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30.06.2022

17:11

Wirtschaftsauskunftei

„Deutliches Zeichen“: Genossenschaftsbanken stocken Anteil an Schufa kräftig auf

Von: Elisabeth Atzler, Andreas Kröner, Arno Schütze

Die genossenschaftliche Finanzgruppe hält nun gemeinsam mit den Sparkassen die Mehrheit an der Schufa. Der Finanzinvestor EQT will dennoch nicht klein beigeben.

Die Genossenschaftsbanken halten gemeinsam mit den Sparkassen nun die Mehrheit an dem Datendienstleister aus Wiesbaden. dpa

Schufa

Die Genossenschaftsbanken halten gemeinsam mit den Sparkassen nun die Mehrheit an dem Datendienstleister aus Wiesbaden.

Frankfurt Die deutschen Genossenschaftsbanken schaffen im Ringen um die Zukunft der Wirtschaftsauskunftei Schufa Tatsachen. Die genossenschaftliche Finanzgruppe habe ihren Anteil an der Schufa von 20,5 auf 27,2 Prozent ausgebaut, teilte der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) mit und bestätigte damit eine Exklusivmeldung des Handelsblatts vom Mittwochabend.

Zusammen mit der Sparkassen-Finanzgruppe, die gut 26 Prozent an der Schufa hält, kommen die Genossen nun auf eine Mehrheit, was das erklärte Ziel beider Finanzverbünde war. Sie verhindern damit, dass der schwedische Finanzinvestor EQT die Kontrolle beim Wiesbadener Unternehmen übernimmt, das Daten zur Kreditwürdigkeit von Verbrauchern sammelt.

„Für die genossenschaftliche Finanzgruppe ist die Beteiligung an der Schufa von großer strategischer Bedeutung“, erklärte BVR-Vorstandsmitglied Daniel Quinten. „Mit der Aufstockung der Anteile setzen wir ein deutliches Zeichen für den Wirtschaftsstandort Deutschland – mit einer Auskunftei, die bei Banken, Handel und Verbrauchern hierzulande eine hohe Akzeptanz und Vertrauen genießt.“

EQT hatte im Herbst 2021 mit der französischen Großbank Société Générale vereinbart, deren Beteiligung von zehn Prozent an der Schufa zu übernehmen, und wollte darüber hinaus auch weitere Anteile aufkaufen. Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben als Bestandsaktionäre jedoch Vorkaufsrechte für die Beteiligung von Société Générale – und haben diese nun zumindest teilweise genutzt.

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    EQTs Pläne sehen vor, die Schufa international auszurichten und zu einer europäischen Plattform zu machen. Die Finanzverbünde wollen dagegen an dem „von der Schufa eingeschlagenen Weg“ festhalten, wie Quinten bekräftigte. Aus Sicht von Sparkassen und Genossenschaftsbanken wäre es beispielsweise problematisch, wenn die Schufa die Kundendaten weiteren Unternehmen, etwa Zahlungsdienstleistern, zur Verfügung stellt.

    Linken-Co-Chefin fordert mehr Transparenz

    Für das Kreditgeschäft der Banken sind die Daten zur Kreditwürdigkeit der Kunden von großer Bedeutung. Die Schufa-Daten sind fest in ihre Systeme integriert. Die Sparkassen führen rund 35 Millionen private Girokonten, die Genossenschaftsbanken etwa 26 Millionen.

    Die Linken-Co-Chefin Janine Wissler findet es sinnvoll, dass sich Genossenschaftsbanken und Sparkassen eine Mehrheit an der Schufa gesichert haben. Die Geschäftspolitik beider Bankengruppen sei von hohem volkswirtschaftlichem Nutzen, sagte Wissler dem Handelsblatt. „Bei einem Mehrheitsengagement eines Finanzinvestors hätten wir eher die Sorge, dass der Schutz der sensiblen Kundendaten hinter einer Ausweitung der Geschäftstätigkeit und einer stärkeren Ertragsorientierung zurückbleiben könnte.“

    Auch an Sparkassen und Genossen hat Wissler jedoch klare Forderungen: „Ich hoffe und erwarte, dass die neuen Mehrheitseigentümer auch bei der vielfach kritisierten Bonitätsbewertung durch die Schufa mehr Transparenz schaffen.“

    Der CDU-Bundestagsabgeordnete Matthias Hauer findet es ebenfalls gut, dass Sparkassen und Genossenschaftsbanken zusammen die Mehrheit an der Schufa halten. „Die bewährten Strukturen innerhalb der Schufa bleiben dadurch erhalten“, erklärte Hauer. „Wir erwarten, dass höchste Anforderungen an den Datenschutz für die Kunden gesichert werden und somit auch das Vertrauen seitens der Kunden erhalten bleibt.“

    Die Schufa müsse sich aber auch weiterentwickeln und europäischer aufstellen, fordert Hauer. „Es muss dabei verhindert werden, dass auf lange Sicht Abhängigkeiten gegenüber Akteuren entstehen, die nicht in der Europäischen Union beheimatet sind.“

    Genossenschaftsbanken wollen weiter aufstocken

    Im Genossenschaftssektor hält die auf Ratenkredite spezialisierte Teambank, die ihre Beteiligung im Rahmen der jüngsten Aufstockung von 17,9 auf 18,9 Prozent erhöhte, den größten Anteil an der Schufa. Darüber hinaus sind Finanzkreisen zufolge 18 Volks- und Raiffeisenbanken beteiligt.

    Der Genossenschaftssektor könnte seine Anteile an der Schufa, die zuletzt insgesamt mit rund zwei Milliarden Euro bewertet wurde, weiter aufstocken. Bei Volksbanken gebe es Interesse, zusätzliche Aktien zu kaufen, sagten Insider. Auch die Teambank könne ihre Beteiligung weiter ausbauen. Der BVR betonte, das Vorerwerbsverfahren sei noch nicht abgeschlossen. „Deshalb ist noch mit weiteren Änderungen zu rechnen.“

    Die Sparkassen haben ebenfalls angekündigt, ihre Beteiligung an der Schufa zu erhöhen, um sich gemeinsam mit den Genossen eine Mehrheit zu sichern. Sie wollen ihren Ankündigung auch Taten folgen lassen, sind dabei allerdings noch nicht so weit wie die Genossen. Zudem gehen Beteiligte davon aus, dass die Sparkassen weniger zusätzliche Schufa-Anteile kaufen werden als die Genossen.

    Beim Bundeskartellamt haben Sparkassen ihr Vorhaben, Schufa-Anteile aufzustocken, kürzlich auch angemeldet. Die Behörde hat aber noch keine Entscheidung getroffen, wie sie auf Anfrage erklärte. Die Pläne von Teambank und EQT hatte sie Anfang Februar durchgewinkt.

    Wie die künftigen Beteiligungsverhältnisse bei der Schufa aussehen werden, ist auch aus einem anderen Grund noch offen: EQT hat Finanzkreisen zufolge weiter Interesse an einem Einstieg – allerdings unter der Bedingung, dass Sparkassen und Genossen wesentliche Reformideen des Finanzinvestors für die Schufa unterstützen.

    Die Schweden haben bereits in der Vergangenheit deutlich gemacht, dass sie sich auch als „bedeutender Minderheitsaktionär“ engagieren würden. EQT hat deshalb Finanzkreisen zufolge Interesse an den Schufa-Anteilen von Commerzbank und Deutscher Bank signalisiert und mit beiden Geldhäusern darüber bereits gesprochen. Die beiden größten deutschen Privatbanken, die sich zu dem Thema genauso wie EQT nicht äußern wollten, halten gemeinsam 18 Prozent an der Schufa.

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