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22.12.2021

13:22

Urteil

Nach Datenleck: Scalable Capital soll Schadensersatz zahlen

Von: Susanne Schier

Im Oktober 2020 waren mehr als 33.000 Personen von einem Datendiebstahl bei dem digitalen Vermögensverwalter betroffen. Nun ist ein erstes Urteil gefallen.

Das Fintech will das Urteil vollumfänglich gerichtlich überprüfen lassen. picture alliance / SZ Photo

Büroräume von Scalable Capital

Das Fintech will das Urteil vollumfänglich gerichtlich überprüfen lassen.

Frankfurt Das Datenleck aus dem Jahr 2020 hat für den digitalen Vermögensverwalter Scalable Capital ein juristisches Nachspiel. Das Landgericht München I sprach einem Verbraucher am 9. Dezember erstmals Ersatz für einen immateriellen Schaden in Höhe von 2500 Euro zu (Az.: 31 O 16606/20).

Das Gericht habe einen Datenschutzverstoß von Scalable Capital als erwiesen angesehen, heißt es in einer Pressemitteilung der Europäischen Gesellschaft für Datenschutz (EuGD). Der Rechtsdienstleister hatte den Kläger in dem Verfahren unterstützt.

Durch das Datenleck im Oktober des vergangenen Jahres waren Nutzerdatensätze mit Adress- und Ausweisdaten sowie Steuer- und Depotinformationen von mehr als 33.000 Personen – darunter der Kläger – entwendet und Dritten zugänglich gemacht worden. Aufgrund eines Datenhacks bei einem ehemaligen Dienstleister von Scalable Capital war eine Sicherheitslücke beim Zugang in die Cloud-Umgebung des Fintechs entstanden.

Diese Sicherheitslücke sah das Gericht der EuGD-Mitteilung zufolge als vermeidbar und damit als einen Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) an. Daher sprach es dem Kläger wegen des Diebstahls seiner persönlichen Identitäts- und Finanzdaten immateriellen Schadensersatz zu. Darüber hinaus müsse Scalable dem Kläger sämtliche zukünftige materielle Schäden aus dem Datendiebstahl ersetzen.

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    Urteil ist nicht rechtskräftig

    „Das Urteil sendet ein klares Signal an Konsumenten: Sie wissen nun, dass sie die Rechte, die ihnen die DSGVO gibt, auch durchsetzen können“, sagt EuGD-Gründer Thomas Bindl. Dem Unternehmen werde mit dem Urteil hoffentlich klar, dass sie künftig mehr tun müssen, um die Daten ihrer Nutzer zu schützen. Urteile, die Kunden einen immateriellen Schadensersatzanspruch zusprechen, sind bislang nur wenige bekannt.

    Brisant ist das jetzige Urteil vor allem deshalb, weil nun andere Betroffene ermutigt werden könnten, ebenfalls zu klagen. Allerdings ist das Urteil noch nicht rechtskräftig. Der Vermögensverwalter will in Berufung gehen.

    Scalable Capital nehme die Entscheidung des Landgerichts zur Kenntnis, sagte eine Unternehmenssprecherin dem Handelsblatt: „Inhaltlich hält Scalable die landgerichtliche Entscheidung des betreffenden Einzelfalls aus mehreren Gründen für unzutreffend und wird diese Entscheidung daher vollumfänglich gerichtlich überprüfen lassen.“ Zu weiteren Einzelheiten wollte sie sich im laufenden Verfahren nicht äußern.

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