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28.09.2018

14:30

Das mit ultramoderner Technik vollgestopfte Hauptquartier hat mehrere Design-Preise gewonnen. mauritius images

Zentrale der Investmentbank Macquarie in Sydney

Das mit ultramoderner Technik vollgestopfte Hauptquartier hat mehrere Design-Preise gewonnen.

Steuerskandal

Wie sich die Investmentbank Macquarie mithilfe deutscher Steuerzahler bereicherte

Von: Sönke Iwersen, Volker Votsmeier

Auf der Suche nach verschobenen Steuermilliarden filzt die Staatsanwaltschaft Köln Dutzende Banken. Nun will sie eine Ikone auf die Beschuldigtenliste setzen.

Düsseldorf Die Welten von Nicholas Moore und Anne Brorhilker könnten kaum unterschiedlicher sein. Wenn der Chef der australischen Investmentbank Macquarie zur Arbeit kommt, betritt er ein architektonisches Meisterwerk. Die Zentrale in Sydney ist in zwei Abschnitte geteilt, über das riesige Atrium dazwischen führen mehrere Brücken.

Im Inneren warten ein Kaffeehaus, ein Baumhaus, Spielplätze und frei verwandelbare Räume, die zur „Feier des gemeinsamen Arbeitens“ dienen sollen, wie es die Bank formuliert. Das mit ultramoderner Technik vollgestopfte Hauptquartier hat mehrere Design-Preise gewonnen. Macquarie beschreibt es als halb Raumstation und halb griechisches Dorf.

Für den Arbeitsplatz von Anne Brorhilker gibt es keine solchen Lobpreisungen. Wenn die Staatsanwältin morgens ihren Dienst antritt, erwartet sie ein baufälliges Gebäude in Köln-Sülz, das seit Jahren auf seine Sanierung hofft. Der Aufzug rappelt nur mühsam nach oben, die Flure sind in traditionellem Behördengraubraun gehalten. Hier und da löst sich der Bodenbelag. Es ist diese Umgebung, in der Brorhilker das größte Steuerermittlungsverfahren vorantreibt, das es in Deutschland je gab.

Moore steht seit zehn Jahren an der Spitze von Macquarie. In Australien ist er eine Ikone, mit Bezügen von umgerechnet rund einer Million Euro im Monat der bestbezahlte Manager des ganzen Kontinents. Moore engagiert sich für das Opernhaus in Sydney und die renommierte UNSW Business School. Im Mai legte er Rekordzahlen für Macquarie vor – wieder einmal. Der Aktienkurs erreichte mit 111 australischen Dollar ein neues Allzeithoch.

Anne Brorhilker wird in ihrem ganzen Leben nicht so viel Geld verdienen wie Nicholas Moore in den vergangenen sechs Monaten. Doch in diesem Sommer nahm die Staatsanwältin in ihrem kleinen Büro in Köln, 16.500 Kilometer entfernt von Sydney, eine Amtshandlung vor. Sie setzte den Chef von Macquarie auf die Liste der Personen, die im Steuerverfahren beschuldigt werden sollen. Keine vier Wochen später kündigte Moore seinen Rücktritt an.

Die Staatsanwaltschaft äußert sich nicht zu den Ermittlungen. Nach Handelsblatt-Informationen läuft gegen die Bank selbst zusätzlich ein Ordnungswidrigkeiten-Verfahren. Macquarie bestätige auf Anfrage, dass es Ermittlungen gebe. Auch CEO Moore sei für die Behörde eine Person, die „unter Verdacht“ stehe. Man kooperiere in dieser Sache vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft. Moores Rücktritt habe nichts mit den deutschen Ermittlungen zu tun.

Dem Handelsblatt liegen zahlreiche Unterlagen aus der Bank vor. Rundschreiben, die Pläne für fragwürdige Steuerdeals im Detail beschreiben. Mailverkehr zwischen Macquarie-Mitarbeitern und dem Hauptbeschuldigten im größten Steuerverfahren Deutschlands. Aussagen von Mitarbeitern, die Moore belasten.

Die Geschäfte, hinter denen Brorhilker kriminelle Energie vermutet, heißen Cum-Ex. Es sind die lateinischen Worte für mit (cum) und ohne (ex). Sie beschreiben eine bestimmte Art, Aktien mit und ohne Dividendenanspruch zu handeln. Die Methode kam vor rund 20 Jahren auf und richtete einen Schaden an, der allein in Deutschland auf zwölf Milliarden Euro geschätzt wird.

Protagonisten der Cum-Ex-Geschäfte behaupten, sie nutzten lediglich „Marktopportunitäten“ aus. Die Beteiligten handelten die Aktien ohne jede Rücksicht auf die Unternehmen, zu denen sie gehörten. Ihr Ziel war es allein, rund um den Dividendenstichtag des betreffenden Unternehmens so viele Papiere wie möglich zu handeln.

Denn je höher das Volumen, desto höher die Dividenden – und die Kapitalertragsteuer von gut 26 Prozent, die darauf abgeführt werden muss. Diese Steuern ließen sich die Akteure mehrfach von den Finanzämtern erstatten, indem sie sogenannte Leerverkäufer einschalteten, so der Verdacht. Faktisch wurde eine Aktie verschiedenen vermeintlichen Eigentümern zugerechnet.

Dubiose Steuerstricks: Erste Anklage im Cum-Ex-Skandal erhoben – Hanno Berger im Fokus

Dubiose Steuerstricks

Erste Anklage im Cum-Ex-Skandal erhoben – Hanno Berger im Fokus

Im größten Steuerskandal der Nachkriegsgeschichte liegt die erste Anklage vor. Im Mittelpunkt: der Ex-Finanzbeamte Hanno Berger. Er weist die Vorwürfe zurück.

Als Meister dieser Methode gilt Hanno Berger. Der 1951 geborene, in Frankfurt aufgewachsene Pastorensohn war einmal Staatsdiener, als höchster Bankenprüfer der Oberfinanzdirektion Hessen der am meisten gefürchtete Mann der deutschen Bankenlandschaft. Regelmäßig holte er aus den Geldhäusern viel mehr Steuern heraus, als diese zahlen wollten. Dann wechselte er die Seiten.

Berger heuerte bei britischen und amerikanischen Steuerkanzleien an und wurde zum bewunderten Rainmaker. Er beriet Angehörige der Industriellenfamilie Quandt (BMW), die deutschen Internetunternehmer Marc und Oliver Samwer und Konzerne wie Adidas. „Steueroptimierer“ nannte sich Berger. Erst verortete er die optimale Steuerzahlung bei null.

Doch das reichte Berger nicht. Er ersann Mittel und Wege, vom Finanzamt mehr Geld zu bekommen, als man dort einzahlte.  Einige Zeit lang ging das gut – bis der Fiskus merkte, dass Jahr für Jahr Milliarden in der Kasse fehlten. Ende 2012 begannen gegen Berger Ermittlungen wegen des Verdachts auf schwere Steuerhinterziehung. Seitdem lebt er in der Schweiz.

Seine Geschäftsbeziehungen zur australischen Investmentbank Macquarie reichen zurück bis ins Jahr 2004. Ziel sei „die Strukturierung und Implementierung diverser Steuerstundungsmodelle“ gewesen, heißt es in einem Schreiben von Berger. Wichtiger Ansprechpartner für ihn wurde Axel von Rosen. Anfangs schrieb der Chef der Münchener Macquarie-Dependance Berger noch von moralischen Bedenken. Dann überwand er sie und wurde nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft selbst zum Treiber des Geschäfts.

Heute ist von Rosen genauso beschuldigt wie Berger. Von Rosen wollte sich auf Nachfrage nicht äußern. Berger weist die Vorwürfe weit von sich: „Das Verhalten von Macquarie war selbstverständlich legal.“

Anne Brorhilker: Unterschätzte Steuerjägerin – Kölner Staatsanwältin steht in Cum-Ex-Verfahren vor dem Durchbruch

Anne Brorhilker

Unterschätzte Steuerjägerin – Kölner Staatsanwältin steht in Cum-Ex-Verfahren vor dem Durchbruch

Die Kölner Staatsanwältin Anne Brorhilker hält die Fäden im größten Steuerverfahren der Republik zusammen. Nun steht steht sie vor dem Durchbruch.

Die Staatsanwälte zeichnen das Bild eines groß angelegten Betrugs. Danach verlieh Macquarie Milliardenbeträge an US-Finanzfirmen, die sich als Pensionsfonds ausgaben. Vorgesehen war das Geld für eine ganz bestimmte Verwendung. Die Fonds sollten deutsche Aktien kaufen, diese verleihen und später wieder abgeben. Bei diesem Muster würden letztlich zwei Banken Steuergutschriften für ein und dieselbe Aktie ausstellen.

Macquarie agierte in dem Treiben an vielen Stellen. Als Ideengeber, als Kapitalgeber, mal als Depotbank. Das erhöhte die abrechenbaren Gebühren. „Die Gesamtkosten dieser Gebühren betrugen vier Prozent der erhaltenen Brutto-Dividenden“, berichtete ein Zeuge. Macquarie sei aber sehr daran interessiert gewesen, diese Zahl nicht niederzuschreiben. „Sie wollten nicht, dass man sah, dass sie sich ein Stück von dem Kuchen abschnitten.“

Mit der Zeit wurden der Kuchen und die Stücke immer größer. Zur Dividendensaison kaufte Macquarie oft jeweils mehrere Millionen Aktien einzelner Dax-Unternehmen. „Zu diesem Zeitpunkt gab es intern die Genehmigung, auf beiden Seiten der Transaktionen zu stehen“, berichtet ein Insider. „Das heißt: Macquarie Bank Sydney hat die Aktien von Macquarie Bank London gekauft und umgekehrt.“

In die Geschäfte auf Kosten des deutschen Fiskus waren Dutzende von Mitarbeitern eingebunden. Sie waren groß und profitabel genug, um den obersten Chef in die Details einzuweihen. Am 20. September 2010 verfasste Peter Lucas, Chef der Macquarie Specialised Investment Solutions, ein Memorandum für Nicholas Moore.

Haargenau erfuhr der CEO, wie der Handel funktionierte und warum er so profitabel war. „Der Nutzen für die Investoren entsteht daraus, dass es letztlich eine doppelte Erstattung der Kapitalertragsteuern gibt“, schrieb Lucas. „Macquarie hat dabei in der Vergangenheit als Käufer der Aktien agiert, als Verkäufer und als Kreditgeber – manchmal spielten wir in einer Transaktion auch alle drei Rollen zugleich.“ Die prognostizierte Rendite laut internem Memo: Sagenhafte 304,7 Prozent auf das eingesetzte Nettokapital.

Banken im Visier

M.M. Warburg

Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt gegen Manager der Hamburger Privatbank. Bereits zwei Mal wurde das Institut durchsucht. Per Steuerbescheid verlangte das Finanzamt Ende 2017 56 Millionen Euro Steuern zurück. M.M. Warburg hat den Bescheid angefochten und weist die Vorwürfe zurück. Dennoch stellte die Bank jüngst 45 Millionen Euro zurück.

J. Safra Sarasin

Im Umfeld der Schweizer Bank läuft eine große Ermittlung. Sarasin hat Cum-Ex-Fonds des Luxemburger Fondshauses Sheridan vertrieben. Jetzt ermitteln die Staatsanwälte gegen zahlreiche beteiligte Personen, unter ihnen Hanno Berger. Eric Sarasin, ehemaliger Vizechef der Bank, erreichte gegen Zahlung von 200 000 Euro aber eine Einstellung des Verfahrens.

Commerzbank

Lange kämpfte die Großbank für die Steuervorteile aus den Cum-Ex-Geschäften. Erst als das Hessische Finanzgericht die Klage abwies, gab sich das Institut geschlagen. In dem Streit ging es um Deals der später übernommenen Dresdner Bank, doch die Commerzbank war auch selbst beteiligt. Die Spezialermittler in Frankfurt arbeiten den Fall auf.

Landesbanken

Bei der ehemaligen WestLB, der LBBW und der Helaba laufen jeweils Ermittlungen, die noch nicht abgeschlossen sind. Glück hatten offenbar die Verantwortlichen der HSH Nordbank: Die Bank zahlte zwar 127 Millionen Euro Steuern zurück, Ermittlungen in Sachen Cum-Ex gibt es aber dem Vernehmen nach nicht.

Der Chef war offenbar beeindruckt. Was Axel von Rosen und Hanno Berger dort in Deutschland trieben, entsprach dem Naturell der australischen Investmentbank. „Die Millionärs-Fabrik“, so wird Macquarie in der Heimat genannt. Zehntausende junger Menschen bewerben sich jedes Jahr bei der Bank, deren Ruf sich auf drei Wörter reduziert: „härter, schneller, reicher“.

Moore war der Härteste, der Schnellste und der Reichste. Sein Vater war Angestellter in einem Bürogeschäft, er schickte Nicholas auf eine christliche Schule, dann auf ein Jesuiten-College. Anschließend absolvierte Moore ein Jura-Studium und wurde Spezialist für Steuerrecht. 1986 bewarb er sich um einen Job bei Macquarie – und wurde genommen.

Sofort machte Moore sich einen Namen als brillanter Experte für komplizierte Finanzstrukturen. Sein Aufstieg schien unaufhaltsam, auch wenn er wegen seiner arroganten Art und vieler Kraftausdrücke in der Bank Kritiker hatte. Als sein legendärer Vorgänger Allan Moss 2008 abtrat, habe es keine Alternative gegeben, erklärte ein damaliger Bankmitarbeiter einer Lokalzeitung. „Moore war seit fünf Jahren der Mann, der die größten Profite brachte. So einen stößt man nicht vor den Kopf.“

Der Markt reagierte erschreckt auf den Mann, der seinem onkelhaften Vorgänger Moss so gar nicht ähnelte. An Moores erstem Tag als CEO fiel der Aktienkurs um neun Prozent. Es schien ihn nur mehr anzuspornen. „Der Mann ist unglaublich ehrgeizig“, erinnerte sich eine damalige Mitarbeiterin später. Als er noch Chef der Investmentsparte von Macquarie war, habe er in der Mittagspause seine Kollegen gern zum Joggen mitgenommen. „Das war aber kein lockeres Traben. Die sind so schnell gelaufen, wie sie konnten. Für Nic war alles ein Wettkampf.“

Das Ringen um Geld war das Wichtigste. Als Hanno Berger im Oktober 2010 neue Cum-Ex-Geschäfte für Macquarie plante und es an einigen Stellen hakte, beruhigte der deutsche Statthalter von Rosen: „Nicholas Moore, unser CEO, will die Transaktion. Deshalb wird sie auch stattfinden.“

Steuerbetrug: Banken schieben sich die Schuld im Cum-Ex-Skandal zu

Steuerbetrug

Banken schieben sich die Schuld im Cum-Ex-Skandal zu

Die Société Générale wehrt sich gegen ein Urteil, das sie zu 22,9 Millionen Euro Schadensersatz an die Helaba verpflichtet. Viele Depotbanken zittern.

Es war eine erstaunliche Entscheidung. Schon Monate zuvor waren die Risiken des Cum-Ex-Handels erheblich gewachsen. Macquarie ließ sich nicht nur von Berger beraten, sondern auch von Freshfields Bruckhaus Deringer. Die Kanzlei gehört zu den Topadressen in Europa – und war in der Szene bekannt für ihre Gutachten pro Cum-Ex.

Doch im Spätsommer 2010 erkannte Freshfields, dass die Selbstbedienung aus der Staatskasse bald ein Ende haben könnte. Im September des Jahres schrieb ein Partner nach Sydney und warnte: Die deutsche Finanzaufsicht sei dabei, den Handel zu beschränken und doppelte Steuererstattungen rückwirkend für ungültig zu erklären. Im weiteren Austausch überzeugten sich die Macquarie-Banker und Berger jedoch gegenseitig davon, dass man schon einen Weg finden würde. Wenn Moore es so wollte, musste es auch so gehen.

Sicherheitsschranken wurden einfach überrannt. „Big Problem. Game Over“, lautete eine kurze, aber deutliche Mail eines Berger-Partners an den Geschäftspartner. Das Bundesfinanzministerium hatte ein neues Rundschreiben aufgesetzt. Geschäfte von der Art, wie sie Macquarie für die anstehende Dividendensaison plante, schienen nun kaum durchführbar. Doch die Gier fand neue Wege.

In der Folgezeit planten Berger und Co. eine Umstrukturierung der Deals. Als Antragsteller für die Steuererstattungen sollten nun US-Pensionsfonds auftreten, die nicht von dem BMF-Schreiben betroffen sein sollten. Macquarie soll den Akteuren dann rund 3,3 Milliarden Euro geliehen haben, um neue Deals mithilfe von sechs US-Fonds abzuwickeln.

Die Staatsanwaltschaft taxiert den Steuerschaden, den die Banker und Berater mit dem Trick anrichten wollten, auf exakt 462.155.980,23 Euro. Dafür war ein Aktienhandel mit einem hohen zweistelligen Milliardenvolumen notwendig. Die Deals hatten nach den Erkenntnissen der Ermittler nur ein Ziel: so hohe Steuererstattungen wie nur irgend möglich zu generieren. Die „massiven Reputationsrisiken“, vor denen ein Macquarie-Berater noch Ende 2010 intern gewarnt hatte, schlug das Topmanagement – darunter auch Moore – in den Wind.

Das Geld an die US-Pensionsfonds wurde bis heute nicht ausgezahlt. Das liegt auch an einer Mitarbeiterin im Bundeszentralamt für Steuern, die noch recht neu auf einer Stelle war, wo Erstattungsanträge bearbeitet wurden. Sie wunderte sich über die hohen Beträge, die US-Fonds erstattet haben wollten. Hatten ihre Kollegen sie einfach abgestempelt, schickte die Finanzbeamtin stattdessen Nachfragen. Weil die Antworten sie nicht zufriedenstellten, blieb das Geld, das die US-Fonds forderten, bis heute in der Steuerkasse. Der Rest ist Geschichte.

Es kam zu Amtshaftungsklagen, Staatsanwaltschaften begannen Ermittlungen, ein Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestags wurde eingesetzt. Viele Verfahren sind inzwischen so weit gereift, dass erste Anklagen vorliegen . Doch die Arbeit ist gewaltig. Dem Handelsblatt liegt eine Liste von 130 Banken vor, die an dem Steuerbetrug beteiligt gewesen sein sollen.

Macquarie hat das Thema Steuerhinterziehung in Deutschland so klein wie möglich gehalten. 2016 wurde in Deutschland bekannt, dass die Investmentbank für ihre frühen Cum-Ex-Geschäfte rund 100 Millionen Euro Steuern, Zinsen und Bußgelder zahlen muss. In der australischen Presse kam das Thema nicht vor.

Der Macquarie-CEO und seine designierte Nachfolgerin.

Nicholas Moore und Shemara Wikramanayake

Der Macquarie-CEO und seine designierte Nachfolgerin.

Als Nicholas Moore im Juli seinen Rückzug ankündigte, schien seine Bilanz makellos. Der Börsenwert der Bank war unter seiner Führung um 19,7 Milliarden Euro gestiegen. Er selbst besitzt Macquarie-Aktien im Wert von fast 200 Millionen Euro. Seit seinem Antritt als CEO stieg der Kurs um 274 Prozent.

Warum ging Moore also? Er ist 59. Kein Alter, um in Rente zu gehen, schon gar nicht für einen so ehrgeizigen Mann wie ihn. Einen neuen Job konnte Moore auch nicht vorzeigen. Einmal müsse halt jeder gehen, sagte der CEO. Das sei eine herausfordernde Entscheidung gewesen, aber er habe sie eben getroffen

So kamen Deutschland und deutsche Steuerfahnder in den Berichten über Moores Abschied nicht vor. Das mag sich bald ändern. Denn die Kölner Staatsanwältin Anne Brorhilker will nicht nur Moore zur Verantwortung ziehen. Sie interessiert sich auch für die Frau, mit der Moore seit mehr als 30 Jahren zusammenarbeitete: Shemara Wikramanayake. Sie war jahrelang für die Fonds-Sparte verantwortlich, die das Cum-Ex-Geschäft betrieb. Wikramanayake soll in wenigen Wochen Moores Nachfolge antreten.

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