Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

18.07.2022

17:13

US-Großbank

Gewinne von Goldman Sachs und Bank of America brechen ein

Von: Astrid Dörner

Das Handelsgeschäft ist im zweiten Quartal überraschend stark gewesen. Die Schwächen im Investmentbanking konnte es jedoch nicht kompensieren.

Höhere Erträge, aber noch höhere Kosten. Reuters

Bank of America

Höhere Erträge, aber noch höhere Kosten.

Denver Im vergangenen Jahr musste Goldman-Sachs-Chef David Solomon immer wieder zum Thema Banker-Burn-out Stellung nehmen. Der Boom bei Börsengängen und Fusionen und Übernahmen führte gerade bei jungen Mitarbeitern zu Überlastung, über die sie sich öffentlich beschwert haben.

Nun jedoch zeigt sich ein anderes Extrem: Die Erträge aus dem Investmentbanking sind um 41 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen, wie das Institut am Montag mitteilte. Das Geschäft mit Aktienemissionen brach sogar um 89 Prozent ein. Ähnlich sieht die Lage bei der Bank of America aus, die am Montag ebenfalls ihre Quartalsergebnisse vorlegte.

Es ist ein Mix aus schlechten Nachrichten, der die Stimmung an der Wall Street verhagelt. Der Krieg in der Ukraine, die rapide steigende Inflation, gepaart mit Rezessionssorgen in den USA und Europa, sowie die anhaltenden Engpässe bei den Lieferketten haben Kunden verschreckt. Fusionen und Übernahmen werden, wenn möglich, verschoben. Der Markt für Börsengänge ist praktisch zum Erliegen gekommen.

Branchenführer JP Morgan Chase und die Citigroup hatten in der vergangenen Woche bereits ihre Ergebnisse vorgelegt und die gleichen Trends beobachtet. „Wenn sich die Marktbedingungen nicht verbessern, dann wir das Investmentbanking das gesamte Jahr über schwach sein“, gab Gerard Cassidy, Analyst von RBC Capital Markets, mit Blick auf alle großen Wall-Street-Häuser zu bedenken. „Das wird dann später im Jahr auch zu Kostenkürzungen führen.“

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Trader bei Goldman Sachs waren dagegen die großen Stars. So stiegen die Handelsumsätze um 32 Prozent im zweiten Quartal. Die Sparte Verbraucher und Vermögensverwaltung, in der das Privatkundengeschäft rund um die Onlinebank Marcus gebündelt ist, verbuchte Rekorderträge von 2,2 Milliarden Dollar – ein Plus von 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dazu trug auch der Finanzdienstleister Green Sky bei, der sich auf Kredite für größere Heimwerkerprojekte und ärztliche Eingriffe spezialisiert hat.

    Goldman will weniger Mitarbeiter einstellen

    Goldman hatte das Unternehmen im vergangenen Jahr für 2,2 Milliarden Dollar übernommen. Das Geschäft ist jedoch nicht profitabel und werde sich auf einen Verlust von über 1,2 Milliarden Dollar in diesem Jahr einstellen, wie der Finanzdienstleister Bloomberg berichtete.

    Der Nettogewinn bei Goldman brach um 47 Prozent auf 2,9 Prozent ein. Die Dividende soll im dritten Quartal dennoch um 25 Prozent auf 2,50 Dollar pro Aktie steigen. „Ich erwarte mehr Volatilität und Unsicherheit“, so CEO Solomon. Daher will er auch weniger Mitarbeiter einstellen.

    Die Bank of America profitierte dank ihres großen Privatkundengeschäfts deutlich von den höheren Leitzinsen. Die US-Notenbank Federal Reserve hat in diesem Jahr bereits drei Mal die Zinsen angehoben, sie befinden sich nun in der Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent. Ökonomen rechnen damit, dass die Fed bei ihrer nächsten Sitzung kommende Woche erneut den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte anheben könnte, so wie bereits im Juni.

    Das Nettozinseinkommen, eine wichtige Ertragsquelle für Amerikas zweitgrößte Bank, stieg um 22 Prozent auf 12,4 Milliarden Dollar. Das Nettozinseinkommen ist die Differenz zwischen den Zinsen, die Banken für Guthaben zahlen, und den Zinsen auf Kredite.

    Handelsblatt Live

    US-Börsenexperte Koch: „Ergebnisse im Finanzsektor sind viel besser als erwartet“

    Handelsblatt Live: US-Börsenexperte Koch: „Ergebnisse im Finanzsektor sind viel besser als erwartet“

    Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

    Es könnte im Verlauf des Jahres mit den Leitzinsen weiter steigen, gab Finanzchef Alastair Borthwick zu bedenken. Die Verbraucher seien nach wie vor „in sehr guter Verfassung“, betonte er. Die Kreditqualität habe sich im vergangenen Jahr verbessert.

    Beide Institute müssten sich Berichten zufolge auf Strafzahlungen im Zusammenhang mit Textnachrichten über private Geräte einstellen. Die US-Börsenaufsicht SEC hat vor Monaten eine groß angelegte Untersuchung gestartet, weil Mitarbeiter großer Banken außerhalb der offiziellen Kanäle mit Kunden und Kollegen kommuniziert haben sollen. JP Morgan hatte bereits eine Strafe in Höhe von 200 Millionen Dollar gezahlt. Branchenkennern zufolge müssen sich andere Institute auf eine ähnliche Größenordnung einstellen. Das gelte auch für ausländische Banken wie die Deutsche Bank.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×