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22.09.2022

15:08

Schweizer Großbank

Credit Suisse erwägt Bericht zufolge Aufspaltung der Investmentbank

Von: Jakob Blume

Die Schweizer Großbank hofft offenbar darauf, rentable Einheiten verkaufen zu können. Dadurch könnte die Credit Suisse möglicherweise eine Kapitalerhöhung abwenden.

Weiterer Rechtsfall abgehakt. Reuters

Credit Suisse

Weiterer Rechtsfall abgehakt.

Zürich Die krisengeplagte Schweizer Großbank Credit Suisse hat einem Bericht der „Financial Times“ zufolge Pläne zur Aufteilung ihrer Investmentbank in drei Teile ausgearbeitet. Den Vorschlägen zufolge prüfe der Verwaltungsrat unter anderem, das Beratungsgeschäft auszugliedern, um es möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt abzuspalten. Auch könnte eine sogenannte „Bad Bank“ gegründet werden, mit deren Hilfe Hochrisikopositionen abgewickelt werden können. Zudem könnten profitable Bereiche wie etwa das Geschäft mit verbrieften Produkten veräußert werden, um eine nachteilige Kapitalerhöhung zu vermeiden, hieß es in dem Artikel der „FT“ unter Berufung auf mit den Plänen vertraute Personen.

Die Credit Suisse wollte den Bericht nicht kommentieren: „Wir haben bereits gesagt, dass wir detaillierte Informationen zu den Fortschritten unserer umfassenden Strategieüberprüfung zusammen mit den Drittquartalszahlen kommunizieren werden“, teilte die Bank mit. „Jegliche Berichterstattung über mögliche Ergebnisse davor ist rein spekulativer Natur.“

Die zweitgrößte Schweizer Bank hatte Ende Juli unter der neuen Führung von CEO Ulrich Körner angekündigt, die Kosten konzernweit mittelfristig auf unter 15,5 Milliarden Franken von rund 16,8 Milliarden Franken im laufenden Jahr zu drücken. Das Geldhaus reagiert damit auf eine Reihe von Fehlschlägen und die damit verbundenen roten Zahlen in den vergangenen drei Quartalen. Das Sparprogramm könnte nach Handelsblatt-Informationen zudem tausende Jobs kosten.

Ende Juli hatte die Bank zudem angekündigt, einen Teilverkauf des Geschäfts mit verbrieften Produkten zu prüfen. Ein Komplettverkauf dürfte zwar deutlich mehr Geld bringen, ginge jedoch zulasten künftiger Einnahmen. Zudem hat die Bank kürzlich die Beratung für Stiftungslösungen und Trusts abgestoßen, in dem die Bank komplexe Offshore-Konstruktionen für sehr vermögende Kunden aufgelegt hat.

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    Hochrisikogeschäfte stehen zur Disposition

    Ein Novum wäre die Lancierung einer Bad Bank, mit der die Bank schwer veräußerliche Positionen aus der Bilanz herauslösen und kontrolliert abwickeln könnte. Nötig könnte ein solcher Schritt sein, wenn sich die Problemfälle der Bank im Geschäft mit Übernahmefinanzierungen bestätigen. Einem Bericht der „Financial Times“ zufolge ist die Schweizer Großbank beispielsweise bei einer 17 Milliarden Dollar schweren Transaktion involviert, bei dem Finanzinvestoren das Softwareunternehmen Citrix mit dem Konkurrenten Tibco verschmelzen wollen.

    Der Deal ist zu einem großen Anteil durch Schulden finanziert. Einen Teil der Schulden haben dem Bericht zufolge die Banken auf die Bilanz genommen – um sie später in Form von anleiheähnlichen Zinspapieren an spezialisierte Investoren weiterzureichen. Doch offenbar ist die Nachfrage nach diesen Wertpapieren aktuell gering. Wie die „FT“ weiter berichtet, müssen die beteiligten Banken mit Verlusten auf den Wert dieser Zinspapiere rechnen.

    Die Credit Suisse galt jahrelang als führend bei Übernahmefinanzierungen und der Emission und dem Handel mit Hochzinsanleihen. Doch das Geschäft benötigt viel Eigenkapital. Und die Bank will das Kapital der eigenen Bilanz in Zukunft eher für Geschäfte in der Vermögensverwaltung aufwenden.

    Offen ist, ob die Credit Suisse tatsächlich das Beratungsgeschäft für Fusionen und Übernahmen ausgliedert, um es später zu veräußern. Dieses Segment des Investmentbankings gilt als risikoarm und bilanzschonend. Zwar ist das Geschäft aktuell am Boden, da im aktuellen Umfeld kaum Fusionen, Übernahmen oder Börsengänge stattfinden. Doch sobald es an den Märkten wieder bergauf geht, ist das Geschäft ein wichtiger Erlösbringer.

    Wichtiger noch: Es gilt als unerlässlich bei der umfassenden Betreuung von wohlhabenden Unternehmern in der Vermögensverwaltung. Verwaltungsratschef Axel Lehmann hat bislang nicht erkennen lassen, dass er von der Positionierung des Institutes als Unternehmerbank abrücken will.

    Unternehmer, die ihr Vermögen durch die Credit Suisse verwalten, benötigen jedoch mitunter Beratung bei Fusionen, Übernahmen oder Börsengängen. Gleichzeitig wollen auch viele reiche Kunden möglichst früh bei Börsengängen investieren. Das Beratungsgeschäft gilt daher als wichtige Ergänzung für die Vermögensverwaltung – selbst bei einer abgespeckten Investmentbank.

    Für Klarheit sorgen wollen Verwaltungsrat Lehmann und CEO Körner Ende Oktober bei der Präsentation der Quartalsbilanzen. Dann könnte das Führungsduo weitere schmerzhafte Einschnitte verkünden.

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