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10.01.2022

17:08

Schweizer Coronaregeln

Quarantäneverstöße und Selbstanzeige: Wie dem Chefkontrolleur der Credit Suisse die Kontrolle entglitt

Von: Jakob Blume

PremiumAntónio Horta-Osório hat gegen Coronaregeln verstoßen und muss nun eine Ermahnung des Verwaltungsrats fürchten. Die Affäre weitet sich aus.

Mehr als nur ein Imageschaden? Reuters

António Horta-Osório

Mehr als nur ein Imageschaden?

Zürich Welche Folgen seine Dienstreise haben würde, konnte António Horta-Osório, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse, noch nicht ahnen, als er an einem Sonntag Ende November am Züricher Flughafen aus dem firmeneigenen Privatjet stieg.

Horta-Osório kam aus London, wo zu dieser Zeit erste Fälle der Omikron-Coronavariante auftraten. Die Schweiz hatte das Vereinigte Königreich daher kurz zuvor auf die „Liste der Länder mit einer besorgniserregenden Virusvariante“ gesetzt. Für Rückkehrer bedeutete das: zehntägige Quarantäne.

Die kurzfristig eingeführten Coronamaßnahmen der Schweizer Behörden passten nicht mit dem Reiseplan des Topmanagers zusammen. Horta-Osório wollte drei Tage später auf die iberische Halbinsel reisen. Doch anstatt die Pläne anzupassen, setzte er sich über die Quarantäne-Vorschriften in der Schweiz hinweg. Dabei half dem Credit-Suisse-Chefkontrolleur auch nicht, dass die Schweiz am 4. Dezember sämtliche Länder von der Risiko-Warnliste strich.

Und so blieb ihm nur eine Selbstanzeige gegenüber den Behörden, über die zuerst die Boulevardzeitung „Blick“ berichtete. Horta-Osório gab sich reumütig: „Ich habe unbeabsichtigt gegen die Schweizer Quarantänebestimmungen verstoßen, indem ich das Land am 1. Dezember vorzeitig verlassen habe“, ließ er sich in einer Mitteilung zitieren. „Ich bedaure diesen Fehler aufrichtig. Ich entschuldige mich und werde dafür sorgen, dass dies nicht wieder vorkommt.“

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    Damit hätte die Affäre beendet sein können. Stattdessen machte der Verwaltungsratspräsident die Probleme mit der Entschuldigung größer. Sie dürften in einer Ermahnung durch den Verwaltungsrat münden, wie der „Tagesanzeiger“ nun berichtet. Das Kontrollgremium, dem er selbst vorsitzt, zeigt Horta-Osório die gelbe Karte.

    Im Privatjet nach Wimbledon

    Denn zunächst enthüllte der „Blick“, dass die Bank den liberalen Politiker und renommierten Gesundheitsexperten Felix Gutzwiller als Berater engagierte. Er sollte für Horta-Osório in Bern eine Ausnahmegenehmigung besorgen, das Land zu verlassen. Doch die Behörden sperrten sich. Der Credit-Suisse-Präsident hob trotzdem ab. Seine Entschuldigung, unbeabsichtigt gegen die Quarantäneregeln verstoßen zu haben, erscheint seither unglaubwürdig.

    Eine interne Untersuchung ergab Medienberichten zufolge zudem, dass Horta-Osório ein zweites Mal gegen Corona-Einreisevorschriften verstoßen haben soll – diesmal in Großbritannien. Der Portugiese reiste Mitte Juli zum Endspiel des Tennis-Klassikers Wimbledon. Dabei hätte er sich nach der Ankunft in London ebenfalls in Quarantäne begeben müssen. Die Credit Suisse äußert sich seither gar nicht mehr zu der Affäre.

    Horta-Osório, im Mai 2021 als harter Sanierer zur skandalgeplagten Credit Suisse gekommen, ist die Kontrolle über sein Image entglitten. Ihm haftet nun der Ruf eines abgehobenen Bankers an, der sich über Vorschriften hinwegsetzt und den Privatjet der Firma nutzt, um seinem Hobby, Tennis, zu frönen. Allein dass all die Ergebnisse interner Untersuchungen durchgestochen wurden, gilt in Finanzkreisen als Indiz, dass die Autorität des Chefkontrolleurs gelitten hat.

    Die Affäre ist zudem unangenehm für den obersten externen Verwaltungsrat, Severin Schwan. Der ist im Hauptamt CEO von Roche. Als Chef eines Gesundheitskonzerns kann Schwan kein Verhalten dulden, dass eine Verbreitung des Virus wahrscheinlicher macht.

    Die Bank erklärte im Dezember: „Credit Suisse bedauert, dass es im Zusammenhang mit der Reisetätigkeit ihres Präsidenten zu einem Verstoß gegen die Quarantänebestimmungen gekommen ist. Die Einhaltung der geltenden Gesetze und Richtlinien hat für Credit Suisse und für den Präsidenten persönlich höchste Priorität.“ An diesen Worten wird sich Horta-Osório in Zukunft messen lassen müssen.

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