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21.11.2021

15:39

Wechsel im Vorstand

Olivier Vigneron wird neuer Risikovorstand der Deutschen Bank

Von: Michael Maisch, Yasmin Osman

Der Franzose kommt vom Konkurrenten Natixis und gilt als Spezialist für besonders kritische Lagen. Bei der Deutschen Bank wird er Stuart Lewis ersetzen.

Der Bankmanager wechselt im März 2022 als Chief Risk Officer von Natixis zur Deutschen Bank. Natixis

Olivier Vigneron

Der Bankmanager wechselt im März 2022 als Chief Risk Officer von Natixis zur Deutschen Bank.

Frankfurt An einem Wochenende hat die Deutsche Bank gleich zwei ihrer wichtigsten Personalprobleme gelöst. Nach der Nominierung des Niederländers Alexander Wynaendts zum Nachfolger von Aufsichtsratschef Paul Achleitner wurde das Geldhaus auch bei der Suche nach einem neuen Risikochef fündig.

Olivier Vigneron soll seinen neuen Job beim größten deutschen Geldhaus Anfang März antreten. Der Franzose kommt vom französischen Konkurrenten Natixis, wo er ebenfalls für die Risikokontrolle zuständig war.

Für Vigneron ist es eine Art Rückkehr. Vor der Finanzkrise von 2002 bis 2005 arbeitete er bereits einmal für die Deutsche Bank, damals als Händler von strukturierten Kreditprodukten. 2008 stieg Vigneron beim Wall-Street-Riesen JP Morgan ein, noch immer als Händler, 2012 wechselte er ins Risikomanagement der US-Bank, drei Jahre später wurde er zum Risikochef für Europa ernannt. Seit 2020 arbeitet der Franzose für Natixis.

Vigneron gilt als ausgewiesener Krisenspezialist: Bei JP Morgan war er an zentraler Stelle mit den Aufräumarbeiten rund um einen Händlerskandal befasst, der das US-Haus sechs Milliarden Dollar kostete. Wegen der Größe der Positionen erhielt einer der verantwortlichen Händler seinerzeit an den Finanzmärkten den Spitznamen „Londoner Wal“.

Die US-Wertpapieraufsicht SEC verhängte damals eine Strafe von 920 Millionen Dollar gegen die US-Bank – wegen mangelnder Kontrollen. Gegen führende Manager wurden allerdings keine Vorwürfe erhoben. Nach Einschätzung der SEC wurden die Spitzenmanager von JP Morgan von den verantwortlichen Händlern „belogen“.

Natixis heuerte Vigneron an, nachdem das hauseigene Risikomanagement massiv in die Kritik geraten war. Auslöser war ein Ableger der Fondstochter Natixis Investment Managers mit dem Namen H2O. Der Fonds hatte mehr als eine Milliarde Euro in illiquide Anlagen gesteckt, die in Zusammenhang mit dem umstrittenen deutschen Investor Lars Windhorst standen.

Vigneron ist sich bewusst, dass seine Aufgabe nach nur anderthalb Jahren noch nicht erledigt ist. Aber offenbar war der Anreiz, zur deutlich größeren Deutschen Bank zu wechseln, stärker, als den Umbau des Risikomanagements bei dem französischen Geldhaus zu Ende zu bringen.

Mehrere Baustellen warten auf den Neuen

Bei der Deutschen Bank erwartet Vigneron zwar kein Feuerwehreinsatz, doch um einige offene Baustellen muss er sich kümmern. Immer wieder kritisieren vor allem die US-Behörden Schwächen bei den Kontrollsystemen. In diesem Jahr fing sich das Geldhaus erneut eine Rüge der US-Notenbank Fed ein, weil die Bank bei den vereinbarten Verbesserungen in Sachen Risikomanagement und Compliance hinterherhinke.

In seinem neuen Job wird er es nicht nur mit den üblichen Markt- und Kreditrisiken zu tun bekommen, sondern auch mit Risiken, die immer stärker in den Blickpunkt der Aufseher rücken: den Klimarisiken in den Bilanzen der Geldhäuser. Vigneron sieht darin ein systemisches Problem für die gesamte Branche und eine seiner wichtigsten Herausforderungen.

Der Franzose übernimmt seinen Posten von Stuart Lewis, der nach zehn Jahren im Vorstand der Deutschen Bank seinen Rückzug bereits angekündigt hatte. Vorstandschef Sewing hat den Schotten dieses Jahr mehrmals explizit für seine Steuerung der Risiken während der Coronakrise gelobt.

Bislang ist die Bank ohne größere Probleme durch die Pandemie gekommen und konnte einen großen Teil der zusätzlichen Rückstellungen, die sie für faule Kredite gebildet hat, wieder auflösen. „Wir sind sehr froh, dass wir mit Olivier Vigneron einen sehr starken Nachfolger gefunden haben“, betonte Aufsichtsratschef Paul Achleitner.

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