DWS hat trotz der turbulenten Börsenphase im dritten Quartal Zuflüsse von 7,7 Milliarden Euro verbucht und ihren Ertrag vor allem dank höherer Managementgebühren gesteigert. Allerdings rettete die Absatzbilanz der Deutsche-Bank-Fondstochter Zuflüsse in die niedrigmargigen Geldmarktfonds von 17,3 Milliarden Euro. Ohne diese zogen Anleger in den drei Monaten bis Ende September netto 9,8 Milliarden Euro Kapital ab.

Die Erträge legten gegenüber dem Vorjahresquartal um vier Prozent zu, auf 689 Millionen Euro. Der bereinigte Vorsteuergewinn ist aber wegen deutlich gestiegener Kosten im Vorjahresvergleich um sieben Prozent auf 252 Millionen Euro gesunken. Der Nettogewinn sackte gegenüber dem dritten Quartal 2021 sogar um gut 19 Prozent auf 147 Millionen Euro.

DWS-Chef Stefan Hoops erklärte, dass sein Haus „in einem für die Vermögensverwaltungsbranche zunehmend schwierigen Umfeld ein solides Ergebnis abgeliefert“ habe. Er hält die DWS für „hervorragend gerüstet“, um sich an das neue Marktumfeld anzupassen.

Zu den Kapitalabflüssen fernab der Geldmarktprodukte sei es gekommen, weil Anleger im Umfeld hoher Inflationsraten, steigender Zinssätze und Rezessionserwartungen in ihren Depots Risiken abbauten. Vor allem aus aktiv, also von Fondsmanagern gesteuerten Anleihefonds, aber auch aus Indexfonds (ETFs) floss Kapital ab. Aus den margenträchtigen aktiven Fonds zogen Anleger unter dem Strich sieben Milliarden Euro ab. Die DWS betonte eine gute Nachfrage nach alternativen Anlagen wie Immobilien, Nachhaltigkeits-ETF und gemischten Fonds.

Zum Vergleich: Unter den größten vier deutschen Fondsanbietern hat die DWS aus Publikumsfonds, die vor allem Privatanlegern angeboten werden, im dritten Quartal die höchsten Abflüsse verbucht. Im Juli, August und September zogen Anleger nach Zahlen des Fondsanalysehauses Morningstar netto drei Milliarden US-Dollar aus aktiven Fonds ab, weitere 5,4 Milliarden Dollar aus Indexfonds.

Bei der Allianz-Tochter Allianz Global Investors flossen demnach netto knapp zwei Milliarden Dollar aus aktiven Fonds ab, bei Union Investment 693 Millionen Dollar. Die Sparkassentochter Deka sammelte indes 589 Millionen Dollar neues Geld in aktiven Fonds ein und 447 Millionen Dollar in Indexfonds.

In diesem Jahr haben Investoren beim größten deutschen Anbieter für private Fondsanleger damit netto 18,3 Milliarden Euro zurückgezogen. Ohne Geldmarktprodukte waren es knapp zehn Milliarden Euro. Das gemanagte Vermögen bleibt gegenüber dem Vorjahresquartal konstant bei 833 Milliarden Euro. Geholfen haben der DWS hier vor allem Währungsgewinne durch Anlagen in US-Dollar.

Er ist der neue Chef der DWS. dpa

Stefan Hoops

Er ist der neue Chef der DWS.

Die Gewinne stiegen in den ersten neun Monaten um sieben Prozent auf 2,05 Milliarden Euro. Dazu trugen der DWS zufolge vor allem höhere Managementgebühren bei, auch Performancegebühren. Der bereinigte Vorsteuergewinn kletterte gegenüber dem Vorjahresvergleich 2022 bis Ende September um fünf Prozent auf 804 Millionen Euro.

Dank der höheren Erträge habe die DWS ihren höchsten bereinigten Vorsteuergewinn in den ersten neun Monaten eines Jahres erzielt, betonte Finanzvorständin Claire Peel. Der Nettogewinn sank indes in den ersten drei Quartalen 2022 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um sieben Prozent auf 488 Millionen Euro.

DWS hält an ihren Wachstumszielen fest

Die bereinigten und andere Kosten stiegen im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal um 11,1 Prozent auf 437 Millionen Euro. Vor allem höhere Aufwendungen bezogen auf künftige Performancegebühren bei alternativen Anlagen schlugen demnach hier zu Buche.

In den ersten neun Monaten kletterten die bereinigten Kosten im Jahresvergleich um acht Prozent auf 1,245 Milliarden Euro. Das stehe im Einklang mit der Wachstumsstrategie des Hauses, betonte die DWS. Vor allem Sach- und Marketingausgaben, aber auch höhere Personalkosten wegen der gestiegenen Mitarbeiterzahl auf aktuell rund 3600 Beschäftigte stünden dahinter.

Das bereinigte Aufwand-Ertrags-Verhältnis (Cost-Income-Ratio, CIR) stieg im dritten Quartal 2022 folglich um 4,3 Prozentpunkte auf 63,5 Prozent. Die aktuelle CIR für die ersten neun Monate von 60,8 Prozent sieht Peel „auf einem guten Niveau“ und im Einklang mit der Prognose des Hauses von etwa 60 Prozent für 2022.

Großinvestoren zeigten Verständnis für die aktuell schwierige Marktlage, aber machten deutlich, dass die DWS noch zulegen muss: „Im derzeitigen Umfeld ist das Ergebnis in Ordnung, aber ein so hoher Anteil Zuflüsse zu Geldmarktfonds drückt auf Dauer auf die Marge“, sagt ein Investor: „Die Zahlen sind besser als die Lage.“

DWS-Aktie verliert

Der Kurs der DWS-Aktie sackte in der Spitze um mehr als sechs Prozent ab unter die Marke von 26 Euro, dämmte die Verluste später etwas ein. Das Papier hat in diesem Jahr schon mehr als ein Fünftel im Wert eingebüßt und notiert deutlich unterhalb seiner Erstnotiz vom März 2018 von 32,50 Euro.

Zum Ausblick teilte die DWS mit, an den Wachstumszielen aus dem Jahr 2021 festzuhalten. Mittelfristig will das Haus ein jährliches Nettomittelwachstum von mehr als vier Prozent und eine nachhaltige bereinigte CIR von 60 Prozent erreichen.

Hoops hob in der Konferenz mit Analysten hervor, dass angesichts anhaltend schwieriger Verhältnisse an den Kapitalmärkten die Zeit für aktives Fondsmanagement angebrochen sei. Der DWS-Chef erklärte, dass er in allen Sparten seines Hauses überprüfe, inwieweit sie den Kunden dienten. „Wir haben Bereiche, wo wir nicht zufrieden sind: was Größe angeht oder Performance“, räumte er ein. Da wolle Hoops schauen, ob etwas verändert oder auch verkauft werden könne.

In den ersten neun Monaten kletterten die bereinigten Kosten im Jahresvergleich um acht Prozent auf 1,245 Milliarden Euro. dpa

Vermögensverwalter DWS

In den ersten neun Monaten kletterten die bereinigten Kosten im Jahresvergleich um acht Prozent auf 1,245 Milliarden Euro.

Mit Blick auf einzelne Regionen hat der DWS-Chef angekündigt, sich wie sein Vorgänger Asoka Wöhrmann auf Asien zu konzentrieren, aber auch dem Geschäft in den USA mehr Schwung zu verleihen. Zu seinen Umbaumaßnahmen in der Führungsriege gehört, dass Hoops den Vertriebschef Dirk Görgen zum Chef für die Region USA und Kanada macht, aus der gut ein Viertel des gemanagten Vermögens der DWS stammt.

Für Investoren stellt sich die Frage, mit welchen Produkten das Fondshaus hier punkten will: So sind dort die führenden Anbieter von Indexfonds zu Hause. Bei alternativen Anlagen müsse die DWS außer bei Immobilien noch kräftig investieren, sagt ein Großanleger. Und bei den in Europa bereits etablierteren Nachhaltigkeitsprodukten habe die Deutsche-Bank-Tochter bislang ein Reputationsproblem.

Neue Greenwashing-Vorwürfe

Mit dem Thema Nachhaltigkeit und Vorwürfen übertrieben „grün dargestellter“ Anlagestrategien steht die DWS weiter in der Kritik. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg die Fondsgesellschaft verklagt wegen angeblich irreführender Werbung für einen auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Aktienfonds.

Die Umweltschützer Greenpeace, Urgewald und Reclaim Finance werfen großen Vermögensverwaltern vor, Milliardensummen in Unternehmen zu investieren, die den Abbau von Kohle, Erdgas und Öl noch weiter vorantreiben wollen.

Die vier großen deutschen Vermögensverwalter DWS, Union Investment, AGI und Deka haben zusammen 13 Milliarden Euro in derlei Firmen investiert, hat eine Untersuchung der drei Organisationen ergeben. Mit einem Volumen von 7,8 Milliarden Euro ist das Engagement der Deutsche-Bank-Tochter DWS demnach mit Abstand am größten.

Er wurde nach den Greenwashing-Vorwürfen entlassen. Reuters

Asoka Wöhrmann

Er wurde nach den Greenwashing-Vorwürfen entlassen.

Zudem gebe es in den Anlagerichtlinien der DWS keine „allgemeingültigen Auflagen“ für Beschränkungen in Kohleinvestitionen. Greenpeace hat zudem eine Untersuchung veröffentlicht, nach der die Investments der DWS zu einer zu hohen Erwärmung des Weltklimas gemessen an den Zielen des Pariser Weltklimaabkommens von maximal zwei Grad beitrügen. Die DWS weist die Vorwürfe zurück.

Der neue Chef Hoops bemüht sich, die Unruhe um das Thema Greenwashing hinter sich zu lassen. Hoops folgte Anfang Juni auf Wöhrmann, der in Greenwashing-Vorwürfe der früheren Nachhaltigkeitschefin der DWS, Desiree Fixler, verstrickt gewesen war. Sie hatte ihrem Ex-Arbeitgeber vorgeworfen, bei der Darstellung des eigenen Nachhaltigkeitsengagements zu übertreiben.

Gegen ihre Kündigung hatte sie vor dem Arbeitsgericht Frankfurt geklagt und verloren. Ob sich die DWS „grüner“ gegeben hat, als sie ist, prüfen mittlerweile die US-Börsenaufsicht SEC, das US-Justizministerium sowie deutsche Behörden. Die DWS hat diese Vorwürfe stets zurückgewiesen und betont, dass ihre internen Untersuchungen dazu nahezu abgeschlossen seien.

Die DWS hat indes in einer internen Mitteilung angekündigt, dass sie ihre Zuständigkeit für Nachhaltigkeit in der Führungsebene breiter aufstellen will. Dazu gehört eine neue Prüfinstanz unter Finanzvorständin Peel.

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