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30.08.2022

19:43

Zahlungsdienstleister

Fast zwei Jahre nach der Wirecard-Übernahme: Santander benennt Chefin für Deutschland

Von: Felix Holtermann, Sandra Louven

Die Fintech-Expertin Nicole Mantow soll ab Oktober das Deutschlandgeschäft des Zahlungsdienstleisters Pagonxt von Santander leiten.

Santander setzt Nicole Mantow als Chefin bei Pagonxt in Deutschland ein. Evo Paymants International

Nicole Mantow

Santander setzt Nicole Mantow als Chefin bei Pagonxt in Deutschland ein.

Madrid, New York Fast zwei Jahre nachdem die spanische Großbank Santander die Technologieplattform des insolventen deutschen Zahlungsdienstleisters Wirecard übernommen hat, bekommt das Geschäft eine eigene Chefin. Ab dem 1. Oktober wird Nicole Mantow Geschäftsführerin der Pagonxt Merchant Solutions in Deutschland.

Pagonxt ist ein Fintech, in dem Santander seine verschiedenen Zahlungsdienstleister weltweit zusammenführt. Santander bestätigte die Personalie auf Handelsblatt-Anfrage.

Mantow stößt neu zu Pagonxt und stammt nicht aus dem Skandalkonzern Wirecard, der 2020 im Zuge eines milliardenschweren Betrugsskandals untergegangen war. Santander hatte die Übernahme der Wirecard-Reste Ende Januar 2021 abgeschlossen, aber zunächst erhebliche Probleme damit.

Die rund 500 übernommenen Wirecard-Mitarbeiter vermissten eine klare Perspektive, wie es weitergehen sollte, und monierten, dass in Ermangelung eines eigenen Chefs altbekannte Manager aus den Wirecard-Jahren weiterhin die Geschäfte leiteten.

Tatsächlich gab es zahlreiche Beispiele für Mitglieder der alten Führungsriege, die bei Santander untergekommen waren. Viele hatten eng mit dem inhaftierten Vorstandschef Markus Braun, dem flüchtigen Asienchef Jan Marsalek oder anderen Vorständen zusammengearbeitet, gegen die heute ermittelt wird. Die Gewerkschaft Verdi kritisierte Mauscheleien, Arbeitsüberlastung und eine problematische Führungskultur.

Offiziell war der Spanier Ignacio Narvarte, Geschäftsführer von Pagonxt, für den Neuerwerb mit Sitz in Aschheim bei München verantwortlich. Doch der musste stets aus Madrid einfliegen.

Berufung kommt bei Mitarbeitern gut an

Damit ist nun Schluss. „Ich bin gespannt, wohin sie unser Unternehmen führen und ausbauen wird“, schrieb Narvarte in einem digitalen Brief an die Mitarbeiter, in dem er die Personalie ankündigte. Das Schreiben liegt dem Handelsblatt vor.

Unter den Mitarbeitern in Aschheim wurde die Berufung Mantows als positives Signal aufgenommen. „Wir haben über den Sommer viele Kündigungen erlebt, die Leute haben keine Geduld mehr“, so eine Stimme. Es sei gut, dass die neue Chefin aus dem Start-up-Sektor komme und nicht aus dem alten Wirecard-Universum. „Wir hoffen, dass es mit Frau Mantow endlich bergauf geht.“

Mantow war bis Ende 2021 CEO und Managing Director der Zahlungsdienstleister HRS Payment Solutions und Invisible Pay in Köln. Zuvor arbeitete die 51-Jährige bei diversen Zahlungsanbietern, unter anderem elf Jahre bei Concardis. „Nicole verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung im internationalen Finanz- und Zahlungsverkehr und bringt ein umfassendes Verständnis des Zahlungsverkehrs aus vielen Blickwinkeln mit, einschließlich Vertrieb, Betrieb, Produkte, Marketing und mehr“, heißt es bei Santander.

Santander hat Pagonxt Ende 2020 gegründet und ist damit als Zahlungsdienstleister für Privatpersonen, für Händler und für kleine und mittelgroße Unternehmen aktiv, die in verschiedenen Währungsräumen Geschäfte machen.

Die Geschäftssparte mit dem Zahlungsverkehr für Händler firmiert unter dem Namen Getnet, gehört zu Pagonxt und hat die Wirecard-Reste übernommen. Getnet hat seinen Händlerumsatz im vergangenen Jahr um 50 Prozent auf 116 Milliarden Euro gesteigert. Bis 2024 wollte Getnet zu den Top fünf unter den E-Commerce-Zahlungsabwicklern in Europa aufsteigen, besagten interne Pläne, die das Handelsblatt einsehen konnte.

Beim Geschäftsaufbau werde man auf die „gekauften Technologie-Assets von Wirecard setzen“, so Santander-Finanzvorstand José García Cantera im vergangenen Jahr. Gemeint war hiermit das reale Europageschäft des Zahlungsdienstleisters, nicht das zu großen Teilen fiktive Asiengeschäft. Dessen Aufdeckung hatte 2020 zur Pleite von Wirecard geführt.

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