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23.06.2022

11:43

Sumup

Dieses Fintech ist jetzt auf Augenhöhe mit Deutschlands wertvollstem Finanz-Start-up

Von: Elisabeth Atzler, Dennis Schwarz

Die Bewertung des Zahlungsdienstleisters liegt nun bei acht Milliarden Euro. Sumup macht sich bereit für weitere Übernahmen.

Das deutsch-britische Fintech richtet sich vor allem an kleine Händler und Restaurants. Es profitiert davon, dass immer mehr Menschen mit Karte bezahlen statt mit Bargeld. Bloomberg

Kartenlesegerät von Sumup

Das deutsch-britische Fintech richtet sich vor allem an kleine Händler und Restaurants. Es profitiert davon, dass immer mehr Menschen mit Karte bezahlen statt mit Bargeld.

Frankfurt Der deutsch-britische Zahlungsdienstleister Sumup sammelt frische Mittel ein und schraubt damit seine Bewertung auf das Niveau von N26, dem wertvollsten Finanz-Start-up (Fintech) in Deutschland. Sumup erhält 590 Millionen Euro an Krediten und Eigenkapital von mehreren Investoren, wie das Unternehmen am Donnerstagmorgen bekannt gab. Damit wird Sumup nach eigenen Angaben mit acht Milliarden Euro bewertet.

Die Berliner Smartphone-Bank N26 erreichte im Zuge der letzten Finanzierungsrunde im vergangenen Oktober eine Bewertung von gut neun Milliarden Dollar. Derzeit entspricht das rund 8,5 Milliarden Euro, vor acht Monaten waren es 7,8 Milliarden Euro – womit Sumup N26 sogar übertrifft. Sumup nennt nun erstmals eine Bewertung. Experten hatten sie zu Jahresbeginn auf rund drei Milliarden Dollar taxiert.

Sumup, gegründet von mehreren Deutschen, vertreibt mobile Lesegeräte für das Bezahlen per Bank- und Kreditkarte. Das Fintech mit Hauptsitz in London richtet sich vor allem an kleine Händler, Restaurants und Cafés. Es bietet außerdem die Abwicklung von Onlinezahlungen an sowie weitere Bankdienstleistungen wie ein Geschäftskonto.

Wie andere Zahlungsdienstleister profitiert Sumup davon, dass weltweit immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher mit Karte oder Smartphone statt mit Bargeld zahlen. Auch das Einkaufen per Internet wächst rasant. Gleichwohl ist der Markt schwer umkämpft. Zu den Konkurrenten in Sumups Kerngeschäft zählt unter anderem iZettle, eine Tochter des US-Bezahldienstes Paypal. Auch etablierte Zahlungsfirmen setzen verstärkt auf mobile Kartenlesegeräte.

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    Insgesamt zählt Sumup rund vier Millionen Kunden in 35 Ländern. Je Kartenzahlung wird für sie eine Transaktionsgebühr fällig. Die Firma hat rund 3000 Beschäftigte, ein Viertel davon sitzt in Berlin – mehr als in London arbeiten.

    Die aktuelle Sumup-Finanzierungsrunde ist bemerkenswert, weil Geldgeber sich derzeit angesichts von Inflation, Zinserhöhungen und schwächeren Wirtschaftsaussichten zurückhalten. Bereits in den ersten drei Monaten des Jahres 2022 sind die Start-up-Investitionen im Vergleich zum Vorquartal deutlich gesunken.

    So steckten Investoren im ersten Quartal dieses Jahres insgesamt 426,9 Millionen Euro in Fintechs in Deutschland, wie Comdirect und Barkow Consulting ermittelt haben. Ein Rückgang von 19,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Auch die Anzahl der Finanzierungsrunden verringerte sich im ersten Quartal im Vorjahresvergleich um mehr als die Hälfte auf 21. „Noch vor einem Jahr konnten sich Fintechs ihre Investoren aussuchen“, sagte Volker Brühl, Professor für Banking und Finance und Geschäftsführer am Center for Financial Studies an der Goethe Universität in Frankfurt, kürzlich dem Handelsblatt. Nun seien die Bedingungen deutlich härter.

    Erste Sumup-Eigenkapitalrunde seit sechs Jahren

    Wie sehr das Umfeld auf die Bewertung von Start-ups drücken könnte, zeigt das Beispiel Klarna. Wie die US-Finanzzeitung „Wall Street Journal“ vergangene Woche berichtete, würde das schwedische Payment-Fintech, bisher das wertvollste europäische Start-up, im Rahmen einer möglichen neuen Kapitalrunde inzwischen mit zwei Drittel weniger bewertet. Vor einem Jahr taxierte Klarna seinen Wert auf fast 46 Milliarden Dollar. Nun könnten es dem Zeitungsbericht zufolge noch etwa 15 Milliarden Dollar sein. Das Unternehmen äußert sich nicht dazu.

    Sumup nimmt zum ersten Mal seit sechs Jahren Eigenkapital auf, wie Co-Gründer und Finanzchef Marc-Alexander Christ dem Handelsblatt sagte. Die 590 Millionen Euro verteilten sich je zur Hälfte auf Eigen- und Fremdkapital. Die aktuelle Kapitalrunde wurde vom US-Finanzinvestor Bain Capital angeführt, investiert haben unter anderem auch der Vermögensverwalter Blackrock sowie Centerbridge und Crestline.

    Das Fintech hatte zuvor im März 2021 einen Kredit in Höhe von 750 Millionen Euro erhalten. „Trotz des schwierigen Marktumfelds haben wir jetzt allerdings bessere Konditionen erzielen können“, sagte Christ. Er wertet es als „starkes Zeichen“, dass auch in dieser Situation Investoren bereit zu einer Finanzierung sind. Zudem würden sich künftig spannende Möglichkeiten für Zukäufe ergeben. „Darauf sind wir nun mit einer gut gefüllten Kasse vorbereitet.“ Im Herbst 2021 hatte Sumup die Übernahme des US-Marketingspezialisten Fivestars bekannt gegeben.

    Der gebürtige Frankfurter Christ hat Sumup im Jahr 2012 mit an den Start gebracht. Zu Geschäftszahlen will er sich auch zehn Jahre nach der Firmengründung nicht äußern. „2021 haben wir noch viel Geld in Marketing investiert. Aktuell sind wir jedoch schon sehr nah an der Profitabilität.“ Insgesamt beträgt die Sumup-Finanzierung 1,5 Milliarden Euro.

    Viele kleine Händler wurden in der Coronakrise stark von den Lockdowns getroffen. Auch Sumup selbst spürte die Folgen der Pandemie und drosselte zwischenzeitlich die Wachstumsziele.

    Das Fintech gilt seit Längerem als Kandidat für einen Börsengang. Sumup erklärte nun dazu, die Firma bereite sich zwar weiterhin operativ auf einen Börsengang vor und stelle sicher, dass die internen Prozesse und die Unternehmensführung denen eines börsennotierten Unternehmens entsprächen, „aber wir denken nicht an einen Börsengang in naher Zukunft“. Auch jetzt habe Sumup Zugang zu einem bedeutenden Pool an privatem Kapital, sowohl Fremd- als auch Eigenkapital. Ende 2020 hatte Christ gesagt, ein Börsengang sei „noch mindestens drei bis fünf Jahre entfernt“.

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