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16.06.2022

09:19

Vermögensverwalter

Blackrock will Investoren für Finanzierung der Energiewende gewinnen

Von: Peter Köhler

Eine neue Fondslösung soll Milliarden in die neue Infrastruktur lenken. Mehr als die Hälfte der Investments geht nach Europa.

Der Vermögensverwalter will einen neuen Fonds für die Energiewende auflegen. Reuters

Blackrock

Der Vermögensverwalter will einen neuen Fonds für die Energiewende auflegen.

Frankfurt Blackrock bietet seinen professionellen Kunden einen neuen Zugang zur Finanzierung der Energiewende an. Der weltgrößte Vermögensverwalter will im Rahmen einer „Perpetual Infrastructure Strategy“ mit institutionellen Investoren eine Partnerschaft aufbauen, um schneller das Ziel der klimaneutralen Wirtschaft zu erreichen. „Wir stehen vor einem neuen Meilenstein zur Bewältigung der Energiewende. Wir werden mit einer neuen Investmentlösung dabei helfen, die notwendigen Mittel für den Umbau der Energiewirtschaft einzusammeln. Unsere Kunden können so beispielsweise von Investments in erneuerbare Energien profitieren“, sagt Blackrock-Deutschlandchef Dirk Schmitz im Gespräch mit dem Handelsblatt.

„Bei der ‚Perpetual Infrastructure Strategy‘ werden wir anfangs mit internationalen Gründungspartnern zusammenarbeiten. Auch hier werden Europa und Deutschland ein Schwerpunkt sein. Zu den Geldgebern werden beispielsweise Versicherungen, Pensionskassen, Versorgungswerke, Staatsfonds und Family-Offices zählen“, ergänzt der Finanzmanager.

Der neue Langfristfonds hat keine Begrenzung der Größe oder der Laufzeit und unterscheidet sich damit von anderen Fonds, die üblicherweise einen Deckel und eine Laufzeit von zehn Jahren haben. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass anfangs eine Milliarde Dollar eingesammelt werden könnte und der Betrag dann relativ schnell weiter auf eine mittlere einstellige Milliardensumme anwachsen dürfte.

Die Verzinsung bei Infrastrukturfonds liegt in der Branche üblicherweise bei vier bis fünf Prozent bei laufender Ausschüttung. „Mehr als 50 Prozent der Mittel sollen in Europa investiert werden“, sagt Schmitz. Der Ukrainekrieg habe das Thema Energiesicherheit in den Vordergrund gerückt. Die Mammutaufgabe der Energietransformation sei zu groß für den Staat allein, neben öffentlichen Geldern müssten auch private Kapitalgeber gewonnen werden. Generell – und nicht bezogen auf das Blackrock-Projekt – gilt als Faustregel für eine staatlich-private Mischfinanzierung, dass auf zwei Euro an öffentlichen Mitteln acht Euro von privater Seite kommen.

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    Blackrock-Konzernchef Larry Fink hat das Klimathema schon oft in seinen Briefen an die Vorstände thematisiert, Deutschland-Statthalter Schmitz hält seit Jahren den Kontakt zu verschiedenen Regierungsstellen in Berlin. Zu den Projekten können laut Blackrock etwa erneuerbare Energien, digitale Netzlösungen, Datenzentren oder Batteriespeicherlösungen zählen ebenso wie Wasserstoff-Technologien. Expertenschätzungen gehen davon aus, dass bis 2050 zur Erreichung der Klimaneutralität global rund 125 Billionen Dollar investiert werden müssten.

    Kritik von Umweltorganisationen

    Der Asset-Manager hat laut Anne Valentine Andrews, Global Head of Blackrock Real Assets, bisher 55 Milliarden Dollar über verschiedene Infrastrukturangebote mobilisiert. Außerdem arbeitet Blackrock mit den Regierungen aus Frankreich, Deutschland und Japan sowie mit institutionellen Investoren zusammen, um über die „Climate Finance Partnership“ in die Klimainfrastruktur der Schwellenländer zu investieren. Unter den direkten Investments des Finanzkonzerns findet sich auch die deutsche Ionity.

    Dort pumpte der US-Konzern zusammen mit den bisherigen Anteilseignern 700 Millionen Euro in das Münchener Unternehmen, das ein sogenanntes High-Power-Charging-Netzwerk betreibt, das Fahrern aller E-Auto-Marken zugänglich ist. Blackrock steht mit fast zehn Billionen Dollar an der Spitze der Vermögensverwalter und wächst auch mit ESG-Produkten, die soziale, ökologische und Kriterien der guten Unternehmensführung beachten. Es gibt aber auch Kritik, etwa von Urgewald. Die Organisation wirft Blackrock vor, einer der größten Finanzierer der Kohleindustrie zu sein.

    Neben Fonds für institutionelle Investoren gibt es auch börsennotierte Gesellschaften für Kleinanleger, die in Krisenzeiten stetige Cashflows aus dem Thema Infrastruktur generieren. „Auch wenn die globalen Märkte unvorhersehbar bleiben, dürften globale Infrastruktur-Aktien langfristig von strukturellen Themen profitieren“, schreibt Trent Koch, Portfoliomanager für globale Infrastruktur-Aktien bei First Sentier Investors.

    Infrastrukturanlagen zeigten durchweg die Fähigkeit, die Auswirkungen höherer Kosten und Inflation an Endverbraucher weiterzugeben. Dies könne auf verschiedene Art erreicht werden – zum Beispiel dadurch, dass Versorgungsunternehmen regulierte reale Renditen erwirtschaften könnten oder durch Verträge, die Maut- und Tarifgebühren ausdrücklich an die Inflationsrate koppelten. Günstig wirkten zudem robuste Branchenstrukturen mit regionalen Oligopolen, die eine Weitergabe der Inflation ermöglichen.

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