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13.09.2022

04:00

Sparkassen

Folge der Inflation: Einlagen bei den Sparkassen in Hessen-Thüringen sinken leicht

Von: Elisabeth Atzler

Im ersten Halbjahr haben die 49 Sparkassen mehr Kredite vergeben. Ein Teil der Kunden kann nichts mehr zurücklegen und nimmt Erspartes von den Konten.

Die Sparkassen in Hessen und Thüringen spüren die Folgen der Inflation: Viele Kunden können nicht mehr sparen. Auch die Kosten der Sparkassen selbst steigen. Vedder, Mario / Keystone

Sparkassen

Die Sparkassen in Hessen und Thüringen spüren die Folgen der Inflation: Viele Kunden können nicht mehr sparen. Auch die Kosten der Sparkassen selbst steigen.

Frankfurt Die geringere Sparfähigkeit vieler Menschen schlägt sich auch bei den 49 Sparkassen in Hessen und Thüringen nieder. Im ersten Halbjahr 2022 haben Kundinnen und Kunden unterm Strich rund 50 Millionen Euro an Einlagen abgezogen, wie der Sparkassenverband mitteilte. Der Einlagenbestand lag zuletzt bei gut 117 Milliarden Euro.

Das ist zwar nur ein leichter Rückgang, aber zugleich eine Trendwende. „Die hohen Zuwachsraten der letzten Jahre von jährlich vier bis zu acht Prozent scheinen wohl der Vergangenheit anzugehören“, sagte Stefan Reuß, der Präsident des Sparkassenverbands Hessen-Thüringen. Er führte zum einen Nachholeffekte beim Konsum nach dem Ende der Corona-Einschränkungen an.

Zum anderen habe die hohe Inflation Spuren im Sparverhalten hinterlassen. Güter des täglichen Bedarfs und Energie haben sich im Vergleich zum Vorjahr stark verteuert. „Das schränkt das Sparpotenzial vieler Menschen entsprechend ein und bremst die Einlagenzuflüsse bei den Sparkassen“, sagte Reuß.

Sparkassenpräsident Helmut Schleweis hatte vergangene Woche auf dem Banken-Gipfel des Handelsblatts vor dramatischen Folgen der erhöhten Lebenshaltungskosten gewarnt. „Die Krise und der Wohlstandsverlust kommen in der Mittelschicht an, die bislang nicht gewohnt war, Transferleistungen in Anspruch zu nehmen, und das zum Teil sogar abgelehnt hat“, sagte der Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands.

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    Schleweis fürchtet, dass künftig 60 Prozent der deutschen Haushalte mit ihren monatlichen Einkommen ihre Ausgaben nicht mehr bestreiten können – oder sogar ins Minus rutschen. Das bedeute, dass auch Menschen mit einem Haushaltsnettoeinkommen von 3600 Euro betroffen sind, rechnete der Verbandschef vor. Angesichts dieser Situation erwarten Beobachter auch mehr Privatinsolvenzen.

    Über alle gut 360 deutschen Sparkassen hinweg stiegen die Einlagen im ersten Halbjahr noch etwas. Die Guthaben der Kunden erhöhten sich um 600 Millionen Euro, im gleichen Zeitraum 2021 waren den Sparkassen allerdings noch 25 Milliarden Euro zugeflossen – ein Rückgang um 98 Prozent. Im ersten Halbjahr 2020 hatten die Mittelzuflüsse sogar noch bei fast 30 Milliarden Euro gelegen.

    Kurzfristige Ungewissheit

    Das Kreditgeschäft legte bei den Sparkassen insgesamt in den ersten sechs Monaten weiter zu – auch in Hessen und Thüringen. Der Kreditbestand stieg dort um drei Prozent und damit deutlicher als im Vorjahreszeitraum auf knapp 91 Milliarden Euro. Das Wachstum ging Reuß zufolge in erster Linie auf Firmenkunden zurück.

    Mit Blick auf die kommenden Monate verwies Reuß auf die große Ungewissheit bei der Entwicklung von Gaslieferungen und Lieferketten. Die Zinswende werde sich aber „über kurz oder lang auch in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung der Sparkassen positiv niederschlagen, auch wenn wir derzeit noch vor allem ihre negativen Seiten in Form von erhöhten Abschreibungen im Wertpapierbereich erleben“. Die steigenden Anleiherenditen und entsprechend fallenden Kurse führen zu Abschreibungen im Wertpapierbestand der Sparkassen.

    Allerdings sorgt starke Teuerung ebenso für höhere Kosten der Sparkassen. „Auch beim Verwaltungsaufwand kommen wir am Thema Inflation nicht vorbei“, sagte Reuß. Der Sachaufwand der Sparkassen werde steigen. „Perspektivisch gilt das auch für den Personalaufwand.“

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