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06.07.2022

12:57

Vorstandsumbau

Commerzbank beruft neue Personalchefin – und sucht jetzt einen Risikovorstand

Von: Andreas Kröner

Die Österreicherin Sabine Mlnarsky wird Nachfolgerin von Personalvorständin Sabine Schmittroth. Risikochef Marcus Chromik verlässt indes das Institut bald.

Die 47 Jahre alte Juristin wird neue Personalvorständin der Commerzbank. dpa

Sabine Mlnarsky

Die 47 Jahre alte Juristin wird neue Personalvorständin der Commerzbank.

Frankfurt Das Stühlerücken im Commerzbank-Vorstand geht weiter: Der Aufsichtsrat der zweitgrößten deutschen Privatbank berief am Mittwoch Sabine Mlnarsky zur neuen Personalvorständin. Die 47-jährige Österreicherin tritt Anfang nächsten Jahres die Nachfolge von Sabine Schmittroth an, die das Institut nach 38 Jahren verlässt. Risikovorstand Marcus Chromik wird Ende 2023 ebenfalls abtreten.

Mlnarsky ist derzeit Personalchefin bei der Erste Group, dem Spitzeninstitut der österreichischen Sparkassen. Die Juristin wird neben Privatkundenchef Thomas Schaufler das zweite österreichische Vorstandsmitglied bei der Commerzbank sein. Schaufler kam im Dezember 2021 ebenfalls von der Erste Group und hat in Frankfurt bisher einen guten Eindruck hinterlassen.

„Wir freuen uns, mit Frau Mlnarsky eine ebenso erfahrene wie dynamische Führungskraft für uns gewonnen zu haben, die nicht nur unsere Branche bestens kennt, sondern sich auch in Umbruchphasen bewährt hat“, sagte Aufsichtsratschef Helmut Gottschalk. „Sie wird der Personalarbeit in der Commerzbank frische Impulse geben.“

Mlnarsky hat ihre Karriere 2001 in der Personalabteilung der Erste Group begonnen. Ende 2013 wechselte sie für knapp drei Jahre zur Lufthansa-Tochter Austrian Airlines und kümmerte sich dort um die Umstrukturierung. 2016 kehrte sie zur Erste Group zurück und leitet dort seitdem die Personalabteilung.

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    Bei der Commerzbank erwartet Mlnarsky eine anspruchsvolle Aufgabe. Das Institut befindet sich mitten im Umbau und will bis 2024 insgesamt 10.000 Stellen abbauen. Knapp 7000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben das Institut bereits verlassen oder entsprechende Vereinbarungen unterschrieben.

    Zudem kämpft die Commerzbank wie alle Geldhäuser damit, dass es für sie immer schwieriger wird, neues Personal zu finden. „Der Arbeitsmarkt ist leergefegt – es gibt einen großen Wettkampf um Talente, gerade auch um Wertpapierberater“, sagte Deutsche-Bank-Manager Philipp Gossow am Dienstag auf der Handelsblatt-Tagung „Zukunft Retailbanking“.

    Die Commerzbank hat im Rahmen ihres Umbaus 2021 deutlich weniger neue Stellen ausgeschrieben als in den Jahren zuvor, wie aus einer Analyse der Personalmarktforschung Index Research hervorgeht. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres ist die Zahl der ausgeschriebenen Stellen jedoch wieder leicht gestiegen auf 524.

    Für US-Präsidenten und Risikochefs reichen zwei Amtszeiten

    Mlnarskys Vorgängerin Schmittroth hatte nach einer Hängepartie um die Verlängerung ihres Vertrages sowie Indiskretionen innerhalb des Geldhauses im Februar ihren Abgang zum Jahresende angekündigt. Ein Jahr später wird mit Risikochef Chromik nun der nächste Spitzenmanager das Institut verlassen.

    Der gebürtige Kieler hat intern schon länger deutlich gemacht, dass zwei Amtszeiten für amerikanische Präsidenten und Risikovorstände aus seiner Sicht genug sind. Danach brauche es jemand, der einen frischen Blick auf die Themen habe. Zudem ist der promovierte Kernphysiker kürzlich 50 Jahre alt geworden – und will in seiner Karriere noch mal etwas Neues machen. Wohin es ihn zieht, ist Finanzkreisen zufolge noch offen.

    Verlässt die Commerzbank 2023. picture alliance/dpa

    Marcus Chromik

    Verlässt die Commerzbank 2023.

    Am Mittwoch teilte Chromik dem Aufsichtsrat offiziell mit, dass er seinen Ende 2023 auslaufenden Vertrag nicht verlängern möchte. Das Gremium hat deshalb Finanzkreisen zufolge eine Personalberatung mit der Suche nach einem Nachfolger beauftragt.

    „Wir respektieren die seit Langem gereifte Entscheidung von Herrn Chromik, nach dann 14 Jahren in der Bank und acht Jahren im Vorstand ein neues Kapitel in seinem Berufsleben aufzuschlagen“, sagte Aufsichtsratschef Gottschalk. „Mit der frühzeitigen Information des Aufsichtsrats werden zugleich Klarheit und Planungssicherheit für einen geordneten Übergang in dieser wichtigen Funktion geschaffen.“

    Commerzbank hat Vorstand fast komplett ausgetauscht

    Gottschalk und auch andere Aufsichtsratsmitglieder hatten sich in den vergangenen Monaten bemüht, Chromik zum Weitermachen zu überreden, schließlich genießt der Risikochef innerhalb und außerhalb der Bank hohes Ansehen. „Ich schätze ihn sehr und würde mich freuen, wenn er der Bank über 2023 hinaus verbunden bleibt“, sagte Gottschalk dem Handelsblatt Anfang Mai. Chromik ließ sich jedoch nicht umstimmen.

    Mit seinem Abgang hat die Commerzbank ihren Vorstand innerhalb kurzer Zeit fast komplett ausgetauscht. 2020 warfen zunächst Privatkundenvorstand Michael Mandel, Firmenkundenchef Roland Boekhout und der Vorstandsvorsitzende Martin Zielke hin. Im Herbst 2021 musste dann IT-Vorstand Jörg Hessenmüller gehen. Aus Zielkes alter Führungsmannschaft ist damit nur noch Finanzvorständin Bettina Orlopp an Bord.

    Investoren finden den personellen Neuanfang an der Bankspitze grundsätzlich richtig, schließlich hat das Institut unter Zielkes Führung regelmäßig seine Ziele verfehlt und als einzige deutsche Großbank lange an seinem umfangreichen Filialnetz festgehalten. Dass die Fluktuation auch nach Zielkes Abgang weitergeht, sehen viele dagegen kritisch.

    Gottschalk ist mit der Zusammensetzung des Vorstands rund um CEO Manfred Knof mittlerweile zufrieden. „Die Bank stabilisiert sich um ihren starken Vorstandsvorsitzenden herum“, sagte der Aufsichtsratschef kürzlich. Bei der nächsten wichtigsten Personalentscheidung geht es nun um Gottschalk selbst. Im Herbst dürfte sich entscheiden, ob er über das Ende seiner Amtsperiode 2023 hinaus Chefkontrolleur bleibt.

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