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25.08.2022

15:38

Sparkassentochter

Dekabank profitiert von großer Nachfrage nach Wertpapieren

Von: Yasmin Osman

Die Deutschen investieren trotz der Wackelbörsen weiterhin in Wertpapiere. Davon profitiert auch die Deka. Die wachsende Unsicherheit hinterlässt aber erste Spuren.

Hohe Nachfrage nach Fonds und Zertifikaten. dpa

Dekabank

Hohe Nachfrage nach Fonds und Zertifikaten.

Frankfurt Die Kursrückschläge an den Finanzmärkten haben deutsche Anleger bislang noch nicht nachhaltig vom Wertpapierkauf abgeschreckt. Die Deka-Gruppe, der Fondsspezialist der Sparkassen, hat im ersten Halbjahr vor allem von der hohen Nachfrage nach Aktienfonds und Zertifikaten profitiert. Ihr Neugeschäft stieg im ersten Halbjahr auf 14,3 Milliarden Euro nach 13,6 Milliarden Euro im Vorjahr. Das geht aus dem Halbjahresbericht des Instituts hervor. Auf Privatanleger entfielen dabei 11,6 Milliarden Euro nach 11,1 Milliarden Euro im Vorjahr.

Besonders gefragt waren bei den Deka-Kunden Zertifikate. Das Absatzvolumen fiel mit 5,7 Milliarden Euro höher aus als im Vorjahr. Der Fondsdienstleister konnte außerdem mehr indexbasierte Fonds (ETFs) verkaufen. Dafür war das Interesse an Publikumsfonds mit 5,9 Milliarden Euro geringer als im Vorjahr, als es noch bei 7,8 Milliarden Euro lag.

„Die Zahlen sind erfreulich, denn Wertpapiere sind in der aktuellen Situation der beste Inflationsschutz für die Ersparnisse der Menschen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Dekabank, Georg Stocker. Die Deka gehört vollständig den deutschen Sparkassen.

Auch die Zahlen anderer Fondsanbieter, Banken und Sparkassen deuten darauf hin, dass das Interesse an Kapitalmarktprodukten trotz fallender Kurse, Inflation und des Ukrainekriegs bislang noch relativ hoch ist: Bei den ostdeutschen Sparkassen etwa lag der Nettoabsatz an Wertpapieren mit 2,1 Milliarden Euro 72,7 Prozent über dem Wert des Vorjahreszeitraums, wie der Ostdeutsche Sparkassenverband am Donnerstag mitteilte.

Trotz Kursrückschlägen: Interesse ebbt nicht ab

Auch die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken haben bislang nicht den Eindruck, „dass das Interesse abebbt“, trotz der Kursrückschläge. Der Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB), Gregor Scheller, erklärt sich das damit, dass Kunden mittlerweile „mehr Erfahrung mit Aktien- und Fondsanlagen gesammelt hätten“ und gelernt hätten, dass man auch bei Kursrückgängen manchmal durchhalten müsse.

Anfang August hatte bereits Union Investment, der Fondsdienstleister der Volks- und Raiffeisenbanken, berichtet, das Privatkundengeschäft habe sich „trotz der hohen Marktvolatilität weiterhin als tragende Säule“ bewiesen. Das Neugeschäft lag mit 8,1 Milliarden Euro allerdings unter dem Rekordwert des Vorjahres, als der Nettozufluss noch 9,7 Milliarden Euro betrug.

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Das andauernde Interesse ist nicht selbstverständlich. Immerhin hat die Wertentwicklung vieler Fonds unter den Kursrückschlägen an den Börsen gelitten. Bei der Deka-Gruppe etwa ist das verwaltete Anlagevermögen trotz der neuen Kundengelder seit Jahresende um 7,2 Prozent auf 366,8 Milliarden Euro gesunken. Bei Union Investment schrumpfte das verwaltete Vermögen in dieser Zeit von 454 Milliarden Euro auf 416 Milliarden Euro.

Unsicherheit überschattet zweites Halbjahr

Ob sich der positive Absatztrend in den nächsten Monaten fortschreiben lässt, ist allerdings unsicher. Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass der jüngste Anstieg der Energie- und Verbraucherpreise seine Spuren hinterlässt. „In den Sommermonaten haben die Anleger bislang vorsichtiger agiert. Sie bleiben investiert, haben aber abgewartet, welche Energiepreissteigerungen und Umlagen auf sie zukommen“, sagt Deka-Chef Stocker.

Das könnte ein Grund dafür sein, warum das Wachstumstempo bei den Fondssparplänen mittlerweile nachzulassen scheint. Zwar schloss die Dekabank unter dem Strich 280.000 neue Wertpapiersparpläne ab, sodass deren Zahl auf insgesamt 7,3 Millionen Verträge stieg. In den Pandemiejahren 2020 und 2021 hatte der Fondsspezialist allerdings 356.000 beziehungsweise 591.000 neue Wertpapiersparpläne abschließen können. Anders als bei einem einmaligen Aktien- oder Fondsanteilskauf legen sich Kunden bei Wertpapiersparplänen längerfristig auf monatliche Anlagebeiträge fest.

Auch die bayerischen Genossenschaftsbanken sind in ihrer Prognose vorsichtig: „Im Moment sieht man, dass die Kunden vor allem in den Sparplänen weiter konstant sparen. Wie es bei einer Rezession weitergeht, will ich mal offen lassen“, sagt GVB-Präsident Scheller.

Aufgrund dieser Unsicherheiten fällt der geschäftliche Ausblick der Dekabank auch eher vorsichtig aus. Ihre Prognose für das Gesamtjahresergebnis liegt nur „leicht“ über dem Halbjahresergebnis 2022. Das bedeutet, dass die Dekabank nicht mit vergleichbaren Gewinnsprüngen rechnet wie in den ersten sechs Monaten des Jahres. Denn von Januar bis Juni hat sich der Gewinn auf 970,9 Millionen Euro fast verdreifacht.

Dazu hat zum einen das bessere Provisionsergebnis beigetragen, das für die Dekabank sehr wichtig ist. Doch ein wichtiger Teil des Gewinns kam durch Bewertungseffekte zustande, die sich im weiteren Jahresverlauf auch umkehren könnten. Ohne diesen Bewertungseffekt hätte der Gewinn nach Berechnungen des Instituts nur bei 556 Millionen Euro gelegen. „Dieser Effekt wird sich im Laufe der Zeit voraussichtlich wieder abschwächen“, prognostiziert die Dekabank.

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