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04.04.2022

12:57

Schweizer Bank

Credit Suisse räumt in Greensill-Affäre Pflichtverletzungen ein

Von: Jakob Blume

Die Schweizer Großbank muss sich gegenüber Kunden für den Milliardenverlust im Greensill-Debakel rechtfertigen. Anleger müssen vermutlich noch Jahre auf ihr Geld warten.

Credit Suisse hatte im März 2021 die Liquidation von vier Lieferketten-Finanzierungsfonds eingeleitet, die in von Greensill gekauften und verbrieften Forderungen investierten. dpa

Credit Suisse

Credit Suisse hatte im März 2021 die Liquidation von vier Lieferketten-Finanzierungsfonds eingeleitet, die in von Greensill gekauften und verbrieften Forderungen investierten.

Zürich Erstmals seit der Abwicklung der mit Greensill betriebenen Lieferkettenfonds im März 2021 hat die Credit Suisse Details zu dem milliardenschweren Anlegerdebakel bekannt gegeben. In einer Antwort auf Fragen der Ethos-Stiftung und weiterer Kunden der Lieferkettenfonds, die das Geldhaus am Montag veröffentlicht hat, räumt das Geldhaus Versäumnisse und Pflichtverletzungen von Managern ein.

Demnach befanden sich die vier Fonds mit einem Gesamtvolumen von rund 10 Milliarden Dollar schon ein Jahr vor dem Zusammenbruch kurz vor der Schließung. In der Coronakrise hatten Investoren im großen Stil Kapital abgezogen. Die vom Fintech Greensill gekauften und verbrieften Forderungen, in die die Fonds investiert hatten, erwiesen sich jedoch als illiquide. Erst eine Notinvestition von Softbank über 1,5 Milliarden Dollar verhinderte den Zusammenbruch der Fonds in der Coronakrise.

Die Rettung durch Softbank war jedoch hochproblematisch: Denn der japanische Tech-Investor war sowohl an Greensill beteiligt als auch an Firmen, deren Forderungen Greensill aufgekauft und an die Fondskunden der Credit Suisse weitergereicht hatte. Als Bedingung für die Softbank-Rettung sicherten die Credit-Suisse-Fondsmanager zu, dass der Vermögensverwalter exklusiv verbriefte Forderungen von Greensill aufkauft. Das habe jedoch internen Firmenrichtlinien widersprochen, räumte die Bank ein.

Hinzu kam, dass sich viele von Softbank unterstützte Firmen darauf verließen, dass das Geld nie aufhört zu fließen: „Einige der Schuldner waren davon ausgegangen, dass sie die kurzfristige Finanzierung in einem Roll-over mit Greensill immer wieder erneuern konnten und hatten daher keine Vorsorge für eine Rückzahlung getroffen.“ Damit steht der Verdacht im Raum, die Credit-Suisse-Fonds könnten wie eine Art Schneeballsystem funktioniert haben.

Endgültig zum Zusammenbruch kam es, nachdem eine Versicherung, die den Ausfall der von Greensill aufgekauften Forderungen absicherte, die Verträge nicht verlängerte. Die Credit Suisse sei von Greensill-Gründer Lex Greensill zu spät über das Risiko eines solchen Schrittes informiert worden, heißt es in dem Schreiben weiter. Dem einstigen Starmanager wirft die Bank implizit vor, gelogen zu haben. Die Geschäftsleitung der Bank war „ außerordentlich erstaunt darüber, dass Lex Greensill sie nur wenige Tage vor dem Ablauf der Versicherung über diesen Umstand orientierte“, heißt es in dem Dokument weiter. Greensill habe dies mit einem behaupteten Fristversäumnis der Versicherungsgesellschaft begründet. „Diese Erklärung konnte von der Credit Suisse Group nicht verifiziert werden.“

Die Credit Suisse versucht seit dem Zusammenbruch der Fonds so viel wie möglich von dem Geld für die Anleger einzuziehen. Mitte März belief sich diese Summe auf 7,3 Milliarden Dollar. Dabei müssten auch Verkäufe von Aktiven durch die betreffenden Schuldner abgewartet werden. Credit Suisse habe die Zahlungsausfälle außerdem bei der Kreditversicherung angemeldet.

Ihre Anleger bereitet sie auf einen langen Prozess vor. „Es ist davon auszugehen, dass zur Durchsetzung von Forderungen gegenüber einzelnen Schuldnern und den Versicherungen Prozesse notwendig werden, die rund fünf Jahre dauern können“, hieß es in der Stellungnahme weiter.

Der Schweizer Großbank steht wegen des Greensill-Debakels Ende April eine turbulente Hauptversammlung bevor. Ethos und sieben Schweizer Pensionskassen fordern, dass der Fall Greensill einer Sonderprüfung unterzogen wird. Ein entsprechender Antrag wurde eingereicht. Credit Suisse empfiehlt den Eignern indes, den Antrag auf der Generalversammlung vom 29. April abzulehnen.

Ursprünglich hatte die Bank in Aussicht gestellt, selbst einen Untersuchungsbericht zu veröffentlichen. Doch diese Entscheidung hat die Bank kassiert. „In Anbetracht dieser Aktivitäten und zukünftiger Gerichtsverfahren werden der Untersuchungsbericht und seine Schlussfolgerungen nicht veröffentlicht“, erklärte die Bank auf Anfrage von Ethos.

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