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10.08.2022

14:46

Reformen

Deutsche Bank kommt Kontroll-Reparatur teuer zu stehen

ichten, dass CEO Christian Sewing hunderte Millionen für die Kontrollmechanismen zurücklegt. Das wirkt sich nun auf seine Reformagenda aus.

Vertreter der Deutschen Bank und der FCA wollten sich zu der Angelegenheit nicht äußern. imago images/Hannelore Förster

Christian Sewing

Vertreter der Deutschen Bank und der FCA wollten sich zu der Angelegenheit nicht äußern.

Frankfurt Als Christian Sewing im letzten Jahr die Kostenziele der Deutsche Bank AG verwarf, schob er dies auf Wachstumsinvestitionen und Bankenabgaben. Der Vorstandschef erwähnte einen wichtigen Treiber nur am Rande: seine Langfrist-Offensive zur Schließung der hartnäckigen Lücken in den Kontrollmechanismen, die dem Kreditinstitut seit mehr als einem Jahrzehnt zu schaffen machen.

Sewing hat mehrere hundert Millionen Euro mehr für das Thema bereitgestellt, berichten Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind. Das ist eine deutliche Erhöhung des Budgets, das sich normalerweise auf etwa 1 Milliarde Euro pro Jahr beläuft, auch wenn sich die zusätzlichen Ausgaben über mehrere Jahre erstrecken, so die Personen.

Die notwendigen Investitionen in die Verbesserung der Kontrollmechanismen wirken als Bremsklotz für Sewings Bemühungen, die Rentabilität der Bank zu steigern. Umso ärgerlicher, dass es ihm gerade jetzt in die Parade fährt, kurz vor der Ziellinie seines dreijährigen Sanierungsplans für die Bank.

Die Deutsche Bank entschied 2021, dass das Reformprogramm einen neuen Anstoß benötigte, nachdem zwei ihrer wichtigsten Aufsichtsbehörden – die Bafin und die US-Notenbank – sie unabhängig voneinander wegen langsamer Fortschritte kritisiert hatten.

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    Hinzu kam eine interne Untersuchung, die die Bank eingeleitet hatte, nachdem sich Kunden vor allem in Spanien über massive Verluste mit komplexen Derivaten beschwert hatten, die die Devisenhändler der Deutschen Bank strukturiert hatten.

    Deutsche Bank kämpft seit Jahren mit Problemen bei Kontrollen

    Die Untersuchung, intern „Project Teal“ genannt, mündete in einem mehrere hundert Seiten langen Bericht, den die Deutsche Bank letzten Herbst der britischen Financial Conduct Authority vorlegte. Wegen des Brexits bemüht sich die Bank in London derzeit um eine neue Banklizenz.

    Vertreter der Deutschen Bank und der FCA wollten sich zu der Angelegenheit nicht äußern.

    Sewing ist nicht der erste Deutsche Bank-Chef, der mit diesen Problemen zu kämpfen hat. Seit 2008, als noch Josef Ackermann die Geschicke der Bank leitete, hat die Deutsche Bank fast 20 Milliarden Euro an Bußgeldern und Vergleichszahlungen berappen müssen, weil irgendwo in den Zwillingstürmen die Rechts- oder Risiko-Kontrollen versagt hatten.

    Seitdem hat die Bank sich aus riskanten Geschäftsbereichen und Regionen zurückgezogen und Tausende Mitarbeiter für die Compliance und den Kampf gegen Finanzkriminalität eingestellt – mit den entsprechenden Zusatzkosten.

    Sewing ist es zwar gelungen, mehrere alte Rechtsstreitigkeiten beizulegen, und dafür weniger zu zahlen als in der Vergangenheit. Außerdem hat die Bank heute ein deutlich höheres Kapitalpolster als noch vor wenigen Jahren, und wäre in der Lage auch große Bußgelder zu verdauen.

    Zugleich sind unter seiner Regentschaft aber auch neue Probleme aufgetaucht. Abgesehen von der „Project Teal“-Untersuchung zu den Derivaten ging es etwa um angebliches Greenwashing bei der Fondstochter DWS und die Verwendung von WhatsApp-Nachrichten durch die Mitarbeiter der Bank.

    Sewing hat zudem auch personelle Maßnahmen ergriffen. Er hat etwa dem damaligen Risikochef Stuart Lewis die Verantwortung für nichtfinanzielle Risiken entzogen und sie dem Chief Administrative Officer Stefan Simon zugeschlagen. Simon hat seitdem die Führungsriege umgestellt und einige neue Mitarbeiter eingestellt. Die Kosten sind dennoch in die Höhe geschnellt.

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