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28.11.2022

09:48

Wirtschaftsauskunftei

Genossenschaftsbanken erwägen Aufstockung ihres Schufa-Anteils

Von: Elisabeth Atzler, Andreas Kröner

Deutsche Bank und Commerzbank verhandeln mit dem Finanzinvestor EQT über einen Verkauf ihrer Schufa-Anteile. Doch die Genossen könnten dazwischenfunken. Nicht zum ersten Mal.

Die Schufa wurde 1927 als „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“ gegründet. dpa

Schufa

Die Schufa wurde 1927 als „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“ gegründet.

Frankfurt Die deutschen Genossenschaftsbanken erwägen, weitere Anteile an der Wirtschaftsauskunftei Schufa zu übernehmen. „Für uns ist die Schufa eine strategisch relevante Beteiligung und so gehen wir auch damit um“, sagte Marija Kolak, die Präsidentin des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), dem Handelsblatt.

„Deshalb schauen wir uns immer an, wenn sich Beteiligungen verändern, und können uns grundsätzlich vorstellen, unsere Anteile weiter aufzustocken“, erklärte Kolak. Die Genossenschaftsbanken und die Sparkassen haben ihre Beteiligungen an der Schufa gemeinsam zuletzt bereits auf knapp 55 Prozent erhöht, sie halten jeweils etwa gleich viele Anteile. Damit verhinderten sie, dass sich der schwedische Finanzinvestor EQT wie anvisiert eine Mehrheit an der Schufa sichert.

EQT gibt jedoch nicht auf und versucht nun, eine bedeutsame Minderheitsbeteiligung an der Schufa aufzubauen. Seit einiger Zeit verhandelt der Finanzinvestor deshalb Insidern zufolge darüber, der Deutschen Bank und der Commerzbank deren Schufa-Beteiligung abzukaufen. Beide halten zusammen 18,6 Prozent an dem in Wiesbaden ansässigen Unternehmen.

Mit der Deutschen Bank sei sich EQT schon weitgehend handelseinig, berichten mit den Diskussionen vertraute Personen. Mit der Commerzbank liefen die Gespräche noch, seien aber auf einem guten Weg. Bis ein möglicher Deal unterschrieben und umgesetzt werde, könne es allerdings noch dauern, da Bestandsaktionäre der Schufa ein Vorkaufsrecht hätten.

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    Die Genossenschaftsbanken könnten also weitere Anteile an der Schufa übernehmen und somit dafür sorgen, dass die Beteiligung von EQT möglichst klein bleibt. EQT, die Deutsche Bank und die Commerzbank wollten sich zu dem Thema nicht äußern. Der BVR bestätigte, dass die genossenschaftliche Finanzgruppe erneut ein Vorkaufsrecht habe.

    Wie viele Anteile kann sich EQT sichern?

    Die Schufa hat für Verbraucher, Banken und den Handel eine große Bedeutung. Will in Deutschland jemand einen Kreditvertrag abschließen, ein Auto kaufen oder eine Wohnung mieten, machen Banken, Einzelhändler oder Vermieter in der Regel einen Bonitätscheck bei der Auskunftei, die 1927 als „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“ gegründet wurde.

    EQT hatte im Herbst 2021 mit der französischen Großbank Société Générale vereinbart, deren Beteiligung von zehn Prozent an der Schufa zu übernehmen. Darüber hinaus wollten die Schweden weitere Anteile von anderen Instituten aufkaufen. Der Wert der Schufa wurde damals auf rund zwei Milliarden Euro taxiert.

    Sparkassen und Genossenschaftsbanken durchkreuzten die Pläne von EQT jedoch und nutzten bereits zu jener Zeit ihre Vorkaufsrechte. EQT konnte deshalb nur einen Teil des Société-Générale-Pakets übernehmen.

    Mit den Anteilen von Deutscher Bank, Commerzbank und anderer verkaufswilliger Institute könnten die Schweden ihren Anteil nun aber doch auf mehr als 20 Prozent erhöhen. Dass EQT auf über 25 Prozent kommt und damit eine Sperrminorität hat, halten Beteiligte aktuell für unwahrscheinlich.

    Der BVR erklärte: „Wir bewerten die Situation, wenn es so weit ist.“ Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband wollte sich dazu und zu einer möglichen weiteren Aufstockung der Schufa-Anteile nicht äußern.

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