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26.05.2022

15:44

Zahlungsabwicklung

Zahlung per Giro- oder Kreditkarte bundesweit gestört – viele Einzelhändler und auch Tankstellen betroffen

Von: Elisabeth Atzler, Florian Kolf, Yasmin Osman

Bei Einzelhändlern und Tankstellen sind derzeit keine Kartenzahlungen möglich. Der Grund sind Probleme mit bestimmten Terminals des US-Anbieters Verifone. Der stellt Abhilfe in Aussicht.

Ein Problem beim US-Terminalanbieter Verifone sorgt dafür, dass bei vielen Einzelhändlern in Deutschland Kartenzahlungen nicht funktionieren. Verifone

Kartenlesegerät von Verifone

Ein Problem beim US-Terminalanbieter Verifone sorgt dafür, dass bei vielen Einzelhändlern in Deutschland Kartenzahlungen nicht funktionieren.

Frankfurt, Düsseldorf Die Zahlung per Girokarte oder per Kreditkarte in Deutschland ist nach Angaben von Zahlungsdienstleistern und Einzelhändlern bundesweit gestört. Das gilt auch für die meisten Handy-Bezahlarten. Grund sind Probleme mit bestimmten Kartenlesegeräten des US-Unternehmens Verifone. 

Die Störung, die zum Teil schon am Dienstag aufgetreten war, dauerte am Donnerstag fort, wie eine Sprecherin des Bundesverbands deutscher Banken sowie eine Sprecherin des Zahlungsdienstleisters Payone bestätigten.

Am Donnerstag kündigte Verifone auf Anfrage an, das Unternehmen werde „in Kürze ein Software-Update für unsere Kunden bereitstellen, um das Problem zu beheben“. Man arbeite „mit höchster Priorität“ an einer Lösung und kooperiere „intensiv“ mit Kunden und Partnern. Das Problem betreffe einen „bestimmten Anteil der Verifone-H5000-Terminals, die hauptsächlich in Deutschland eingesetzt werden“. Man werde die Kunden informieren, sobald das Software-Update verfügbar sei. 

Eine Umfrage des Handelsblatts hatte zuvor gezeigt, wie breitflächig das Problem aufgetreten war. Kartenzahlungen waren etwa bei mehreren großen Einzelhändlern, Drogeriemarkt-Ketten und Tankstellen nicht möglich.

Das gilt beispielsweise für einen Teil der Edeka-Märkte. „Es handelt sich um ein branchenübergreifendes Problem, von dem aktuell mehrere Handelsunternehmen betroffen sind“, teilte der Einzelhändler am Mittwochnachmittag auf Anfrage mit. „Der Hersteller arbeitet bereits intensiv an einer Behebung der Störung.“

Auch bei Aldi Nord ist in einigen Filialen keine Kartenzahlung möglich, erklärte das Unternehmen. Bei der Drogeriemarktkette dm gibt es deutliche Einschränkungen: „Aufgrund eines übergreifenden, nationalen technischen Problems bei der Abwicklung von Kartenzahlungen können diese derzeit gar nicht oder nur vereinzelt – je nach Kartenterminal im Markt – durchgeführt werden“, sagte Martin Dallmeier, als dm-Geschäftsführer verantwortlich für das Ressort Finanzen und Controlling. Der Wettbewerber Rossmann ist nach eigenen Angaben ebenfalls betroffen.

Auch Tankstellen sind betroffen

Vor den Schwierigkeiten stehen Kundinnen und Kunden auch bei Tankstellen, beispielsweise bei Esso: Bei rund 500 Esso-Tankstellen gibt es schon seit Dienstagmorgen Störungen bei unbaren Zahlungen, so der Ölkonzern Exxon Mobil.

Laut dem Zahlungsdienstleister Payone waren die Probleme bei den Verifone-Kartenzahlungsterminals des Typs H5000 bereits am Dienstag erstmals aufgetreten. Payone zufolge ist die Ursache ein sogenannter Zertifikatsfehler. Nach aktuellem Stand werde es nötig sein, auf allen H5000-Terminals Softwareupdates einzuspielen.

Der Zahlungsdienstleister Concardis bestätigte, dass Verifone „mit Hochdruck an einer Fehlerbehebung“ arbeite. Der Zahlungsdienstleister bat Händlerkunden, die Geräte vorerst nicht eigenständig neu zu starten und die Terminals unverändert sowohl an der Stromversorgung sowie am Netzwerk angeschlossen zu lassen. Das betonte auch der Bundesverband der entsprechenden Netzbetreiber.

Als fraglich gilt, ob das Problem, falls ein Terminal einmal ausgeschaltet wurde, überhaupt digital und aus der Ferne behoben werden kann. 

Unklar ist auch, wie viele Kartenlesegeräte genau gestört sind. Branchenkennern zufolge ist der Terminaltyp H5000 zwar ein Auslaufmodell, aber noch weit verbreitet. Demnach könnten 100.000 entsprechender Geräte im Einsatz sein. Insgesamt gibt es in Deutschland nahezu eine Million Kartenterminals.

Gemessen am Umsatz dominieren Kartenzahlungen

Die Verbraucher in Deutschland zahlen immer mehr mit der Karte an der Ladenkasse, meist mit der Girocard, besser bekannt unter dem alten Namen „EC-Karte“. Der Umsatzanteil von Kartenzahlungen an der Ladenkasse stieg 2021 auf fast 59 Prozent. Im Vorjahr machten Kartenzahlungen 56 Prozent aus, wie das EHI Retail Institute, ein Forschungsinstitut des Handels, ermittelt hat. 2017 hatte Bargeld noch überwogen.

Kleine Beträge zahlen die Deutschen aber nach wie vor am liebsten mit Münzen und Scheinen. So wurden 2021 noch 61 Prozent der Transaktionen in bar beglichen.

Aldi Süd ist von der Störung nicht betroffen, wie das Unternehmen mitteilte. Bei Rewe ist der Terminaltyp von Verifone grundsätzlich nicht im Einsatz. Es könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne Händler ihn doch nutzen würden, so Rewe.

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