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29.06.2022

17:24

Wirtschaftsauskunftei

Bieterstreit um die Schufa: Sparkassen und Volksbanken halten nun die Mehrheit

Von: Elisabeth Atzler, Arno Schütze

Die genossenschaftliche Finanzgruppe stockt ihre Anteile auf – und erreicht dadurch ein wichtiges Ziel. Der Streit über den Kurs des Datenanbieters dürfte aber weitergehen.

Die Genossenschaftsbanken halten gemeinsam mit den Sparkassen nun die Mehrheit an dem Datendienstleister aus Wiesbaden. dpa

Schufa

Die Genossenschaftsbanken halten gemeinsam mit den Sparkassen nun die Mehrheit an dem Datendienstleister aus Wiesbaden.

Frankfurt Das Tauziehen um die Mehrheit beim Datenanbieter Schufa ist entschieden: Nach Handelsblatt-Informationen haben Banken aus der genossenschaftlichen Finanzgruppe ihr Vorkaufsrecht ausgeübt und entsprechende Kaufverträge unterzeichnet. Einem Insider zufolge erwerben die Teambank und mehrere Volksbanken zusammen weitere 6,7 Prozent an der Schufa. Sie kaufen Anteile von der französischen Bank Société Générale.

Die Genossenschaftsbanken erreichen mit dieser Übernahme einen Schufa-Anteil von insgesamt 27 Prozent. Zusammen mit der Sparkassen-Finanzgruppe, die bereits gut 26 Prozent hält, besitzen sie damit die Mehrheit an der Wiesbadener Wirtschaftsauskunftei – was das Ziel der beiden Finanzverbünde ist.

Die Teambank, ein Ratenkreditspezialist, gehört zum genossenschaftlichen Spitzeninstitut DZ Bank und ist bereits an der Schufa beteiligt. Weder die DZ Bank noch die Société Générale wollten sich am Mittwochnachmittag dazu äußern.

Der Bieterwettstreit um die Schufa, die Daten zur Kreditwürdigkeit von Verbrauchern sammelt, hat sich mehrere Monate hingezogen. Im Oktober wurde bekannt, dass der schwedische Finanzinvestor EQT zehn Prozent der Anteile von Société Générale kaufen will. Der Wert der Schufa wurde damals auf zwei Milliarden Euro taxiert.

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    Kurz darauf signalisierten Sparkassen und Genossenschaftsbanken, dass sie sich die Mehrheit an der Schufa sichern wollen. Die Finanzverbünde wollen so verhindern, dass EQT die Kontrolle bei der Schufa übernimmt. Durchsetzen können sie das durch ihr Vorkaufsrecht für den Fall, dass einer der Schufa-Aktionäre verkaufen will.

    Schufa von „hoher strategischer Bedeutung“ für Volksbanken

    Der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken erklärte am Mittwoch, er bemesse der Beteiligung von Mitgliedern der genossenschaftlichen Finanzgruppe an der Schufa „eine hohe strategische Bedeutung bei“. „Wir möchten dadurch die gute Zusammenarbeit mit der Schufa langfristig absichern.“

    Auch von Sparkassen wird erwartet, dass sie bald weitere Schufa-Anteile kaufen werden. „An unserer ursprünglichen Interessenlage bezüglich der Schufa hat sich nichts geändert“, teilte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband auf Anfrage mit. An der Schufa sind neben Sparkassen und Genossenschaftsbanken, private Banken, darunter Auslandsbanken, und Handelsunternehmen beteiligt.

    Für das Kreditgeschäft der Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind die Daten zur Kreditwürdigkeit der Kunden von großer Bedeutung. Die Schufa-Daten sind fest in die Banksysteme integriert. Die Sparkassen führen rund 35 Millionen und die Genossenschaftsbanken etwa 26 Millionen private Girokonten.

    Während EQT anpeilt, die Schufa international auszurichten und zu einer europäischen Plattform zu machen, wollen die Sparkassen und Genossenschaftsbanken an der bisherigen Ausrichtung festhalten. Aus Sicht der Geldhäuser wäre es beispielsweise problematisch, wenn die Schufa die Kundendaten weiteren Unternehmen, etwa Zahlungsdienstleistern, zur Verfügung stellt.

    Die Auseinandersetzungen um den Schufa-Kurs könnten aber weitergehen. EQT hat bereits deutlich gemacht, dass sich der Investor auch als „bedeutender Minderheitsaktionär“ engagieren würde.

    EQT hat Finanzkreisen zufolge Interesse an den Schufa-Anteilen von Commerzbank und Deutscher Bank signalisiert. Die Banken halten zusammen rund 18 Prozent. Beide gelten als mögliche Verkäufer. EQT, die Commerzbank und die Deutsche Bank wollten sich nicht äußern. Die Teambank war am Mittwochnachmittag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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