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28.02.2022

16:15

Ukraine-Krieg

Russlandrisiko lastet schwer auf westlichen Banken

Von: Michael Maisch

Die scharfen Finanzsanktionen von EU und USA treffen auch europäische Banken. Ein Institut aus Österreich steht im Zentrum der Turbulenzen.

Risiko Russland Reuters

Hauptquartier der Raiffeisen International

Risiko Russland

Frankfurt Sehr viel dramatischer hätte der Wochenstart für die österreichische Raiffeisen Bank International (RBI) nicht ausfallen können. An der Wiener Börse verloren die Aktien des Instituts bis zum frühen Nachmittag 14 Prozent. Der Grund für den Einbruch: Die RBI gilt als das westeuropäische Geldhaus mit dem größten Russlandrisiko.

Gabriel Felbermayr, einer der prominentesten Ökonomen Österreichs, forderte in einem Radiointerview sogar ein Schutzschild für das Institut, das rund die Hälfte seiner Gewinne in Russland, Belarus und der Ukraine erwirtschaftet. „Da haben wir echt ein Thema. Jetzt wird man einen Schutzschirm spannen müssen, damit das nicht zu echten Problemen bei der RBI führt.“

Auch für andere westeuropäische Banken mit starker Präsenz in Russland ging es an der Börse am Montag steil abwärts. Der Kurs der italienischen Unicredit fiel um elf Prozent, die französische Großbank Société Générale verlor zehn Prozent an Wert.

Obwohl die deutschen Großbanken mehrfach betont haben, dass sich ihr Russland-Exposure in engen Grenzen hält, sackte der Kurs der Deutschen Bank um sieben Prozent ab, genauso hohe Verluste verzeichnete die Commerzbank.

Verantwortlich für den Kursrutsch am Montag waren vor allem die verschärften Finanzsanktionen der EU und der USA gegen Russland vom Wochenende. Die westlichen Verbündeten hatten einen Ausschluss ausgewählter russischer Banken aus dem globalen Zahlungssystem Swift und das Einfrieren des Auslandsvermögens der russischen Zentralbank beschlossen. Eine deutliche Eskalation zum ursprünglichen Sanktionspaket.

RBI: Schaden noch nicht absehbar

Die weitgehende internationale Isolierung bedeute, dass die betroffenen russischen Finanzinstitute ihre Verbindlichkeiten gegenüber europäischen Gläubigern nicht mehr begleichen könnten, schrieb Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank.

Für die EU-Banken insgesamt seien die Folgen der Sanktionen zu verkraften, urteilt Gitzel. Der Ökonom beziffert die Verbindlichkeiten aus Russland gegenüber der Branche auf insgesamt 75 Milliarden Dollar oder 0,7 Prozent aller Forderungen der Geldhäuser.

Johann Strobl, Vorstandschef der RBI, versuchte, die Investoren zu beruhigen: „Unsere russische Tochterbank verfügt über eine sehr starke Liquiditätsausstattung und verzeichnet Zuflüsse. Die Kapitalposition ist ebenfalls stark. Unsere russischen Kundinnen und Kunden haben Vertrauen in unsere Bank. Gleichzeitig gelingt es unseren Kolleginnen und Kollegen in der Ukraine weiterhin, die wichtigsten Bankdienstleistungen aufrechtzuerhalten.

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Allerdings räumte die Bank auch ein, dass sie noch nicht in der Lage ist, den Schaden durch die westlichen Sanktionen gegen Russland abzuschätzen: „Sie sind hart und in ihren Auswirkungen auf die Finanzmärkte und die Realwirtschaft weitreichend. Die Auswirkungen auf die RBI Gruppe werden analysiert“, heißt es in einem Statement.

Nach Einschätzung der Analysten der DZ Bank trägt die RBI das größte Russlandrisiko aller europäischen Banken. Das gesamte Engagement der Österreicher in dem Land summiert sich auf 22,85 Milliarden Euro. Das Kreditvolumen beläuft sich auf über elf Milliarden Euro. Für die RBI ist Russland der mit Abstand wichtigste Einzelmarkt, der zuletzt einen Nettogewinn von 474 Millionen Euro abgeliefert hat. Das entspricht rund 30 Prozent des unkonsolidierten Nettogewinns der Gruppe.

Aufseher analysieren die Risiken

Die westeuropäische Bank mit der größten Präsenz in Russland ist die französische Société Générale, deren Tochter Rosbank zu den Top Ten der russischen Banken gehört. Allerdings sind die Franzosen deutlich weniger von Gewinnen aus Osteuropa abhängig als die RBI. 2021 erzielte die Bank in Russland ein Ergebnis von 152 Millionen Euro. Insgesamt lag der Nettogewinn bei 5,6 Milliarden Euro.

Angesichts dieser Zahlen sehen die DZ-Analysten „keine Existenzbedrohung“ durch die Ukrainekrise. Das Gesamtengagement des Geldhauses in Russland beziffern sie auf 18,5 Milliarden Euro.

Unicredit ist die dritte europäische Bank mit starkem Russlandengagement – im vergangenen Jahr trug das Land mit rund 180 Millionen Euro zum Gewinn bei. Das entsprach rund elf Prozent des gesamten Ergebnisses.

Die deutschen Banken liegen, was das Russlandengagement angeht, nach Berechnungen der DZ Bank hinter Frankreich, Italien, Österreich, den USA und Japan auf Rang sechs. Die Deutsche Bank signalisierte zuletzt, dass ihr Engagement in der Ukraine und Russland „überschaubar und nicht sehr groß“ sei. Ähnlich beurteilt die Commerzbank die Lage.

Bereits vor Beginn des Krieges hatte die Europäische Zentralbank (EZB) die großen Institute in der Euro-Zone aufgefordert, genaue Zahlen zu ihren Aktivitäten in Russland zu liefern und darzulegen, welche Auswirkungen der Ausfall größerer Kredite für sie hätte. Man stehe in ständigem und engem Kontakt zu den beaufsichtigten Instituten, heißt es aktuell von der EZB.

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