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27.07.2022

16:43

Quartalszahlen

Unicredit verdoppelt Gewinn auch dank des Russlandgeschäfts – und erhöht die Prognose für 2022

Von: Dennis Schwarz, Christian Wermke

Italiens zweitgrößte Bank hat nach eigenen Angaben das beste Halbjahresergebnis seit über zehn Jahren erzielt. Zum Problem könnten indes die italienischen Staatsanleihen im Portfolio werden.

Der Bankchef zeigte insgesamt drei Szenarien für die Zukunft auf und äußerte sich insgesamt sehr optimistisch. Reuters

Andrea Orcel

Der Bankchef zeigte insgesamt drei Szenarien für die Zukunft auf und äußerte sich insgesamt sehr optimistisch.

Frankfurt, Rom Die italienische Großbank Unicredit hat im zweiten Quartal dieses Jahres alle Erwartungen übertroffen: Der Nettogewinn verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahresquartal auf knapp zwei Milliarden Euro, die Erträge stiegen um fast neun Prozent auf etwa 4,8 Milliarden Euro.

Analysten hatten im Vorfeld einen Nettogewinn von etwa einer Milliarde Euro erwartet. „Das sind die besten Halbjahresergebnisse in einer ganzen Dekade“, erklärte Bankchef Andrea Orcel am Mittwoch bei der Präsentation der Zahlen. Grund für die positive Entwicklung im zweiten Quartal seien unter anderem ein profitables Wachstum sowie geringere Kosten.

Auch das Polster beim Eigenkapital stieg an: Die harte Kernkapitalquote (CET 1) erhöhte sich auf 15,73 Prozent, Ende März waren es noch 14 Prozent gewesen. Die guten Zahlen erfreuten die Anleger an der Börse, der Aktienkurs legte bis zum Nachmittag um bis zu 8,5 Prozent zu.

Das positive Ergebnis und die steigenden Leitzinsen der Europäischen Zentralbank führten außerdem dazu, dass die zweitgrößte Bank Italiens ihre Prognose für das laufende Jahr anhob. Sie peilt nunmehr einen Jahresgewinn von rund vier Milliarden Euro an, statt zuvor von etwa 3,3 Milliarden Euro – das Russlandgeschäft ist bei diesen Prognosen aber herausgerechnet.

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    Unicredit zählt zu den am stärksten in Russland engagierten internationalen Banken. Auch deshalb waren die Zahlen am Mittwoch mit Spannung erwartet worden. Noch im ersten Quartal belastete das Russlandgeschäft das Ergebnis mit etwa 915 Millionen Euro. In den vergangenen drei Monaten steuerte es nun allerdings knapp 346 Millionen Euro zum Gewinn bei. Das liegt unter anderem an der Aufwertung des Rubels. Der Kurs der russischen Währung brach zum Beginn des Ukrainekriegs drastisch ein, erholte sich dann aber trotz Sanktionen deutlich.

    Das Engagement in Russland konnte die Bank zuletzt weiter reduzieren. War sie zu Kriegsbeginn noch mit 5,5 Milliarden Euro investiert, sind es aktuell noch 3,8 Milliarden Euro. Aktuell hält Orcel weiter am Geschäft vor Ort fest, die Bank prüft alle möglichen Optionen. Doch selbst den Komplettverlust des Russlandgeschäfts könne die Bank laut ihrem Chef gut abfedern. Ohne Russland läge die CET 1 derzeit immer noch bei 14,93 Prozent.

    Drei Zukunftsszenarien

    Orcel zeigte in seiner Präsentation drei Zukunftsszenarien auf: Szenario eins bleibt beim bisherigen Strategieplan, den der Unicredit-Chef im Dezember vergangenen Jahres vorgestellt hat. Die Bank soll unter anderem durch Kostensenkungen profitabler werden. Szenario zwei ist das sogenannte „Slowdown“-Szenario, in dem das Wirtschaftswachstum in Europa stärker gebremst wird als bislang prognostiziert. Und Szenario drei beschreibt die Rezession.

    Beim „Slowdown“-Szenario würde Unicredit alle versprochenen Ziele weiterhin erreichen, erklärte Orcel. „Und wir sind überzeugt, dass unsere Performance selbst in einer Rezession ziemlich übereinstimmend mit den Zielen wäre.“ Man sei gut vorbereitet, um den „makroökonomischen Gegenwind“ zu bewältigen, sagte er.

    Grafik

    Ein Versprechen an die Investoren war der geplante Aktienrückkauf. Orcel erklärte, dass der erste Teil des Rückkaufprogramms in Höhe von 1,6 Milliarden Euro aus den Erträgen des Jahres 2021 abgeschlossen sei. Die Zustimmung der Aktionäre für die verbleibende Summe in Höhe von einer Milliarde Euro soll im dritten Quartal eingeholt werden.

    Insgesamt schnitten im zweiten Quartal vor allem die Kernländer Italien und Deutschland stark ab. Die Erträge der deutschen Tochter HVB stiegen um elf Prozent auf 2,5 Milliarden Euro, der Gewinn vor Steuern gar um 61 Prozent auf nun rund eine Milliarde Euro. „Deutschland hat das beste Quartal in den vergangenen zehn Jahren eingefahren“, sagte Orcel.

    Bislang sieht die Bank durch die gesamtökonomische Lage mit Inflation und Abschwunggefahr in Europa keine „Spillover-Effekte“, wie Orcel es beschrieb, also negative Einflüsse auf das eigene Geschäft in Europa. Das Kreditvolumen bleibe stabil, gestützt von der Nachfrage der Unternehmen. „Bei den Privatkunden gehen die Kredite allerdings zurück“, sagte er.

    Staatsanleihen könnten zum Problem werden

    Zum Problem könnten indes die italienischen Staatsanleihen im Portfolio werden, deren Risikoaufschläge zuletzt stark anstiegen. Am Mittwoch kletterte der Spread, also der Zinsabstand zwischen deutschen und italienischen Anleihen, auf 249 – den höchsten Wert seit April 2020.

    407 Milliarden Euro der nationalen Staatsverschuldung tragen laut der italienischen Notenbank die heimischen Banken. Unicredit kommt dabei auf einen Anteil von rund 41 Milliarden Euro. Allerdings haben die italienischen Staatanleihen eine deutlich längere Laufzeit als noch zu Zeiten der Euro-Krise. Im Schnitt liegt die Laufzeit der Schuldtitel bei mehr als sieben Jahren. Pro Jahr muss daher nur ein Achtel der Verschuldung (derzeit bei rund 2,75 Billionen Euro) neu finanziert werden.

    Zur politischen Krise in seiner Heimat – am 25. September wird nach dem Rücktritt von Premier Mario Draghi ein neues Parlament gewählt – sagte Orcel: Der Zeitpunkt der Regierungskrise sei nicht der beste, da er mit „all den Unsicherheiten und Volatilitäten zusammenfällt“, mit denen das Land konfrontiert sei. Draghi lobte er für „Glaubwürdigkeit und Charisma“. Er habe Europa zweifellos geholfen, auch im Umgang mit Russland einheitlich aufzutreten. Orcel hofft, dass Italien auch künftig eine führende Rolle bei der „Ausrichtung der europäischen Politik“ spielen werde.

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