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27.06.2022

15:56

Urteil

Schweizer Gericht spricht Credit Suisse in Geldwäsche-Fall schuldig

Von: Jakob Blume

Die Schweizer Großbank habe nicht genug gegen einen Geldwäschefall einer mutmaßlichen Kokainhändlerbande unternommen. Auch eine Kundenberaterin wurde verurteilt.

Der Prozess gilt als Testfall für ein härteres Vorgehen der Justiz gegen die Banken des Landes. Reuters

Credit Suisse

Der Prozess gilt als Testfall für ein härteres Vorgehen der Justiz gegen die Banken des Landes.

Bellinzona, Zürich Die Credit Suisse hat den ersten Schweizer Strafprozess gegen eine Großbank verloren. Das Schweizer Bundesstrafgericht sprach das Institut am Montag in einem Geldwäschefall schuldig. Aufgrund interner organisatorischer Mängel verurteilte das Gericht Credit Suisse zu einer Buße von zwei Millionen Franken.

Die Bank kündigte umgehend an, in Berufung gehen zu wollen. Die Untersuchung reiche 14 Jahre zurück. Credit Suisse habe die Vorkehrungen zur Verhinderung von Geldwäsche inzwischen verstärkt.

Die Richter mussten darüber entscheiden, ob die Bank und eine ehemalige Mitarbeiterin genug unternommen hatten, um Geldwäsche einer mutmaßlichem bulgarischen Kokainhändlerbande in den Jahren 2004 bis 2008 zu verhindern. Die frühere Kundenberaterin wurde zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten sowie zu einer Geldstrafe verurteilt. Beides sei bedingt vollziehbar.

Sowohl die ehemalige Angestellte als auch die Bank hatten ein Fehlverhalten abgestritten. Der Prozess, in dem unter anderem Zeugenaussagen über Morde gemacht wurden, gilt als Testfall für ein härteres Vorgehen der Justiz gegen die Banken des Landes.

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    Der Fall hatte sowohl in der Schweiz als auch international für Aufsehen gesorgt: Im Zentrum steht Evelin Banev, ein ehemaliger bulgarischer Ringer, der im Anschluss an seine Karriere zum Unternehmer und Drogenschmuggler aufstieg. In Italien und Bulgarien wurde er wegen Drogenschmuggels zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Er war Kunde der Credit Suisse. Die Bank soll ihm dabei geholfen haben, 146 Millionen Franken Drogengeld zu waschen.

    Mutmaßlicher Geldbote wurde erschossen

    Die Credit-Suisse-Kundenberaterin, eine ehemalige professionelle Tennisspielerin, soll von einem Vertrauten von Banev kofferweise Bargeld angenommen haben, das in Schließfächern der Bank deponiert worden war. Den mutmaßlichen Geldboten konnten die Ermittler nicht mehr befragen, er wurde 2005 erschossen. Doch das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Bank die kriminellen Gelder annahm und damit gegen geltende Geldwäschegesetze verstieß.

    Allerdings müssen sich auch die Ermittler Versäumnisse nachsagen lassen. Die beschuldigte Bankerin kam 2009 mehrere Monate in Untersuchungshaft. Die Frau, gerade Mutter geworden, wurde inhaftiert und isoliert, der Vater des Kindes tagelang über den Verbleib der Frau im Unklaren gelassen. Dennoch verstrichen von der Untersuchungshaft der Beschuldigten bis zur Erhebung der Anklage mehr als zwölf Jahre.

    Weil sich das Verfahren so lange hinzog, reduzierte das Gericht in Bellinzona die Strafe. Zudem waren andere Straftatbestände bereits verjährt. Außerdem ordnete das Gericht die Einziehung eines mittleren dreistelligen Millionenbetrags an.

    Für die Credit Suisse ist der Rufschaden schmerzhafter als der finanzielle Schaden – daher will sich die Bank in nächster Instanz gegen das Urteil wehren.

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